Vorstellung Nissan Pulsar : Neuanlauf als Platzwunder

Nissan nimmt einen neuen Anlauf in der Kompaktklasse. Der Nissan Pulsar lockt und startet mit günstigem Preis. So aufregend wie er sich gibt, ist er allerdings nicht.

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Ganz der große Bruder: Vorne ist der Nissan Pulsar fast identisch mit dem Qashqai.
Ganz der große Bruder: Vorne ist der Nissan Pulsar fast identisch mit dem Qashqai.Foto: Markus Mechnich

Nissan und die Kompaktklasse, das war bisher eine Kombination, die noch nicht so richtig gut funktioniert hat. In den achtziger Jahren hatten Japaner mit Sunny ein beachtenswertes und vor allem sehr zuverlässiges Auto auf dem Markt, das aber nur auf relativ bescheidene Verkaufszahlen kam. Es folgte der Nissan Almera bis 2004 und bis 2011 der Tiida. Allesamt solide Autos, die aber bei den Kunden offenbar zu wenig Eindruck hinterließen, weshalb man in Europa die Kompaktklasse vor drei Jahren erst mal verlassen hat.

Nun hat sich Nissan als Marke in den letzten Jahren stark gewandelt. Mit dem Nissan Qashqai hat man seit 2007 ein ausdrucksstarkes Kompakt-SUV auf dem Markt, das für die Japaner ein Riesenerfolg wurde. Der Crossover, der mit seinen geringen Abmessungen (4,33 Meter lang) immer noch zu den Kompakten zählt, kann sogar den Platzhirsch Tiguan ärgern. Wozu also noch ein Kompaktmodell?

Lücke im Angebot und in der Preisliste

"Wir schließen mit dem Pulsar eine Lücke in unserem Showroom", sagt der Geschäftsführer von Nissan Deutschland, Thomas Hausch. Zwischen dem Nissan Note und dem Qashqai gab es bisher nur das Elektroauto Leaf und den extrovertierten Juke. Mit dem polarisierenden Design wollten sich so einige Kunden nicht gerne anfreunden. Die Lücke war aber vor allem in den Preislisten vorhanden. Zwischen dem Note mit einem Einstiegspreis von rund 14 000 Euro und dem Nissan Qashqai mit knapp 20 000 gab es bisher eben nur den wilden Juke. Der Nissan Leaf fährt preislich ohnehin in anderen Regionen.

So gibt es jetzt mit dem Nissan Pulsar den Neuanfang in der Kompaktklasse. Lücke hin oder her, ein mutiger Schritt ist es dennoch. Denn in diesem Segment drängeln sich mehr als 30 Wettbewerber. Allerdings ist der Kuchen, den es da zu verteilen gibt auch recht groß. In Deutschland wurden in diesem C-Segment mehr als 750 000 Autos im vergangenen Jahr zugelassen. Das ergab sogar ein Plus von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im restlichen Europa sieht es ähnlich aus und daher ist es dann nicht mehr ganz so erstaunlich, dass Nissan hier ein neues Modell platziert. Bis 2019 soll das Segment in Europa auf 4,9 Millionen Fahrzeuge jährlich anwachsen. Der Markt ist also da. Fragt sich nur, ob der Nissan Pulsar besser den europäischen Geschmack trifft als es ein Sunny oder ein Almera vermochten.

Im Radstand Klassenprimus

Im Fond und im Kofferraum zeigt sich der Nissan Pulsar als Raumwunder.
Im Fond und im Kofferraum zeigt sich der Nissan Pulsar als Raumwunder.Foto: Markus Mechnich

Von der Optik her hat man bei Nissan auf Bewährtes gesetzt, nämlich auf den Qashqai. Der Nissan Pulsar trägt genau die gleiche Fahrzeugfront vor sich her und zeigt auch am Heck Designelemente von Nissans Bestseller. Und das obwohl er sich die Plattform mit dem kleineren Juke teilt. Was einmal geht, das geht auch zweimal, war da wohl das Motto. Mit einer Länge von 4,34 ist er nur unwesentlich länger als der Platzhirsch VW Golf.

Die Verarbeitung und die Materialien sind ordentlich ausgefallen. Mittelkonsole und Cockpit lassen sich gut gut bedienen und wirken nicht überfrachtet.
Die Verarbeitung und die Materialien sind ordentlich ausgefallen. Mittelkonsole und Cockpit lassen sich gut gut bedienen und...Foto: Markus Mechnich

Entscheidender ist das schon der Innenraum. Mit einem Radstand von 2,72 Meter setzt das Modell einen Rekord in dieser Klasse. Und das macht sich positiv beim Raumangebot bemerkbar. Vorne geht es bereits großzügig zu, aber im Fond ist es richtig luftig. Selbst Sitzriesen von zwei Metern und mehr können hier noch bequem Platz nehmen und in der Breite verdient sich das Auto tatsächlich mal seine Bezeichnung als Fünfsitzer. Der Kofferraum schluckt 385 Liter, bei umgelegter Rückbank werden es 1395 Liter. Damit schlägt er einen Golf um 42 und 125 Liter. Der Nissan Pulsar dürfte mit diesen Zahlen so etwas wie das Raumwunder in der Kompaktklasse werden. Das könnte schon einige Kunden überzeugen, zumal sich das Interieur auch sonst ganz solide zeigt. Zwar dominieren Kunststoffe das Armaturenbrett, doch das aufgeschäumte Material wirkt durchaus wertig, wenngleich es nicht ganz an die Qualität aus Wolfsburg rankommt.

Viele Assistenten, wenig Motoren

Bei den Assistenzsystemen hingegen braucht Nissan den Vergleich kaum zu scheuen. Auch im Nissan Pulsar ist das vom Qashqai bekannte Safety Shield verfügbar, wenngleich es erst in der höchsten Ausstattungsvariante Tekna serienmäßig geliefert wird. Mit dem Around View Monitor beansprucht Nissan gar ein Alleinstellungsmerkmal in der Klasse. Einparken mit Sicht aus der Vogelperspektive gab es bisher tatsächlich noch nicht in diesem Segment.

Mit 4,34 Meter ist der Nissan Pulsar nur unwesentlich länger als ein Golf.
Mit 4,34 Meter ist der Nissan Pulsar nur unwesentlich länger als ein Golf.Foto: Markus Mechnich

Bei den Motoren ist die Technik-Vielfalt allerdings weniger üppig. Zum Start wird es den Nissan Pulsar mit einem 1,2 Liter großen Benziner mit 115 PS und einem Diesel mit 1,5 Liter Hubraum und 110 PS geben. Im nächsten Frühjahr wird das Angebot dann noch um einen 190 PS starken Otto-Motor erweitert. Dann kommt auch das X-Tronic-Getriebe mit sechs Gängen, allerdings nur für den 1,2 Liter Benziner. Ein Sparmeister ist tatsächlich der kleine Benziner, der sich auf der realitätsfernen Normrunde mit glatten fünf Litern begnügt hat. Auf den ersten Testfahrten wies der Bordcomputer den Verbrauch mit 6,4 Litern aus, was einem moderaten, branchentypischen Aufschlag entspricht. Dafür bringt er eine leichte Durchzugsschwäche mit. Das maximale Drehmoment von 190 Newtonmetern liegt schon bei 2000 Umdrehungen pro Minute an, während die Höchstleistung erst bei 4500 Umdrehungen erreicht wird. Ein Sprinter wird aus dem Nissan Pulsar somit nicht, aber Sparfüchse werden sich freuen.

Günstig bis Ende des Jahres

Der Diesel lässt sich aus dem Drehzahlkeller da schon flotter bewegen. Sein Drehmoment von 260 Nm wird zwischen 1750 und 2500 Touren zur Verfügung gestellt. Dafür geht ihm dann obenrum eher die Luft aus. Mit einem Normverbrauch von 3,6 Litern ist der Motor aus der Renaultproduktion dafür noch sparsamer. Hier lassen sich in der Praxis ohne Mühe Werte um die fünf Liter realisieren. Beide Antriebe zeigen sich als ordentliche Motorisierungen für das Auto. Allerdings schaffen es beide Aggregate nur auf die Überbrückungsnorm Euro 5b+.

Sparfüchse werden sich auch über die Einstiegspreise der "Launch Edition" freuen, die Nissan bis Ende des Jahres für alle Varianten angibt. Vom Marktstart am 10. Oktober bis Ende des Jahres gibt es den Pulsar schon ab 15 990 Euro mit dem kleinen Benziner. Der Diesel kostet dann mindestens 17 940 Euro in der Basisvariante. Das sind jeweils rund 2000 Euro Nachlass gegenüber den Listenpreisen. Ab 2015 soll dann Schluss sein mit Rabatt und der Pulsar wird dann mindestens 17940 Euro mit dem kleinen Benziner und 19 890 Euro kosten. Auf die Frage, warum es erst mal Rabatt gibt hat Nissan Geschäftsführer Hausch eine einfache Antwort: "Der Pulsar muss sich im Segment beweisen". Mit dem Preis haben die Verkäufer da erst mal ein paar gute Argumente in der Hand und das sind nicht die einzigen. Davon braucht es in der Kompaktklasse auch eine Menge um gegen den Wettbewerb bestehen zu können.

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