Vorstellung Opel Astra : Der Lichtblick

Der neue Opel Astra könnte das Comeback des Jahres werden. Zumindest trommeln die Rüsselsheimer entsprechend und werfen ihr gesamtes technische Können in die Waagschale. Ein erstes Probesitzen in Opels neuem Lichtblick.

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Bote einer neuen Zeit: Der Opel Astra wurde von Grund auf neu konzipiert und so technisch fit für die Zukunft gemacht.
Bote einer neuen Zeit: Der Opel Astra wurde von Grund auf neu konzipiert und so technisch fit für die Zukunft gemacht.Foto: Hersteller

Der ewige Zweite, der Beste vom Rest – das scheint das Schicksal des Opel Astra zu sein. Nur, was in den Achtzigern noch ein harter Kampf um die Spitze in der Kompaktklasse zwischen dem VW Golf und dem Opel Astra zu sein schien, ist heute ein Duell der Ungleichen. Das will man in Rüsselsheim ändern und zeigt mit dem Opel Astra K, dem kommenden jüngsten Spross der Familie um den einstigen Kadett, ein Auto, das Wolfsburg tatsächlich mal wieder Kopfzerbrechen bereiten könnte.

Golf, Kadett und Escort – Das war in den achtziger Jahren das Triumvirat der Kompaktklasse. Phasenweise machten diese drei Modelle bald drei Viertel des Absatzes im Segment unter sich aus. Diese Zeiten sind vorbei. Saß der Kadett dem Wolfsburger Bestseller phasenweise dicht im Nacken, so kommt der Golf heute auf das Fünffache der Zulassungen eines Astra auf dem deutschen Markt. Der liegt ähnlich wie der Focus bei rund 50.000 jährlich, während ein Golf regelmäßig die viertel Million knackt. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Tatsache ist aber, dass der Opel Astra zur Aufholjagd ansetzt. Und zwar von Grund auf in neuer Gestalt. Und vor allem völlig neu illuminiert.

Opel Astra bietet Lichttechnik aus der Oberklasse

LED-Matrixlicht heißt die Technik, die den Opel Astra in Szene setzt. Besser gesagt seine Umwelt, denn die neuen Frontscheinwerfer leuchten dank der LED-Technik weiter und können den Gegenverkehr über acht Einzelsegmente gezielt ausblenden. Über die Stereo-Kamera in der Frontscheibe werden andere Fahrzeuge erkannt und die Elektronik schließt gezielt die betroffenen Segmente, in denen sich das Fahrzeug befindet, während die restlichen weiter die eigene Spur und den Straßenrand ausleuchten. Die Technik ist bekannt aus Oberklasse-Modellen, wie etwa dem Audi A8. Im Kompaktklassesegment hat Opel damit erst mal ein Alleinstellungsmerkmal. 1150 Euro kostet die Technik extra.

Hinten sind die LED-Leuchten im neuen Opel Astra Sonderausstattung. Das Design ist mit dem schwebenden Dach, das durch eine Blende von Chassis abgesetzt wird, deutlich schicker geworden.
Hinten sind die LED-Leuchten im neuen Opel Astra Sonderausstattung. Das Design ist mit dem schwebenden Dach, das durch eine Blende...Foto: Hersteller

Das ist natürlich nicht der einzige Fortschritt, den der neue Opel Astra vorweisen kann. Der wesentlichste Schritt der Entwicklung macht sich im Verhältnis Abmessungen zu Innenraum bemerkbar. Der Astra ist um fast fünf Zentimeter auf 4,37 Meter geschrumpft, in der Breite sind es 3,4 und in der Höhe 2,6 Zentimeter. Dennoch kann das Fahrzeug deutlich verbesserte Platzverhältnisse vorweisen. Hinten sitzt es sich selbst als Passagier mit Gardemaß von zwei Metern sehr kommod, vorne sind die Platzverhältnisse ebenfalls recht großzügig ausgefallen. Auch das Kofferraumvolumen ist auf das Niveau des Wettbewerbs geklettert. Waren es vorher in manchen Varianten nur 275 Liter, so blickt der Opel Astra nun auf mindestens 370 Liter Freiraum im Heck. Bei umgelegter Sitzbank werden es bis 1210 Liter, die der fünftürige Rüsselsheimer Kompakte so schluckt.

OnStar auch im neuen Opel Astra

Zweite wesentliche Neuerung im Interieur des Opel Astra ist die völlig neu gestaltete Mittelkonsole mit neuem Touchscreen für das Infotainmentsystem. Die Zeiten der Knöpfchenflut ist vorüber und es wird ihr kaum jemand hinterhertrauern. Was sich nun über der Mittelkonsole findet, ist ein schickes, in Chrom eingefasstes Display, das in den Formaten 6,3, 7 und 8 Zoll (im Business-Paket für 1090 Euro) erhältlich ist. Schmuck sieht die iPhone-Optik aus, in denen die Menüs gehalten sind. Das System versteht sich mit Android- und Apple-Smartphone über Android Auto und Apple Car Play.

Ebenfalls an Bord ist das neue OnStar-System, mit dem Opel diverse Services anbietet, unter anderem einen Notfallruf und verschiedenen Concierge-Services, die etwa die Routen zu Restaurants, Hotels oder anderen Zielen direkt auf das Navi bringen. Im Interieur wird der neue Opel Astra zudem noch eine neue Generation der bekannten Gesundheitssitze mit dem Zertifikat „Aktion Gesunder Rücken“, AGR e.V., auf den Markt bringen. Neben einer Sitzheizung bringen diese nun auch Klimatisierung mit.

„Unsere Ingenieure haben den neuen Astra auf dem sprichwörtlichen weißen Blatt Papier entwickelt“, sagt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann über die Neuauflage des Klassikers mit dem Blitz. Bildhaft wird das mit dem Gewichtsersparnis des bisher etwas pummeligen Astra, der stets deutlich mehr 1500 Kilo auf die Waage brachte. Bis zu 200 Kilogramm weniger sollen es dank der neuen Plattform geworden sein, motor- und ausstattungsunabhängig mindestens 120 Kilogramm. Alleine bei der Rohkarosse sollen es bis zu 80 Kilogramm sein, beim Chassis nochmals 50 Kilo.

Dreizylinder aus dem Adam auch für den Opel Astra

Ergänzt wird das Weight-Watchers-Paket mit den neuesten Motoren, die Opel frisch im Regal hat. Die alten Schwergewichte dürfen in den neuen Opel Astra nicht mehr rein. Dafür bringen die Rüsselsheimer einen komplett neu entwickelten, 1,4 Liter großen Turbobenziner ins Portfolio. Der Vierzylinder, der auf der IAA im Herbst Premiere feiert, ist komplett aus Aluminium gefertigt und wird in zwei Leistungsstufen mit 125 und 150 PS angeboten. Die Basis teilt er sich mit dem Dreizylinder-Turbo-Motoren, die im Opel Adam verbaut werden. Durch die Aufladung wird der Antrieb ein Drehmoment-Plateau von 245 Newtonmeter zwischen 2000 und 3500 Umdrehungen pro Minute haben. Opel verspricht ein besonders agiles Fahrverhalten bei einem Normverbrauch von 4,9 Liter in der Euro-Runde.

Im Interieur dominiert das neue Infotainmentsystem des Opel Astra die Mittelkonsole. Dadurch ist der Rest deutlich aufgeräumter geworden, was vor allem der Bedienung zugute kommt.
Im Interieur dominiert das neue Infotainmentsystem des Opel Astra die Mittelkonsole. Dadurch ist der Rest deutlich aufgeräumter...Foto: Hersteller

Angeboten werden auf der Dieselseite natürlich wieder die neuen 1,6-Liter-Motoren, die in drei Leistungsstufen mit 95, 110 und 136 PS offeriert werden. Bei den Otto-Motoren bietet Opel eine Einstiegsvariante mit 100 PS an und zusätzlich wird der neue Opel Astra mit dem ein Liter großen Dreizylinder und 105 PS aus dem Opel Adam erhältlich sein. Angekündigt ist des Weiteren ein 200 PS starker Turbobenziner. Dabei dürfte es sich um den 1,6 Liter großen Turbobenziner handeln, der auch im Astra GTC verfügbar ist. Apropos GTC: Dieses Modell dürfte noch eine Weile auf dem Mark bleiben und frühestens 2017 abgelöst werden von der neuen Fahrzeugarchitektur.

Preise ab 17.290 Euro

Bei den Preisen startet der neue Opel Astra mit 17.260 Euro für den 1,4-Liter-Benziner ohne Turbo. Der Dreizylinder ist mit 17.690 Euro glatte 400 Euro teurer. Auf der Dieselseite kostet der günstigste Astra 20.260 Euro für den kleinsten Flüsterdiesel. Die größten Bestellraten dürfte die Kombination aus dem neuen Turbobenziner mit der Ausstattungslinie Dynamic vorweisen können, die für 22.460 Euro zu haben ist und die 110 PS starke Dieselvariante, die jedoch auf stattliche 3000 Euro Zuschlag kommt.

Nun lacht er auch hinten: Die Optik des Kühlergrills haben die Designer beim neuen Opel Astra auch im Heck wieder aufgenommen. Markant ist die stark geschwungene Dachlinien, die eine Coupé-Form vorweg nimmt.
Nun lacht er auch hinten: Die Optik des Kühlergrills haben die Designer beim neuen Opel Astra auch im Heck wieder aufgenommen....Foto: Hersteller

In der Ausstattungslinie Dynamic hat der Opel Astra bereits das sieben Zoll große Infotainmentsystem Intellilink 4.0 mit 7-Zoll-Display samt Onstar für ein Jahr (Abo jährlich 90 Euro), Tempomat, sowie Licht- und Sichtpaket dabei. Wichtigste Sonderausstattungen sind die LED-Matrix-Scheinwerfer für 1150 Euro, die Frontkamera inklusive der damit verbundenen Assistenten (Kollisionswarner, Verkehrsschildererkennung, Spurwechsel- und halteassistent – mind. 500 Euro), sowie natürlich die erweiterten Ergonomiesitze für 390 Euro pro Sitz.

Auch wenn die Ausstattungspolitik den Preis für den neuen Opel Astra in vielen Fällen gen 30.000 Euro treiben könnte, der Neue aus Rüsselsheim dürfte in seiner Klasse damit preislich trotzdem noch konkurrenzfähig sein. Im Vergleich zum Klassenprimus VW Golf dürfte er in den meisten Varianten günstiger sein und auch im direkten Vergleich mit den Modellen der wichtigsten Importeure, wie etwa den relativ neuen Peugeot 308, dem Mazda 3 oder dem Toyota Auris gut im Schnitt liegen.

Technisch sollte der Neue in der Lage sein, den meisten Konkurrenten der etwa 70 (!) Modelle umfassenden Kompaktklasse in seiner Neuauflage davonzufahren. Selbst Potenzial zum Golf-Jäger darf man dem Astra zuschreiben. Es kommt ja alles wieder, vielleicht auch eine Hackordnung wie in den achtziger Jahren. War ja nicht alles schlecht, damals.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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