Vorstellung Opel Astra : Zurück in die Top 3?

Der Opel Astra ist einer der wichtigsten Bausteine für das Comeback der Marke mit dem Blitz. Der Kompakte zeigt sich leichtfüßig, kommunikativ und erhellend. Aber manchmal auch als rauer Bursche.

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Alles neu beim Kompakten aus Rüsselsheim: Der Opel Astra 2015 macht sich auf die Hackordnung in der Kompaktklasse durcheinander zu wirbeln.
Alles neu beim Kompakten aus Rüsselsheim: Der Opel Astra 2015 macht sich auf die Hackordnung in der Kompaktklasse durcheinander zu...Foto: Hersteller

Bei Opel darf man wieder Erfolgsgeschichten schreiben. Zumindest was Absatz und Marktanteil angeht sind die Rüsselsheimer auf einem guten Weg, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Das sehen auch die Kunden so. Wie würde sich sonst erklären, dass der alte Astra im vergangenen Jahr noch 46.300 Mal verkauft wurde? Und das obwohl sich der neue Opel Astra schon am Horizont abzeichnete und bereits erste Bilder kursierten. Bei einer solchen Konstellation zeigt die Absatzkurve in der Regel steil nach unten. Nur noch gewerbliche Kunden und Schnäppchenjäger schlagen dann eigentlich noch zu. Bei Opel ging es im letzten Verkaufsjahr aber sogar nochmal bergauf.

Und das in einem Segment, das so umkämpft wie kein anderes auf dem deutschen Automarkt. Auf satte 23 Prozent am Gesamtmarkt kommen die Kompakten, oft auch Golf-Klasse genannt. Es tummeln sich aber auch mehr als 70 Wettbewerber hier. Klar, dass hier auch viel über den Preis verkauft wird, was die Sache nicht einfacher macht. Ein schwieriges Segment, in dem nur solche Modelle wirklich erfolgreich sind, die markant bleiben und wiedererkennbar bleiben.

Opel Astra mit gutem Platzangebot

Bei Opel ist man daher völlig neue Wege gegangen und hat den Astra komplett neu aufgesetzt. Sprich der kompakte Opel ist auf einem weißen Blatt Papier entstanden. Das war insofern auch nötig, als der Vorgänger an Übergewicht litt. Mit dem Neuaufbau hat man dem Opel Astra 200 Kilogramm abgehungert. Heraus kam – das ist in der Branche durchaus außergewöhnlich – ein kleineres Auto! Zwar sind die fünf Zentimeter (4,37 Meter) in der Länge und die drei Zentimeter (1,48 Meter) in der Höhe jetzt nicht sonderlich ins Gewicht. Damit ist der Opel Astra aber kompakter als viele seiner Konkurrenten. Einen VW Golf überragt er aber immer noch um gut zehn Zentimeter. Gewicht gespart wurde vor allem an der Rohkarosse (-50 Kilogramm), wo nun viel Aluminium eingesetzt wird.

Bei der Rundumsicht stört lediglich das hintere Fenster etwas. Ansonsten ist der Opel Astra 2015 sehr übersichtlich ausgefallen.
Bei der Rundumsicht stört lediglich das hintere Fenster etwas. Ansonsten ist der Opel Astra 2015 sehr übersichtlich ausgefallen.Foto: Hersteller

Das Raumangebot hat sich, dem Hersteller zufolge, um ein paar Millimeter verbessert, was Kopf- und Kniefreiheit im Fond angeht. Auf den vorderen Sitzen geht es jedenfalls sehr komfortabel zu. Grund ist nicht nur der Platz, sondern die erneut von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) zertifizierten Sitze und einige Komfortfeatures wie etwa eine Massagefunktion. Nehmen vorne Großgewachsene Platz, so wird es hinten doch etwas knapper mit dem Platz. Ansonsten können es sich hier Sitzriesen bis fast zwei Meter ganz gut bequem machen. Das Kofferraumvolumen beträgt 370 Liter im Normalfall und 1210 Liter bei vollständig umgeklappter Rückbank. Die gibt einen Raum von der Breite von einem Meter frei und die Rückbank faltet sich zu einer fast ebenen Fläche zusammen.

Opel Astra technisch auf hohem Niveau

Punkten möchte der Opel Astra aber vor allem über die neue Technik, die das Modell erhalten hat. Da wäre vor allem das Matrix-LED-Licht zu nennen, dass der Kompakte aus Rüsselsheim als erstes Modell in dieser Klasse einführt (In Kombination mit neuer Frontkamera je nach Ausstattung maximal rund 2000 Euro Aufpreis). Die Scheinwerfer mit ihren 16 LED-Segmenten, durch eine ebenfalls neue Frontkamera gelenkt, übernehmen generell die Fernlichtsteuerung, blenden Gegenverkehr gezielt aus und leuchten den Fahrbahnrand sichtbar besser aus. Ganz wie beim Audi A8, nur das der drei Klassen höher spielt und ein Mehrfaches teurer ist.

Ähnliches lässt sich über das Concierge-System OnStar sagen. Im Astra bringt Opel die Hilfe aus der Ferne in der nächsten Evolutionsstufe auf den Markt. Ein Tastendruck verbindet mit der OnStar-Zentrale, die bei der Navigation behilflich ist und entsprechende Ziele direkt auf das Navi schickt. Daneben ist OnStar noch Notruf-System für das eigene Auto, kann aber auch Hilfe für andere rufen. Auch da bringt der Opel Astra Technik ins Kompaktsegment, die bei anderen Herstellern in Modellen verkauft wird, die deutlich teurer sind.

Weniger ist mehr: Mit dem neuen Infotainmentsystem für den Opel Astra hat die Knöpfchenflut des Vorgängers ein Ende. Das zentrale Touchscreendisplay ist entweder sieben oder acht Zoll groß.
Weniger ist mehr: Mit dem neuen Infotainmentsystem für den Opel Astra hat die Knöpfchenflut des Vorgängers ein Ende. Das zentrale...Foto: Hersteller

Nachgelegt hat Opel auch beim Infotainmentsystem. Die Knöpfchenflut seines Vorgängers hat der Neue abgelegt. Es finden sich zwar immer noch einige Schalter auf Mittelkonsole und Lenkrad. Aber die Bedienung ist wesentlich einfacher und erschließt sich schnell. Das Display über der Mittelkonsole trägt jetzt das zeitgemäße Maß von acht Zoll und wird in zwei Varianten angeboten. Bei Intellilink 4.0 (Display 7 Zoll) können Apples iPhone und Android Smartphones über Carplay und Android Auto eingebunden werden. Damit laufen Entertainment und Navigation über das eigene Telefon. Beim Intellilink 900 sind dann Navigation und Kartenmaterial ebenso gleich dabei wie Lautsprecher oder vollständige Bluetooth-Konnektivität. Bei all der modernen Smartphone-Integration ist Opel mit den USB-Schnittstellen leider etwas sparsam geblieben. Nur einen Zugang gibt es unter der Armlehne in der Mitte, zwei weitere gibt es für 40 Euro Aufpreis hinten.

Je nach Gusto: harmonisch oder sportlich abgestimmt

Auch bei Motorensortiment hat man in Rüsselsheim keinen Stein auf dem anderen gelassen. Mit fünf Benzinern und drei Dieseln geht der neue Opel Astra 2015 ins Rennen. Auf der Dieselseite werden die bereits aus dem Insignia und anderen Modellen bekannten Flüsterdiesel in den Leistungsstufen 95, 110 und 136 PS eingeführt. Der Bestand an Otto-Motoren ist komplett überarbeitet worden. Ein völlig neuer Vierzylinder auf Basis des Dreizylinders, der im Opel Adam Premiere feierte, wurde hier entwickelt. Das 1,4 Liter große Aggregat leistet entweder 125 oder 150 und wird mit ambitionierten Verbrauchwerten von 5,1 Litern (5,5 Liter für 150-PS-Version) auf 100 Kilometer angegeben. Spitzenmotorisierung ist ein 1,6 Liter großer Turbo-Motor, der 200 PS leistet. Der wird aber erst ab November bestellbar sein und Preise stehen hier noch nicht fest. Neben den Diesel-Motoren zeichnet sich der aus dem Adam bekannte Dreizylinder-Benziner als Sparmeister aus. Mit seinen 105 PS begnügt er sich laut Prospekt 4,3 Litern für 100 Kilometer.

Der Opel Astra geht mit einer neuen Generation des Hilfsystems OnStar an den Start. Neben einem WLan-Hotspot und dem automatischen Notruf bietet die Technik auch über Fernruf diverse Services und das Auto kann per App ver- und entriegelt, sowie Licht und Hupe betätigt werden.
Der Opel Astra geht mit einer neuen Generation des Hilfsystems OnStar an den Start. Neben einem WLan-Hotspot und dem automatischen...Foto: Hersteller

Bei den ersten Testfahrten konnte der Opel Astra mit dem Dreizylinder dieses Versprechen nicht ganz einlösen. Auf der Autobahn pendelte sich der Verbrauch laut Bordcomputer auf Werte um die 5,8 Liter ein, was für einen aufgeladenen Benziner immer noch ein sehr ordentlicher Wert ist. Ansonsten ist der Astra mit den 105 PS sehr ordentlich motorisiert. Die Abstimmung auf den größeren Kompakten gegenüber dem kleinen Adam ist gut gelungen. Da stört es auch nicht, dass Opel lediglich ein Fünfganggetriebe für den ein Liter großen Direkteinspritzer anbietet. Denn auch das Getriebe harmoniert sehr gut mit der Charakteristik des Motor und dem Gewicht des Fahrzeugs.

Wesentlich sportlicher geht es dagegen natürlich mit dem 200-PS-Turbo zu. Hier macht sich auf kurviger Strecke auch das geringere Gewicht des Astra (1263 Kilogramm Leergewicht für den 1.0 Ecotec) bemerkbar. Der Opel Astra ist deutlich handlicher, stabiler in den Kurven und kommt flotter aus dem Eck. Dazu trägt natürlich auch das Sportfahrwerk bei, dass der stärkste Turbo serienmäßig mit auf den Weg bekommt. Im Gegenzug gibt der Astra in dieser Konfiguration Unebenheiten oder stößiges Kopfsteinpflaster auch relativ ungefiltert weiter. Eine rauhe Kombination für dynamisch orientierte Kunden, während das normale Fahrwerk doch deutlich komfortabler abgestimmt ist.

Gut gemacht, Opel!

Für den Kundenerfreulich bleibt Opel bei bisher schon gültigen Einstiegspreis von 17.260 Euro. Dafür bekommt er dann den 1,4 Liter Benziner ohne Turboaufladung mit 100 PS. Der Dreizylinder kostet genau 700 Euro mehr, die sich aber durch die geringeren Unterhaltskosten schnell rechnen dürften. Die beiden neuen Vierzylinder gibt es dann mit der höheren Ausstattunsglinie Edition ab 21.110 Euro (125 PS) oder 22 360 Euro (150 PS). Bei den Dieseln beginnt die Preisspanne bei 20.260 Euro für die 95-PS-Variante. Der stärkste Selbstzünder steht als Edition mit 26.205 Euro im Prospekt. Alle Motoren erfüllen die Abgasnorm Euro 6.

Opel hat die gesamte Motorenpalette für den Astra überarbeitet. Bei den Benzinern gibt es neue Antriebe vom Dreizylinder bis zum 1,6 Liter großen Spitzen-Turbo mit 200 PS (Bild).
Opel hat die gesamte Motorenpalette für den Astra überarbeitet. Bei den Benzinern gibt es neue Antriebe vom Dreizylinder bis zum...Foto: Hersteller

In seinem letzten vollen Lebensjahr 2014 kam der Vorgänger in der Kompaktklasse auf einen Marktanteil von 5,3 Prozent und schaffte es in der Rangliste auf Platz fünf, knapp hinter dem Ford Focus und dem BMW 1er. Auf den ersten beiden Plätzen lagen der VW Golf und mit großem Abstand dahinter der Audi A3. An dieser Reihenfolge dürfte der neue Opel Astra im kommenden Jahr kräftig rütteln.

Der Kompakte aus Rüsselsheim ist modern, außen wie innen, kommt mit zeitgemäßen Motoren daher, bietet viel Nutzwert und leistet sich kaum Schwächen. Vor allem sprengt der neue Opel Astra mit seinen Matrix-LED-Scheinwerfern und dem OnStar-Service im Grunde schon die Klassengrenzen. Der Rüsselsheimer schließt auf zum, Klassenprimus Golf und kann ihn an der ein oder anderen Stelle sogar überholen. Vor allem beim Preis, wo der Opel Astra den Wolfsburger Überflieger, je nach Motorisierung und Ausstattung, um mindestens 1000 Euro unterbietet. Damit dürfte sich die Hackordnung in der Kompaktklasse spätestens im kommenden Jahr ändern. Der Astra wird sehr wahrscheinlich wieder unter die Top 3 fahren. Gut gemacht, Opel. Willkommen zurück.

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