Vorstellung Opel Karl : Der Mittelstürmer

Mit der neuen, kleinsten Baureihe, dem Opel Karl, wollen die Rüsselsheimer ein weiteres Lückenmodell erfolgreich platzieren. Das Segment ist Neuland und für einen großen Hersteller nicht ohne Tücken. Doch Karl geht in die Offensive.

Soll im Kleinstwagen-Segment abräumen: Der Opel Karl.
Soll im Kleinstwagen-Segment abräumen: Der Opel Karl.Foto: Hersteller

Mit kleinen Fischen fängt man die Großen – so etwa lässt sich die Strategie beschreiben, mit der Opel seine Aufholjagd in der Absatzrangliste derzeit vorantreibt. Nach dem flotten Adam und dem grundsoliden und keineswegs biederen Corsa kommt nun der Opel Karl als kleinster Blitzträger auf den Markt. Die Rüsselsheimer machen gerade brav ihre Hausaufgaben, besetzen die Lücken, die schwächelnde Franzosen, Japaner und die aus Europa verschwundene Schwestermarke Chevrolet hinterlassen haben. So kommt am 20. Juni der dritte Kleinwagen, pardon Kleinstwagen auf den Markt. Während andere nach Höherem streben, ihre Marken immer hochwertiger und damit auch teurer positionieren, bleibt man bei Opel auf dem Boden und geht dahin, wo die Konkurrenz groß ist, sich aber auch ordentlich Absatz generieren lässt. Das Segment der Kleinstwagen zeichnet sich durch kontinuierliche Zuwächse aus, laut Prognosen auch künftig, bis mindestens 2022. Viel Feind, viel Ehr. Dafür gebührt Respekt, denn auch für einen Volumenhersteller ist das Kleinstwagensegment ein knüppelhartes Geschäft, bei dem jeder Cent zählt. Beim Fußball würde man sagen: Opel geht dahin, wo es weh tut.

Kein Wunder also, dass sich die Rüsselsheimer im Gegensatz zum Adam, beim Karl eher in Bescheidenheit üben. Das Angebot ist simpel gestrickt: Ein Motor, drei Ausstattungslinien und zehn Farben. Und dazu noch eine Liste an Extras, die höchstens zwei Seiten lang ist.„Wir wollen den spontanen Käufer abholen, die einfache Strukturen schätzen“, sagt Peter Küspert, Vorstandsmitglied für Vertrieb bei Opel. Das Angebot passt dazu. Bei der Bestellung des Karl wird kein Kunde nächtelang Kataloge wälzen und sich durch meterlange Sonderausstattungslisten kämpfen müssen. Länger als eine Stunde dürfte selbst der zögerlichste Kunde kaum benötigen, um den Karl zu konfigurieren. Auch ein netter Effekt in unserer schnelllebigen Zeit.

Opel Karl ist nur unwesentlich kürzer als der Adam

Aber schauen wir zunächst aufs nackte Blech. Im Vergleich zum flotten Adam ist Opel beim Karl eher konservativ geblieben. Den „Lachmund“, bekannt unter anderem vom neuen Corsa und neues Markengesicht, trägt auch der Opel Karl. Markant sind drei Sicken, die dem Karl seitlich ins Blech gebügelt wurden. Dezent, aber durchaus belebend für die Optik, diese Stilelemente. Der Neue soll die praktische Seite des Angebots abdecken. Dafür gibt es den Opel Karl nur als Fünftürer, während der Adam stets ein Dreitürer bleibt. In der Länge nehmen sich die beiden Modelle übrigens nichts. Mit 3,68 ist Karlchen gerade mal zwei Zentimeter kürzer als sein hipper Bruder.

Das Äußere des Opel Karl ist klar konservativer gehalten als beim Bruder Opel Adam.
Das Äußere des Opel Karl ist klar konservativer gehalten als beim Bruder Opel Adam.Foto: Hersteller

Durch die weit öffnenden vorderen Türen fällt der Einstieg sehr bequem aus. Das lässt sich auch für den Fond sagen. Erstaunlich groß dieser Kleine. Wird der Vordersitz nicht ganz zurück geschoben, dann können hier auch Personen bis 1,90 Meter gut Platz nehmen. Dem verhältnismäßig riesigen Radstand von 2,38 Meter sei Dank. Noch größere Passagiere werden dann allerdings mit dem Fahrzeughimmel in Kontakt kommen. Dennoch beeindruckend, wie viel Platz der Kleine bietet. In dieser Hinsicht überraschen kann auch der Kofferraum. Wirkt es von außen noch, als wäre gar keiner da, so zeigt er innen ein Volumen von 215 Liter. Durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank werden daraus sogar 1013 Liter. Respekt! Schade nur, dass die geteilte Rückbank nur in der höchsten Ausstattungslinie verfügbar ist.

Ordentlich draufpacken beim Opel Karl

Ansonsten ist das Interieur recht wohnlich ausgefallen. Hartplastik ist das vorherrschende Material, was aber in der Klasse zum Standard gehört. Im Gegenteil, die Schalter, Knöpfe und Chromeinfassungen machen dagegen einen hochwertigen Eindruck, der den Karl leicht über das Klassenniveau hebt. Dazu trägt auch ein modernes Design von Cockpit und Mittelkonsole bei. Die Verarbeitung ist weitestgehend sauber und gibt keinen Anlass zur Beanstandung. Ebenfalls in der höchsten Ausstattungslinie gibt es gar ein Lederimitat namens Morrocana serienmäßg, das einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Auch bei der Zuladung kann der Opel Karl überraschen. Mit 414 Kilogramm darf der Kleine ordentlich draufpacken. Damit schlägt er die meisten Varianten des VW Up und lässt die Konkurrenten Peugeot 108, Toyota Aygo und Suzuki Celerio deutlich hinter sich.

In der Summe ist das Interieur des Opel Karl von der Wertigkeit her überdurchschnittlich wertig für seine Klasse ausgefallen. Das bessere Infotainmentsystem wird es erst ab Herbst geben. Dann kann im Karl über Iphone und Android-Telefon navigiert werden.
In der Summe ist das Interieur des Opel Karl von der Wertigkeit her überdurchschnittlich wertig für seine Klasse ausgefallen. Das...Foto: Hersteller

Gänzlich monothematisch bleibt Opel bei den Motoren. Für den Karl gibt es ausschließlich eine neue Variante des aus dem Adam und Corsa bekannten Dreizylinders mit einem Liter Hubraum. Für den Karl hat man hier aber nochmal Hand angelegt. Aus Kostengründen fielen Turboaufladung und die vom Turbo-Dreizylinder bekannte Ausgleichswelle weg. Der Sauger kommt auch ohne Direkteinspritzung aus und soll sich mit 4,3 Litern auf der Euro-Norm-Runde begnügen (99 Gramm CO2-Emissionen). Ein Start-Stop-System soll später dazukommen und den Verbrauch nochmals senken. Opel verspricht für die Neuentwicklung besondere Geräuscharmut und Vibrationsfreiheit.

Exklusiver Dreizylinder für den Opel Karl

Auf den ersten Testkilometern macht sich das Vollaluminium-Motörchen zwar durchaus mal akustisch durch dezentes Röhren bemerkbar. Dennoch muss man den Ingenieuren ein Kompliment machen. Erstaunlich, wie sie ohne die meisten gängigen technischen Hilfsmittel ein durchaus kultiviertes Aggregat kreiert haben. Durch den Neuaufbau konnten zwar einige Details für den Sauger optimiert werden. So wurde die Ölwanne zweigeteilt, der Abgaskrümmer aus Schallschutzgründen in den Zylinderkopf integriert und der Ventildeckel geräuscharm entworfen. Das alles geschah aber unter der Vorgabe, dass der Antrieb kostengünstig bleiben muss.

Das Platzangebot des Opel Karl ist für seine Abmessungen und die Klasse durchaus beachtlich.
Das Platzangebot des Opel Karl ist für seine Abmessungen und die Klasse durchaus beachtlich.Foto: Hersteller

Allerdings mag es der Ein-Liter-Sauger nicht gerne untertourig. Das maximale Drehmoment von 95 Newtonmeter liegt erst bei 4100 Umdrehungen pro Minute an. Bei Drehzahlen zwischen 1500 und 3000 Umdrehungen fehlt dem Opel Karl dann etwas der Saft. Wer flotter unterwegs sein möchte, der muss am Schaltstock des Fünfgang-Getriebes arbeiten. Das arbeitet ordentlich und die oberen Gänge sind auch nicht lang übersetzt. Ansonsten lässt sich mit dem 75 PS starken Motor recht gut vorankommen. Die 100 Stundenkilometer erreicht er in 13,9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h. Damit gab der Opel Karl auch auf den ersten Autobahnkilometern eine gute Figur ab. Muss zügig überholt werden, dann empfiehlt sich zwar auch mal der dritte Gang, sonst wird es etwas zäh. Aber Karlchen schwimmt gut mit im Autostrom auf dem Highway.

„Ich bin sehr stolz auf dieses Auto“, sagt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann bei der Präsentation des Karl. Das darf man durchaus glauben. Nicht nur, weil die beiden Namensvettern sind. Opels Kleinster hat das Potenzial die Rüsselheimer in der Absatzrangliste weiter nach oben zu bringen. Und das sicher nicht nur auf dem deutschen Markt. Für Osteuropa dürfte das Modell interessant sein und in den klassischen Kleinwagenländer im Europas Süden könnten die Kunden reges Interesse haben. Zumal der Opel Karl mit 9500 Euro Startpreis unterhalb dem der allermeisten Konkurrenten angesiedelt ist. Zwar kostet er mit der empfehlenswerten höchsten Ausstattungslinie dann 12 900 Euro. Aber selbst damit liegt Opel noch gut im Rennen. Das wird noch so ein Liebling aus Rüsselheim, dieser Karl. Und Opel dürfte er sicher ein ganzes Stück helfen auf dem Weg zur Gesundung. Mehr als 25 000 Vorbestellungen lassen da jedenfalls Gutes vermuten.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben