Vorstellung:Peugeot 308 : Golf auf französisch

In der Kompaktklasse war es zuletzt ziemlich langweilig. Mit dem neuen Peugeot 308 bekommt VWs Bestseller endlich ernst zu nehmende Konkurrenz. Der fesche Franzose könnte den Klassenprimus VW Golf richtig ärgern.

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Die Grimasse ist weg: Der neue Peugeot 308 kommt als schicker Kompakter ohne gestalterische Exzesse daher.
Die Grimasse ist weg: Der neue Peugeot 308 kommt als schicker Kompakter ohne gestalterische Exzesse daher.Foto: Hersteller

Auffällig sollte der Peugeot 307 und sein Nachfahre 308 werden; vielen wurde der Kühlergrill aber zu grimassig, und sie wandten sich ab. Nun soll es der namensgleiche Nachfolger – ein Novum bei Peugeot – richten; er wurde vom deutschen Designer Thomas Röhm gestaltet. Und dieser Franzose kommt ganz unfranzösisch daher, wirkt wie die Blaupause einer frühen Entwicklungsphase des VW Golf VII. Mit dem Ende des Haifischmauls ist zugleich die Epoche des Van-artigen Aufbaues mit all dessen Vor- und Nachteilen (mehr Platz, weniger Übersicht) vorbei. Der neue Peugeot 308 ist ein ganz normaler Kompakter geworden, der nicht so auffällig auftritt wie der neue Mazda 3. Würde das Löwenlogo nicht auf die Herkunft hinweisen; der neue Franzose könnte von so sonst woher kommen.

Dass dieser 308 deutscher als die deutsche Konkurrenz sein will, gelingt ihm sogar in weiten Teilen. Und mit überraschend neuen Erfahrungen. Innen wartet die Peugeot-Spezialität auf den Fahrer: winziges, tief angeordnetes Lenkrad und hoch angesetzte Instrumente, so dass man den Blick nicht von der Straße nehmen muss. Das ist gewöhnungsbedürftig, funktioniert jedoch hier viel besser als im kleineren Peugeot 208. Denn die Franzosen haben gelernt und spielen zudem die Vorteile der neuen EMP2-Plattform (siehe Kasten) aus. Die elektrische Servolenkung agiert hier weniger spitz, macht damit den Wagen nicht so nervös wie den 208. Der 308 lenkt sich kaum weniger direkt und bietet kaum weniger Rückmeldung als ein Golf.

Nicht erwarteter Fahrspaß

Gleiches Lob verdient das neu entwickelte Fahrwerk. Auch hier haben die französischen Ingenieure die Vorzüge der neuen Plattform ausgereizt. So agil und gleichzeitig so souverän fuhr sich noch kein Peugeot. Und das ohne aufpreispflichtiges Elektronikfahrwerk wie beim Golf. Passé sind die holpernde Hinterachse des alten 308 und die zu straffe Abstimmung. Nun passt alles so gut zueinander, dass der neue Franzose nicht erwarteten Spaß macht. Hier spürt man im wahrsten Sinne des Wortes den Vorteil der leichten und zugleich steifen Karosserie. Hinzu kommt die erfreuliche Tatsache, dass man im Peugeot 308 leise unterwegs ist.

Aufgeräumt: Mit einem zentralen Display in der Mittelkonsole werden fast alle Funktionen des Fahrzeugs gesteuert. Nicht immer einfach, aber es schafft Platz.
Aufgeräumt: Mit einem zentralen Display in der Mittelkonsole werden fast alle Funktionen des Fahrzeugs gesteuert. Nicht immer...Foto: Hersteller

Wir sind den stärksten Benziner mit 155 PS gefahren, den es nur im Topmodell Allure (ab 24 300 Euro) gibt. Dann ist aber fast alles an Ausstattung drin, bis hin zu serienmäßigen LED-Scheinwerfern. Die bietet derzeit kein Golf. Der Vierzylinder-Turbo aus einer Kooperation mit BMW passt gut zum agilen Wesen des 308; kräftig, leise, laut Bordcomputer 7,1 Liter im Schnitt. Den Basismotor mit 82 PS (ab 16450 Euro) konnten wir leider nicht fahren. Dafür den 125-PS-Benziner, der im Grunde genommen eine elektronisch kastrierte Version des 155-PS-Triebwerks mit kaum schlechteren Fahrleistungen ist. Aber 1600 Euro günstiger. Der 115-PS-Diesel mit Start-Stopp-System (ab 20 750 Euro) plagt sich zwar mit einer leichten Anfahrschwäche herum, macht dann jedoch seine Sache ganz gut. Erst nächstes Jahr kommen die Diesel für Sparer und Vielfahrer (siehe Kasten). Da trifft es sich gut, dass die neuen Sitze im 308 so deutsch sind wie die in einem Golf: straff, ausreichend groß, gut stützend.

iPhone-Cockpit

Das riesige Platzangebot des Vorgängers erreicht der neue Peugeot 308 nicht mehr ganz. Vorne ist es aber immer noch besser als beim VW Golf, im Fond nicht, aber beim Kofferraum übertrifft der Franzose den Klassenprimus wieder.
Das riesige Platzangebot des Vorgängers erreicht der neue Peugeot 308 nicht mehr ganz. Vorne ist es aber immer noch besser als...Foto: Hersteller

Platzvorteil: Die Franzosen haben den Raum des gegenüber einem Golf geringfügig kleineren Wagens sehr gut genutzt. Vorn für diese Klasse vorzüglich, im Fond schlechter als beim Deutschen, und beim Kofferraum besser als bei diesem. 420 Liter zu 380 Liter. Nachteil: Klappt man die Rücksitzlehne des Franzosen um, entsteht eine störende Stufe. Selbst bei der Übersicht ist der 308 nah am Golf dran. Nach vorn sehr gut, seitlich gleich; nur das zu kleine Heckfenster trübt die Freude.

Der hat Potenzial: Mit günstigen Preisen und viel Platz könnte sich der Peugeot 308 zum ernsthaften Golf-Konkurrenten aufschwingen.
Der hat Potenzial: Mit günstigen Preisen und viel Platz könnte sich der Peugeot 308 zum ernsthaften Golf-Konkurrenten...Foto: Hersteller

Etwas zwiespältig ist der Eindruck bei einer weiteren Peugeot-Spezialität – dem sogenannten iCockpit. Das iPhone von Apple lässt grüßen. Die Idee ist sehr gut und wird sicher Nachahmer finden, wie schon die IAA zeigt. Statt vieler Knöpfe und Schalter gibt es im 308 ab der mittleren Ausstattungsstufe Active einen berührungsempfindlichen 9,7-Zoll-Bildschirm, der sich wie ein iPhone bedienen lässt und über den alles gesteuert wird: Klima, Radio, Bordcomputer, Navi, Fahrassistenzsysteme. Von denen hat der Peugeot 308 einige zu moderaten Preisen an Bord. Das Problem allerdings: Der Bildschirm reagiert zuweilen erst beim zweiten Mal auf den Fingerdruck, und für bestimmte Funktionen wie die Änderung der Temperatur muss man sich erst durch Untermenüs tasten. Doch alles ist logisch. Der Vorteil: Der aufgeräumte Innenraum mit seinen edlen Materialien wirkt cool. Uncool hingegen gibt sich das Navi (590 Euro extra bei Active; Serie beim Topmodell Allure). Es rechnet langsam und gibt Anweisungen zum Abbiegen so verzögert, dass man oft schon vorbeigefahren ist.

Bei den Preisen liegt der neue 308 auf Augenhöhe mit VW. Theoretisch. Praktisch sieht das anders aus: Da kann selbst der derzeit beste Peugeot seit Jahren nicht aus dem Schatten seiner Vorgänger herausfahren. Noch bevor der neue Hoffnungsträger an diesem Wochenende in die Schauräume der Händler rollt, wird er bereits von großen Internetportalen mit 23,8 Prozent Rabatt angeboten. Und selbst Peugeot scheint seinem Hoffnungsträger keine Siegermentalität zuzutrauen: Die Franzosen bieten ihn bei uns mit einer "Eintauschprämie" von 2500 Euro an.

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