Vorstellung: Peugeot 308 GTi : Understatement auf französisch

Peugeot bringt endlich mal wieder einen echten Kompaktsportler, der es mit der Konkurrenz aufnehmen kann. Der Peugeot 308 GTi geht es klein an, kommt dann aber groß raus.

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Kurvenkünstler. Der legitime Nachfolger des 205 GTi kann in vielen Punkten überzeugen. Fahrwerk und Motor passen und preislich liegt der Peugeot 308 GTi gut.
Kurvenkünstler. Der legitime Nachfolger des 205 GTi kann in vielen Punkten überzeugen. Fahrwerk und Motor passen und preislich...Foto: Hersteller

Der Peugeot 205 war in den Achtzigern ein bekanntes Bild auf Deutschlands Straßen. Mehr als fünf Millionen Einheiten dieses Modells bauten die Franzosen bis Mitte der neunziger Jahre. Kein Wunder also. Als der Klassenkamerad des Autors 1990 allerdings mit dem GTi, dessen Nachfolger Peugeot 308 GTi nun antritt, vorfuhr staunten die Kumpels. Mit seinen roten Streifen in den Plastikstoßfängern zeigte dieser 205 auf diskrete Art, dass da was geht unter der Haube. Die Runde nach Schulschluss schließlich war ein Quell der Freude. Zwar besaß der Kollege nicht den legendären Turbo mit 200 PS sondern „nur“ den normalen GTi mit 120 und Kat hinten drin. Aber das 880 Kilogramm leichte Auto bewegte der agile 1,9-Liter-Benziner auf mehr als 200 km/h. Etwas mehr als acht Sekunden benötigte der 205 GTi für den Sprint auf 100 km/h und so fuhr er sich auch auf der Landstraße. So muss ein GTi sein: Klein, leicht, mit direktem Ansprechverhalten und daher fast so giftig wie manch großer Sportwagen. Für uns Jungspunde ein Traumwagen, der vom Preis sogar noch halbwegs erreichbar war.

Nun haben sich die Zeiten natürlich geändert. Klein geht ja vielleicht noch aber leicht ist heute schon eine schwierige Disziplin. Wo zahlreiche gesetzliche Bestimmungen und das Komfortbedürfnis der Kundschaft jedem Modell ordentlich Kilos auf das Chassis zwingen schaffen es nur noch Zwerge wie der Up von VW oder der Toyota Aygo unter die Marke von einer Tonne. Und die haben mit GTi denkbar wenig zu tun.

Kraftvoller Motor des Peugeot 308 GTi, aber kein Leisetreter

So leicht wie einst ist auch der neue Peugeot 308 GTi nicht geworden. 1395 Kilogramm (inklusive 75 Kilo Fahrer) bringt er auf die Waage. Aber heute genügen 1,6 Liter Hubraum um eine Leistung von 272 PS aus dem Motörchen herauszukitzeln. Zum Vergleich: Den 205 GTi gab es auch mit 1,6 Liter Hubraum und 105 PS. Und der ging auch schon gut. Mit seiner Leistung von umgerechnet 200 kW spielt der legitime Nachfolger des 205 GTi schon in einer anderen Liga. Heute ist erst bei 250 Stundenkilometer Schluss. Und es drängt sich auf, dass da noch mehr ginge. Aller ist der Antrieb kein Leisetreter. Der Preis für so viel Kraft aus kleinem Hubraum ist ein Bedürfnis nach Drehzahlen. Schon bei 140 km/h läuft der Motor bei fast 4000 Umdrehungen pro Minute. Damit mit ist er dann auch nicht sonderlich leise.

Beim Motor wurde für den Peugeot 308 GTi viel investiert. Das Basistriebwerk wurde vom Kurbelgehäuse bis zu den Abgaskrümmern völlig neu aufgesetzt.
Beim Motor wurde für den Peugeot 308 GTi viel investiert. Das Basistriebwerk wurde vom Kurbelgehäuse bis zu den Abgaskrümmern...Foto: Hersteller

Eine ganze Menge Gehirnschmalz seiner Ingenieure hat Peugeot in diesen kleinen, aber feinen Antrieb gesteckt. Die geschmiedeten Aluminiumkolben von Mahle beispielsweise, das Kurbelgehäuse ebenfalls aus Alu, der fein austarierte Twinscroll-Turbolader von Borg-Warner oder die neuen Auspuffkrümmer aus Stahl, die das verbrannte Gemisch, welches mit 200 bar in den Zylinder gepresst wird, wieder abführt. Nein, in Sochaux hat man an der Basis, die schon im in diesem Frühjahr vorgestellten GT 205 PS leistet, kaum ein Bauteil unberührt gelassen. Natürlich ist die Konkurrenz für den Peugeot 308 GTi heute auch eine andere. Golf GTi, Ford Focus ST oder gar die Premium-Konkurrenz von Mercedes und Audi sind im Kompaktsegment mit ganz anderen Leistungszahlen unterwegs. 250 PS sind unter Kompaktsportlern schon fast das Minimum.

Neues Torsen-Differential für den Peugeot 308 GTi

Aber bei einem sportlichen Kompakten zählt nicht nur die Kraft. Das Gesamtpaket entscheidet. Hier hat sich Peugeot besonders beim Fahrwerk ins Zeug gelegt. Der Sturz wurde vorne und hinten leicht erhöht, die Spur verbreitert und Dämpfer sowie Federn neu abgestimmt. Ein neues Torsen-Differential, das dem typischen Untersteuern entgegen wirken soll, krönt das Fahrwerk. Das Drehmoment wird durch das Differential auf das Rad verlagert, das den besten Grip hat. Weitere diverse Einzelmaßnahmen, unter anderem in Sachen Steifigkeit oder Ansprechverhalten der Federung, bringen es in der Summe zu einem außergewöhnlich guten Fahrverhalten. Der Peugeot 308 GTi liegt satt in der Kurve, zieht dank der variablen Kraftverteilung zwischen den beiden Vorderrädern sauber am Kurvenradius entlang und entbehrt auch jener Neigung zum Ausbrechen, die sportliche Hecktriebler auszeichnet. Dieses ausgewogene Fahrverhalten bringt nicht nur Stabilität im Grenzbereich sondern auch Sicherheit für Fahrer, die eben jenen mal allzu leichtfertig auskosten möchten.

Der Peugeot 308 GTi kommt ohne allzuviel aufwendige Technik aus und ist schon in der Basis gut ausgestattet. Die Leistungsspitze seiner Klasse wird er aber nicht erklimmen.
Der Peugeot 308 GTi kommt ohne allzuviel aufwendige Technik aus und ist schon in der Basis gut ausgestattet. Die Leistungsspitze...Foto: Hersteller

Um mit dem Peugeot 308 GTi den nötigen Fahrspaß zu haben ist es gar nicht nötig den Grenzbereich auszuloten. Der Benziner, der löblicherweise auch 95-Oktan-Sprit verträgt, kann ein Plateau von 1900 bis 5000 Umdrehungen pro Minute vorweisen, auf dem das maximale Drehmoment von ebenjenen 330 Newtonmeter anliegt. Respekt! Ein solches Drehmomentband schaffen viele nur mit zwei Turbos, Peugeot hat es mit einem hingekriegt.

Verbrauch erfreulich niedrig

Dadurch fährt sich der Peugeot 308 GTi in Kombination mit der guten Straßenlage auf kurvigem Geläuf ausgesprochen souverän. Und für alle, die es auf der Rennstrecke richtig krachen lassen wollen haben die Franzosen dem Kompaktsportler vorne eine Bremsanlage von fast gigantischen 380 Millimeter und innenbelüfteten Scheiben spendiert. Wenn es brennt kommt der französische Sportsmann so auf eine Verzögerung, die fast an eine Karbon-Keramik-Kombination erinnert. Und beim Verbrauch zeigt sich der GTi erstaunlich bescheiden. Glatte sechs Liter sind es auf dem Papier, aber auch bei unserer ersten Testfahrt, die sicher nicht sonderlich sparsam war, beschränkte sich der sportlichste 308 auf 8,7 Liter für 100 Kilometer laut Bordcomputer.

Endlich wieder richtig Sport: Der Peugeot 308 GTi wird sicher kein Kassenschlager werden. Für Deutschland sind nur ein paar hundert Verkäufe eingeplant. Für das Image der Marke, die sich in ihren Bereichen höher positionieren möchte, ist ein solches sportliches Aushängeschild aber dennoch wichtig.
Endlich wieder richtig Sport: Der Peugeot 308 GTi wird sicher kein Kassenschlager werden. Für Deutschland sind nur ein paar...Foto: Hersteller

Trotz des dynamischen Anspruchs hat sich der Peugeot 308 GTi durchaus Stil bewahrt. Der Auftritt ist dezent ausgefallen, auf Spoiler, ausladende Schweller oder anderes Testosteron-Zubehör wurde verzichtet. Wer es auffälliger haben mag, der ordert die zweifarbige Lackierung in der Kombi Rot-Schwarz oder Blau-Schwarz. Ansonsten ist auch das Interieur ganz 308, mit aufgeräumter Mittelkonsole und dem bekannten, tief sitzenden kleinen Lenkrad samt i-Cockpit. Vor allem das Leder-Lenkrad mit GTi-Schriftzug und abgeflachter Unterseite, sowie die Sport-Taste zeugen vom Potenzial des Autos. Wird sie gedrückt, dann wird die Gasannahme direkter, das Fahrwerk strammer und der Sound aus den beiden Endtöpfen hinten etwas böser.

Peugeot 308 GTi gut fürs Image

„Wir wollten ein Auto für den täglichen Gebrauch bauen“, erklärt Maxime Picat, Generaldirektor von Peugeot. „Deshalb stand die Effizienz des Fahrzeugs im Vordergrund.“ Ab Mitte November will Peugeot mit Understatement und starken inneren Werten die Konkurrenz in der Kompaktklasse ärgern. Der Preis für den Peugeot 308 GTi ist mit 34 950 Euro noch moderat angesiedelt. Vor allem ist er bereits in Serie gut ausgestattet. Aber immer noch ein stolzer Preis für einen Kompakten. Navi, LED-Scheinwerfer, Schalensitze oder Rückfahrkamera - all das und noch mehr ist bereits an Bord. Das kann sich sehen lassen. So wird er den bisherigen König der Kompaktsportler, den Golf R vom Thron stoßen können. Aber gehörig ärgern dürfte er den Wolfsburger in jedem Fall. Und alleine das ist schon gut fürs Image. Die Marke Peugeot soll laut Generaldirektor Picat mit dem GTi höher positioniert werden. Das schafft dieser GTi allemal.

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