Vorstellung Renault Espace : Tablet statt Pampers

Einst war der Renault Espace der Van schlechthin. Doch angesichts sinkender Absatzzahlen mussten die Franzosen ihr Flaggschiff neu erfinden. Nach Großraum sieht er nicht mehr aus, eher nach TGV.

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TGV nouveau: Die Form des neuen Renault Espace soll von der Seite aus gesehen an den französischen Schnellzug TGV erinnern. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber durchaus nachvollziehbar. Foto: Jürgen Mainx
TGV nouveau: Die Form des neuen Renault Espace soll von der Seite aus gesehen an den französischen Schnellzug TGV erinnern....Foto: Jürgen Mainx

Familienkutsche, Pampersbomber oder einfach nur Großraum-Van – der Renault Espace hat viele Spitznamen, die wenigsten davon sind besonders schmeichelhaft. Dass der sich der Franzose dennoch lange Jahre blendend verkaufte und eine treue Fangemeinde hat lag schlicht an seinen praktischen Vorteilen. Selbst als es schon Vans anderer Marken gab und der Espace schon lange nicht mehr konkurrenzlos war, hatte das Urgestein immer noch die ein oder andere pfiffige Idee mehr an Bord. Man erinnere sich nur an die Werbung mit dem Spielzeug im Kofferraum. Im Renault Espace gab es dafür eine Klappe im Boden vor der Rückbank und die Kinder waren glücklich. So einfach kann die Welt sein.

Der Automarkt im neuen Jahrtausend ist allerdings schon lange nicht mehr so einfach. Die SUVs vernichten das Segment der Großraum-Vans Stück für Stück, so irrational das auch sein mag. Denn an den Nutzwert eines Renault Espace kommt im Grunde keiner der aufgebockten Pseudo-Geländegänger heran. Da genügt schon ein Blick auf die dritte Sitzreihe. Wo im Espace Opa und Oma noch gemütlich Platz nehmen konnten um mit der Familie ins Grüne zu fahren, sind selbst bei den großen SUVs schon artistische Fähigkeiten gefragt, um überhaupt in den Fond zu klettern. Ganz zu schweigen vom dann nicht mehr vorhandenen Kofferraum, der beim Espace durchaus noch zu benutzen war. Aber der Autokäufer ist ein merkwürdiges Wesen und so stand der Espace sogar kurzzeitig ganz vor dem Aus, wie aus Renault-Kreisen zu hören ist.

Der neue Renault Espace macht sich SUV-Eigenschaften zu Nutze

Um das traditionsreiche Modell zu retten mussten sich die Franzosen schon richtig was einfallen lassen und den Van regelrecht neu erfinden. So ging Renault ganz pragmatisch an die Sache heran, ganz nach dem Motto: Wenn Du einen Feind nicht besiegen kannst, dann mache Dir seine Stärken zu eigen. Also hat man den Ur-Van kurzerhand mit einem SUV gekreuzt und heraus kam ein SUVan oder eben ein Crossover, wie es im Marketingdeutsch heißt. Bei Renault wird die besonders die Form der wieder vorhandenen Motorhaube mit dem französischen Schnellzug TGV in Verbindung gebracht. Passt auch ganz gut, von der Seite betrachtet.

LED total: Der Renault Espace bringt serienmäßig vorne und hinten LED-Leuchten mit. Foto: Jürgen Mainx
LED total: Der Renault Espace bringt serienmäßig vorne und hinten LED-Leuchten mit.Foto: Jürgen Mainx

Was vielleicht komisch klingen mag hat aber so seine handfesten Vorteile. Zwar sieht der neue Renault Espace so aus, als habe er mindestens die Hälfte an Raum verloren. Aber es gibt ihn nur noch mit einem Gardemaß von 4,86 Meter, was exakt der Länge des ehemaligen Grand Espace entspricht. Der Neue liegt aber einige Zentimeter höher und verschafft so seinen Insassen schon mal den entspannten Einstieg samt gutem Überblick, den gerade die ältere Generation an den SUVs so liebt. Das luftige Gefühl des alten Espace hat der neue allerdings nicht mehr zu bieten, denn eine wuchtige Mittelkonsole drängt sich zwischen die beiden vorderen Sitze. Die ist dafür ganz praktisch veranlagt, denn während sie oben als Armlehne dient bietet sie unten Ablagen und Becherhalter. Letztere sind nicht so ganz praktisch platziert, weil beim Herausnehmen das eigene Bein im Weg ist. Umso praktischer ist das auf der Oberfläche der Mittelkonsole integrierte Ablagefach für Mobiltelefone. Dort finden sich direkt zwei USB-Anschlüsse, ein Aux-Eingang und ein Slot für SD-Karten.

Automatik wird beim Renault Espace über Schubhebel bedient

Wie sehr sich Renault Mühe gegeben hat sein Flaggschiff aufzurüsten zeigt sich daneben und darüber. Die beiden neuen Doppelkupplungsgetriebe (6- oder 7-Gang) lassen sich über einen edel aussehenden Schubhebel ansteuern (Audi A8 lässt grüßen). Darüber thront in allen Ausstattungsvarianten ein 8,7 Zoll großes Display, über das sich nahezu alle Fahrzeugfunktionen, samt Navigation und Multimedia-Entertainment steuern lassen. Die Bedienung kann aber ebenfalls über einen Drehregler auf der Mittelkonsole erfolgen. Die Franzosen haben sich so einiges von der Konkurrenz abgeschaut, was die Bedienkonzepte angeht.

DIe größte Novität im Innenraum ist sicherlich das Tablet-große Display auf der Mittelkonsole. Es lässt sich frei konfigurieren und damit werden nahezu alle Funktionen inklusive Navigation und Entertainment gesteuert. Foto: promo
DIe größte Novität im Innenraum ist sicherlich das Tablet-große Display auf der Mittelkonsole. Es lässt sich frei konfigurieren...Foto: promo

Mit gutem Erfolg, lässt sich sagen. Ähnlich wie beim neuen Volvo XC90 zeigt das Tablet im Renault Espace eine ordentliche Größe, durch Wischen können verschiedene Seiten aufgerufen werden, es ist frei konfigurierbar und der Kontrast ist ebenfalls ausreichend, selbst bei Sonneneinstrahlung. Über das eigene Multimediasystem R-Link lässt sich auch Musik aus dem Internet streamen. Für den Fahrer gibt es ein farbiges Headupdisplay, das auf eine Glasscheibe projiziert wird und dazu noch einige Assistenten. Darunter Neuheiten, wie eine Verkehrszeichenerkennung, einen Spurhaltewarner, einen adaptiven Tempomaten oder ein Notbremsassistent. Alles in allem absolut zeitgemäß.

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