Vorstellung Seat Ibiza : Mit Leon im Blut

Auf dem legendären GTI-Treffen am Wörthersee enthüllten die Spanier Mitte Mai keine PS-Protz-Studie, sondern einfach das Facelift des Seat Ibiza. Doch selbst Fans der spanischen Marke rieben sich die Augen: Wo ist das Neue?

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Außen alt, innen Leon: Die vierte Generation des Seat Ibiza unterscheidet sich optisch kaum vom Vorgängermodell. Dafür ist unter dem Blech umso mehr passiert.
Außen alt, innen Leon: Die vierte Generation des Seat Ibiza unterscheidet sich optisch kaum vom Vorgängermodell. Dafür ist unter...Foto: Hersteller

Schon seit sieben Jahren wird der Seat Ibiza gebaut - in nunmehr vierter Generation. Bereits vor drei Jahren ist er schon mal aufgefrischt worden. In diesem Jahr wäre nach den allgemeinen Branchen-Gepflogenheiten ein Modellwechsel fällig geworden. Doch der ist verschoben: Generation fünf soll erst in zwei Jahren kommen, wenn im VW-Konzern die Kleinwagen auf dem modernen Quermotor-Baukasten basieren. Der 2014 gestartete „neue“ Skoda Fabia ist eine Mixtur aus alter Plattform und neuem Querbaukasten. 

Die neue Ibiza-Strategie: Leonisierung

Die Spanier machen es anders und irgendwie clever: Bei der erneuten Überarbeitung des Seat Ibiza stecken sie neue Technik unters alte Blech. Denn die Karosserie bleibt nahezu unangetastet. Lediglich die Scheinwerfer bekommen mit der Frischzellen-Kur LED-Tagfahrlichter. Und mit sogenannten Color-Packs können Kunden außerdem den Kühlergrill-Rahmen und die Spiegelkappen farblich individualisieren. Nette Farbtupfer in der Kleinwagen-Klasse.

Frischer Wind: Die neuen LED-Scheinwerfer und die individuell wählbare Color-Packs bringen Abwechslung ins Seat Ibiza-Design.
Frischer Wind: Die neuen LED-Scheinwerfer und die individuell wählbare Color-Packs bringen Abwechslung ins Seat Ibiza-Design.Foto: Hersteller

Viel mehr tat sich unterm Blech. Da sollte der Ibiza laut Seat-Entwicklungschef Matthias Rabe „leonisiert“ werden. Denn der Leon ist derzeit Seats Zugnummer, bringt neuen Schwung und verbessertes Image sowie hoffnungsvolle Verkaufszahlen. Davon soll nun auch der ehemalige Seat-Star Ibiza profitieren. Und er tut es in einer Art und Weise, die rundum überzeugt. Die Spanier können es, wenn sie wollen – und dürfen. 

Eine gelungene Gesamtkomposition

Die technischen Neuerungen konzentrieren sich  zum einen auf das Fahrwerk. Denn das hatte bisher einen Makel: Es war einfach zu hart für diese Klasse. So holperte der Kleine zuweilen unfein über Steine und Kanten und malträtierte seine Passagiere. Die Seat-Techniker haben Federn, Dämpfer und Stabilisatoren komplett neu abgestimmt – und ein gutes Händchen dabei gehabt. Jetzt rollt der Ibiza nun so sanft ab wie ein Großer.

Das Cockpit des neuen Seat Ibiza wurde - teilweise mit „Leon-Anleihen“ - aufgewertet. Es gibt ein neues Lenkrad, umrandete Lüftungsdüsen, ein neues Instrumentenpanel ein neues Infotainment-System mit Konnektivity-System von Samsung.
Das Cockpit des neuen Seat Ibiza wurde - teilweise mit „Leon-Anleihen“ - aufgewertet. Es gibt ein neues Lenkrad, umrandete...Foto: Hersteller

Der Unterschied zum alten Modell ist frappierend. Und das Beste: Die Sportlichkeit blieb nicht auf der Strecke, denn beim Fahrwerk wurde Seat außerdem dafür entschädigt, dass die Spanier nicht wie Skoda schon Teile der neuen Plattform verwenden durften. Beim sportlichen Toppmodell FR kann der Fahrer für nur 310 Euro Aufpreis dank der adaptiven Fahrwerksregelung DCC zwischen den Fahrmodi Comfort und Sport wählen. In dieser Klasse ist das eine Seltenheit und gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal für den sportlichen Spanier.

Der Wahlschalter beeinflusst zudem die Intensität der Lenkunterstützung. Die Lenkung arbeitet dank einer elektronischen Neujustierung jetzt deutlich präziser, und so lässt sich der flotte Fronttriebler fröhlich durch Biegungen aller Art zirkeln. Die Gesamtkomposition Federung, Handlichkeit, Präzision, Spurstabilität stimmt. Damit mischt der kleine Spanier in der Kleinwagen-Klasse ganz vorn mit.

Ibiza Connect kommt mit Samsung-Smartphone

Dazu gibt es im neuen Seat Ibiza einen überarbeiteten Innenraum mit „Leon-Anleihen“ wie dem neuen Lenkrad, den umrandeten Lüftungsdüsen, dem neuen Instrumentenpanel mit den klaren Uhren nach Leon-Vorbild, die sehr hochwertig aussehen. Und es gibt ein neues Infotainment-System. Der Ibiza ist zudem das erste Modell von Seat mit exklusiver Konnektivität „powered by Samsung“.

Sportliche Gene: Die Topversion des neuen Seat Ibiza erkennt man an stylischen Details wie roten Felgen.
Sportliche Gene: Die Topversion des neuen Seat Ibiza erkennt man an stylischen Details wie roten Felgen.Foto: Hersteller

Der spanische Automobilhersteller hat eine Kooperation mit dem koreanischen Elektronikriesen vereinbart und bietet als ersten Schritt mit dem Sondermodell Seat Ibiza Connect (ab 15.300 Euro mit einem Preisvorteil von 1200 Euro) als Draufgabe ein Samsung Galaxy A3 mit der vorinstallierten Seat ConnectApp in über 35 Ländern an. Diese nutzt die MirrorLink-Smartphone-Anbindung auf nahezu perfekte Weise: Der Fahrer bleibt „always on“, behält aber die volle Konzentration auf den Verkehr. Mit kurzen Fingergesten auf dem Touchscreen des Media Systems lassen sich Funktionen wie Anrufe oder Kontaktadressen aufrufen. Der Begrüßungs-Bildschirm der ConnectApp liefert individualisierbare Infos wie die aktuelle Wettervorhersage oder Termine. Bei den Smart Tips „lernt“ die App individuelle Vorlieben wie bevorzugte Ziele oder erinnert an Termine. Regelmäßige Updates aktualisieren das Angebot in Zukunft weiter.

Ruhiger und Sparsamer

Angetrieben wird der Seat Ibiza von einer komplett neuen Generation von Benzinern und Dieseln, welche allesamt die Euro-6-Abgasnorm erfüllen. Alle Motoren verfügen über ein serienmäßiges Start-Stopp-System. Als Basis-Benziner kommt ein Dreizylinder-Sauger mit einem Liter Hubraum und 75 PS zum Einsatz. Als EcoTSI-Turbo leistet der Dreizylinder dann 95 oder 110 PS. Mit einem Drehmoment von 160 oder 200 Nm ist dieser Dreizylinder-Turbo ausgesprochen durchzugsstark. Besonders sparsam agiert der neue 1,4-Liter-Dreizylinder-Diesel, der 75 PS leistet und nur 3,4 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll.

Unverkennbar Ibiza: Der kleine Spanier hat sich mit dem aktuellen Facelift von hinten kaum gewandelt.
Unverkennbar Ibiza: Der kleine Spanier hat sich mit dem aktuellen Facelift von hinten kaum gewandelt.Foto: Hersteller

Wir sind das Topmodell Seat Ibiza FR mit dem neuen Dreizylinder-Turbo gefahren. Nur 4,3 Liter gibt Seat für die 110-PS.Maschine mit Sechsgangschaltung an. Lediglich 0,1 Liter mehr verbraucht die Version mit Siebengang-Doppelkupplungsautomatik, die wir an Bord haben. In nur 9,3 Sekunden soll der kleine Spanier damit aus dem Stand Tempo 100 erreichen, und erst bei 197 km/h ist Schluss.

Diese Motor-Automatik-Kombination macht aus dem komfortablen und überraschend leisen Kleinwagen mit seinen langstreckentauglichen Sitzen ein Vollwertauto. Damit ersetzt der Ibiza sogar einen Kompakten, wenn man größtenteils nur zu zwei fährt. Die Automatik schaltet unmerklich, der Dreizylinder klingt nicht wie einer, und die Fahrgeräusche halten sich für einen Kleinwagen vornehm im Hintergrund.

Im Herbst auch als Seat Ibiza Cupra

Der reale Verbrauch pegelte sich bei 5,5 Litern ein. Eine höchst erfreuliche Sache also, dieser 18.930 Euro teure fünftürige Seat Ibiza 1.0 EcoTSI Start&Stop in der empfehlenswerten Ausstattung Style. Das Basismodell 1.0 MPI mit 75 PS in der Ausstattung Reference beginnt bei 11.990 Euro. Neben dem Fünftürer gibt es noch den dreitürigen SC und den Kombi ST.

Im Herbst soll dann das Cupra-Modell vom Ibiza starten. Höchstwahrscheinlich dürfte unter der Haube der gleiche Motor wie im aktuellen VW Polo GTI strecken – der 1,8-Liter-Turbomotor mit 192 PS, welcher den alten 1,4-Liter-Vierzylinder mit Kompressor ersetzt. Seat darf also auch wieder Sport. Und es sollte sicher kein Geheimnis sein, dass der überarbeitete Cupra bei aller Sportlichkeit kein so knochentrockener Hund wie der alte werden wird. Seit dem 5. Juli steht der überarbeitete Ibiza beim Händler.

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