Vorstellung Seat Leon ST : Der Erste seiner Art

Nun bekommt auch der Seat Leon ein Kombi-Heck. Das trägt er mit Stolz und findet einen ordentlichen Weg zwischen Sport und Nutzwert.

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Die Spur sportlicher: Der Seat Leon ST probt den Spagat zwischen Nutzwert und Dynamik. Foto: Hersteller
Die Spur sportlicher: Der Seat Leon ST probt den Spagat zwischen Nutzwert und Dynamik.Foto: Hersteller

Er starb leise im Mai 2013. Nach nur fünf Jahren  lief der letzte Seat Exeo im spanischen Martorell vom Band. Der Zuspruch für den  ausrangierten Audi A4 Avant hielt sich in Grenzen. Dabei hatte der VW-Konzern großen Aufwand getrieben, um dem Audi als Seat ein zweites Leben zu verschaffen: 1200 Lkw-Ladungen waren notwendig, um die komplett abgeschriebenen und daher sehr günstigen Produktionsanlagen von Ingolstadt nach Martorell zu bringen. Doch unterm Strich war der Audi für einen Seat zu teuer (ab 23 290 Euro für das Basismodell mit dem schwachen 102-PS-Saugbenziner) und vielen zu klein (Kofferraumvolumen von 442 bis 1354 Liter). Doch seit dem 23. November ist der Quasi-Nachfolger da. Der ist ein waschecher Seat, viel besser als der Exeo – und ein  Novum für die Marke: Der erste Kombi vom Leon!

Der gegenüber dem Exeo ST zwölf Zentimeter kürzere Leon ST kommt nicht nur mit größerem Kofferraum (587 bis 1470 Liter), sondern auch mit vielen anderen Vorzügen daher, die ihn nicht nur zum Ladeschreck für Koreaner und Franzosen adeln, sondern ihn sogar zum ernsthaften Konkurrenten für die Schwester-Kombis (Skoda Octavia und VW Golf Variant) aus dem VW-Konzern machen. Der neue Leon ST ist zwar nicht der Größte unter den Kompakt-Kombis. Aber er steht als Dritter auf dem Podest – mit einem Volumen von 587 bis 1470 Liter. Vor ihm rangieren in dieser Klasse nur noch die Konzernbrüder Skoda Octavia Combi (610 bis 1740 Liter) und VW Golf Variant (605 bis 1620 Liter). Alle anderen sind beim Minimal-Kofferraumvolumen kleiner: Opel Astra Caravan (500 bis 1550 Liter), Hyundai i30 CW (528 bis 1642 Liter), Renault Megane Grandtour (524 bis 1595 Liter).

Nutzwert beim Seat Leon ST nicht vergessen

Der sportlich gestaltete, aber deswegen keineswegs hautenge Kombi von Seat hat neben seinem flotten Auftritt noch andere Vorzüge: Die Kombiversion wiegt gerade mal 45 Kilogramm mehr als der Fünftürer; damit ist der Leon ST mit 1233 Kilogramm in der Basisversion der leichteste Kompaktkombi. Und das wirkt sich auf die Leichtigkeit des Fahrens aus. Er ist klar der Spaßkombi unter den Ladeeseln vom Golf, Astra und Co! Doch zum Glück haben die Spanier über all dem Spaß nicht den Nutzwert aus den Augen verloren. Der gegenüber dem Fünftürer 27 Zentimeter längere ST überzeugt mit seiner sehr niedrigen Ladekante von 67 Zentimetern. Ein Zug an einem Hebel im Kofferraum lässt die Rücksitzlehnen automatisch umklappen; so wie das Karakuri-System bei Mazda. Clever.

Beim Kofferraumvolumen legt der Leon keinen Spitzenwert vor, aber er platziert sich im oberen Drittel. Foto: Hersteller
Beim Kofferraumvolumen legt der Leon keinen Spitzenwert vor, aber er platziert sich im oberen Drittel.Foto: Hersteller

Und mit dem doppelten Ladeboden, in dem sich auch das leicht ausbaubare Gepäckraumrollo verstauen lässt, wird es eben im Heck. Zwei finnenartige Teile, die sich einstecken lassen, begrenzen die seitlichen Kofferraumnischen; Gepäck purzelt so auch bei flottrer Kurvenfahrt nicht im Ladeabteil herum. Simply clever, wie der Spruch von Skoda lautet. Und wer die Beifahrersitzlehne umklappt, kann bis zu 2,67 Meter lange Gegenstände transportieren. Seat spricht von "logisch durchdachtem Platz". Wir sagen: So soll es sein.

Leichtigkeit beim Auftritt

Bis zur B-Säule ist der Kombi mit dem Fünftürer identisch. Und das ist gut so, denn damit ist auch der ST mit seinen schlanken Säulen ein übersichtliches Auto geblieben. Heutzutage schon eine Seltenheit. Und auch innen muss sich der Spanier nicht mehr vor dem Über-Golf verstecken: sorgsam ausgewählte Materialien, sauber verarbeitet. Kein Schnickschnack, sondern Schalter und Hebel dort, wo man sie sucht. Gegenüber dem fast schon barocken recht hoch bauenden Armaturenbrett des Golf ist das des Seat zwar schlichter, aber viel flacher, und somit die Sicht nach vorn besser. Das Navigationsdisplay geriet zwar kleiner als das des Golf, doch es liegt viel besser im Blickfeld – und eigentlich reicht es aus als das viel teurere von VW. Überhaupt sind die allermeisten Extras bei Seat um einige Hundert Euro günstiger als beim VW Golf. 

Bis zur C-Säule ist der Kombi mit dem Fünftürer identisch. Das ermöglicht eine relativ gute Rundumsicht. Foto: Hersteller
Bis zur C-Säule ist der Kombi mit dem Fünftürer identisch. Das ermöglicht eine relativ gute Rundumsicht.Foto: Hersteller

Weiter: Die Seat-Sitze sind klasse. Langstreckentauglich. So gefällt uns das. Doch der größte Vorzug des Leon ST ergibt sich aus der Leichtigkeit seines Auftritts (siehe Kasten). Das Auto fährt sich sportlich, ohne extrem zu sein. Die Seat-Ingenieure haben einen besseren Job als die von Skoda gemacht: Der erste Kombi von Seat federt nicht so hölzern wie der Octavia. Hier stimmt die Mischung zwischen Sport und Komfort. Und das auch ohne die elektronische Dämpferverstellung DCC, die allerdings erst ab Topversion FR an Bord ist.

Top-Ausstattung nur beim Top-Modell

Und hier sind wir leider bei einem Wermutstropfen, die einem die Spanier – wie auch andere Töchter des VW-Konzerns – einschenken: Viele der schönen  neuen Technikknaller können nur für die teure Modellversion FR geordert werden. Das bedeutet erst mit dem 122 PS-TSI ab 23 250 Euro und erst mit dem 150-PS-Diesel ab 27 170 Euro. Dann allerdings bekommt man Ausstattungsextras, die derzeit noch nicht mal für den VW Golf lieferbar sind, wie beispielsweise Voll-LED-Hauptscheinwerfer für 1190 Euro. So lässt sich der Leon ST aufrüsten wie ein Mittelklassewagen – und überschreitet dann locker die 30 000-Euro-Schwelle.

Das Navi ist beim Seat Leon ST kleiner als beispielsweise beim Golf, liegt aber besser im Blick. Foto: Hersteller
Das Navi ist beim Seat Leon ST kleiner als beispielsweise beim Golf, liegt aber besser im Blick.Foto: Hersteller

Wir sind  den 140-PS-TSI in der mittleren Style-Version gefahren (ab 22 370 Euro), eine sehr ausgewogene Benziner-Variante, inklusive serienmäßigem Start-Stopp-System. Allerdings gibt es diese derzeit nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe, nicht mit der Doppelkupplungsautomatik. Doch auch so macht dieser Antrieb Spaß, denn der leise, nur beim Ausdrehen etwas rauchig klingende Vierzylinder-Direkteinspritzer lässt sich dank seiner guten Durchzugskraft sowohl sportlich als auch schaltfaul bewegen.

Seat Leon ST bald mit Zylinderabschaltung und Erdgas

Mit dem neuen Leon Kombi dürfte Seat näher am Geschmack der Kundschaft liegen als mit dem Exeo einst. Foto: Hersteller
Mit dem neuen Leon Kombi dürfte Seat näher am Geschmack der Kundschaft liegen als mit dem Exeo einst.Foto: Hersteller

Ein schöner Reise-Antrieb, der, wie das bei allen Turbomotoren der Fall ist, sich beim Spritkonsum in sozialverträglichem Rahmen bewegt, wenn er nicht allzu sehr gefordert wird. Bei uns waren es statt der versprochenen 5,3 Liter dann 6,9 Liter, geht auch noch. Wer wirklich als Vielfahrer sparen will, wählt 1.6 TDI Ecomotive mit 110 PS und nur 3,2 Liter Diesel Verbrauch pro 100 Kilometer für 23 410 Euro. Nächstes Jahr sollen auch der 140-PS-TSI mit Zylinderabschaltung sowie eine Erdgasversion-Version mit 110 PS kommen. 

In diesem Jahr des Leon-Erfolgs feiert Seat übrigens gleich zwei Jubiläen.  20 Jahre unter der Haube von VW. Und 60 Jahre Produktion. 1953 lief der erste Seat vom Band, ein 58 PS starker Seat 1400. Seitdem sind rund 16 Millionen Seat produziert worden. Und doch hat es so lange gedauert, bis die spanische VW-Marke, nun unter neuer Führung, endlich ihre wirkliche DNA im VW-Konzern und vor allem bei den Kunden gefunden hat. Der Leon und vor allem der Kombi, nein, Sports Tourer (ST), sind gelungene Schritte ins neue Erfolgs-Leben. Den Kunden jedenfalls gefällt die neue DNA der sportlichen Version des VW Golf: 32 Prozent Verkaufszuwachs in diesem Jahr. Und das ohne den Leon ST. Bei dem geht’s los bei 16640 Euro für den 86-PS-TSI und bei 19600 Euro für den 90-PS-TDI. Macht einen Kombiaufschlag gegenüber dem Fünftürer von 1200 Euro. Das ist okay.

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