Vorstellung Skoda Superb : Der neue Maßstab

Zeitenwende, neue Ära – der Superb zeigt alles, was Skoda kann. Und macht vieles besser als andere.

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Vision zu Wirklichkeit. Der Superb kommt der Studie Vision C erstaunlich nahe. Das Design des Skoda Superb ist geprägt durch harte Kanten und lange Linien. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber sicher eine Entwicklung der Marke.
Vision zu Wirklichkeit. Der Superb kommt der Studie Vision C erstaunlich nahe. Das Design des Skoda Superb ist geprägt durch harte...Foto: Skoda

Ob das in Wolfsburg wohl so geplant gewesen ist? Nach Fabia und Octavia beweisen die schlauen Tschechen nun beim neuen Skoda Superb, dass sie vieles anders und auch besser machen können als die Konzernmutter. Skoda-Chef Winfried Vahland bringt es knallhart auf den Punkt: „Ein Skoda muss in seinem Marktsegment immer etwas Besonderes sein.“ Und er setzt noch einen drauf: „Der Superb ist der Beginn einer neuen Ära.“ Ist Skodas Flaggschiff in der dritten Generation nun der bessere VW Passat? Oder gar das Auto, das die etablierte Mittelklasse von Audi bis Mercedes düpiert?

Schon beim ersten Auftritt sorgt die Limousine für einen bei Skoda bislang nicht erlebten Wow-Effekt. Der neue Superb sieht in Wirklichkeit noch viel schärfer aus als auf Fotos. Der plastisch wirkende Kühlergrill verkörpert nun eine solch selbstbewusste Dominanz wie bei einem Mercedes. Und so ausdrucksstarke Scheinwerfer mit kristallinen Elementen wie den beleuchteten Lidstrichen hat derzeit kaum ein anderes Auto zu bieten. Erfreulich viel ist von der stark beachteten Studie Vision C, welche Skoda auf dem vorjährigen Genfer Autosalon zeigte, in die Serienproduktion gelangt.

Das Design des Skoda Superb hebt ihn aus der Masse heraus

Damit hat tatsächlich eine neue Design-Ära bei Skoda begonnen. Kaufte man früher einen Skoda trotz seines wenig aufregenden Äußeren, weil er eben vernünftig war und mehr Platz als andere bot, so kommt jetzt plötzlich ein gehöriger Schuss Emotion ins Spiel. Die Proportionen, die gestreckte Silhouette, die klaren Linien und die messerscharfen Kanten wie bei der Studie heben ihn deutlich von einem Audi A4, BMW Dreier oder VW Passat ab.

Tscheche im Aufwind. Mit dem Superb zeigt Skoda, wohin sich die Marke entwickelt hat
Tscheche im Aufwind. Mit dem Superb zeigt Skoda, wohin sich die Marke entwickelt hatFoto: Skoda

Und zum Designsprung kommen bekannte Tugenden, die verbessert wurden: Die Tschechen haben die Vorteile des modularen Querbaukastens des VW-Konzerns so geschickt genutzt, dass sie ein Optimum an Raum rausgeholt haben. So schrumpfte der vordere Überhang um 61 Millimeter – bei einem Fronttriebler eine Welt. Zwar nutzen VW Passat und Skoda Superb die gleiche Plattform, doch sind die Tschechen noch konsequenter gewesen als die Wolfsburger.

Der Skoda Superb hat die größte, je bei Skoda gebaute Heckklappe

Der Radstand beträgt beim Superb 2,84 Meter: Das sind nicht nur acht Zentimeter mehr als beim Vorgänger, sondern auch fünf Zentimeter mehr als beim Passat. Dazu kommen 4,7 Zentimeter mehr Breite sowie drei Zentimeter mehr Länge. Die 4,86 Meter lange Limousine bietet mehr Platz als Passat und Co. Das Kofferraumvolumen von 625 Litern ist Spitze in der Mittelklasse (Passat 586 Liter, A4 490 Liter). Wer die Superb-Rückbank umlegt, hat unglaubliche 1760 Liter zur Verfügung. Mehr als mancher Kombi in dieser Klasse. Der neue Skoda Superb sieht wie ein viertüriges Coupé aus, besitzt mit gut zwei Quadratmetern aber die größte Heckklappe, die Skoda jemals produziert hat. Eine Herausforderung an die Stabilität, aber es knarzt nichts. Die Klappe lässt sich optional erstmals mit einem Fußschwenk öffnen.

Das Interieur des Skoda Superb überzeugt mit sehr guter Verarbeitung und hoher Funktionalität. Da ist es zu verzeihen, dass die Gestaltung eher konservativ bleibt.
Das Interieur des Skoda Superb überzeugt mit sehr guter Verarbeitung und hoher Funktionalität. Da ist es zu verzeihen, dass die...Foto: Skoda

Hat man den optionalen, umklappbaren Beifahrersitz geordert, lassen sich sogar Gegenstände bis 3,10 Meter Länge verstauen. Beim Umklappen der Superb-Rücksitzlehnen entsteht zwar eine Stufe, doch das ist gewollt, wie uns der Projektleiter erklärt. Man musste sich entscheiden zwischen hohem Sitzkomfort im Fond und ebener Ladefläche. Man hat sich klar für Ersteres entschieden, denn der Superb soll auch eine erstklassige Chauffeurslimousine sein, mit Komfort und Beinfreiheit wie in der Oberklasse. In der Tschechischen Republik ist der Superb offizielles Regierungsfahrzeug.

Die Route für den Skoda Superb kann im Fond programmiert werden

So mutig das Äußere ist, so konventionell geriet das Interieur. Hier blieb es beim gewohntem Look – allerdings mit deutlich höherer Verarbeitungsqualität. Da muss sich der Superb nicht mehr vorm Passat verstecken. Doch Skoda macht dennoch auch hier einiges anders: Es gibt nützliche Details wie den – nach Vorbild von Rolls Royce – in der Tür steckenden Regenschirm. Davon hat der Skoda Superb jetzt sogar zwei in den Vordertüren. Einmalig im Segment – und auf der Welt.

Im Superb der dritten Generation wurde im Vergleich zum Vorgänger der Elektronikanteil fast verdoppelt. Skoda durfte sich offenbar das Allerneueste aus dem Elektronikbaukasten des VW-Konzerns aussuchen. Allerdings sind die vielen Assistenzsysteme ebenso wie moderne Navigations- und Soundsysteme nur gegen Aufpreis erhältlich. Eine Skoda-Entwicklung hingegen ist das Smartgate. Hier lassen sich Fahrzeugdaten wie Verbrauch, Beschleunigungswerte oder Effizienzfortschritte via Skoda-App aufs Smartphone übertragen. Für Spritsparer eine nützliche Sache. Sogar richtig pfiffig ist die von Skoda entwickelte spezielle Halterung für Tablets und iPads im Fond. Das Infotainment versteht sich auch mit Apple-Geräten. Es reicht schon ein ganz normales Tablet aus, um zum Beispiel im Fond locker eine neue Route zu programmieren und sie dann an das Navi vorn zu schicken. Und das Ganze kostet keine Hunderte von Euro, sondern nur 30 Euro für die Halterung plus kostenlose App.

Preise für den Skoda Superb ab 24 590 Euro

Das Motorenangebot besteht nur noch aus direkteinspritzenden Vierzylinder-Turbomotoren. Es handelt sich zum Marktstart am 13. Juni um drei Benziner mit einer Leistungsspanne von 125 PS bis 220 PS (zu Preisen von 24 590 bis 39 750 Euro) und drei Diesel, deren Leistungsband von 120 PS bis 190 PS (von 26 490 bis 42 050 Euro) reicht. Die Kraftübertragung erfolgt per Sechsgang-Schaltgetriebe oder über ein Automatikgetriebe, dass je nach Motorisierung über sechs- oder sieben Schaltstufen verfügt. Der Aufpreis für die Doppelkupplungsautomatik liegt bei 2000 Euro. Außerdem ist ein elektronisch geregelter Allradantrieb für 1800 Euro Aufpreis verfügbar.

Der Kofferraum des Skoda Superb ist mit 628 Liter der größte seiner Klasse.
Der Kofferraum des Skoda Superb ist mit 628 Liter der größte seiner Klasse.Foto: Skoda

Wir fuhren neben der Topversion Laurin & Klement mit 190-PS-Diesel und Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik sowie Allradantrieb das Modell, das sich wahrscheinlich am besten verkaufen dürfte, weil es einfach die goldene Mitte darstellt. Das ist der Skoda Superb 1.4 TSI ACT Style für 28 290 Euro. Der hat einen Motor unter der Haube, den es erstmals bei Skoda gibt – der 150 PS starke 1,4-Liter-TSi mit Zylinderabschaltung, welche von VW aktives Zylindermanagement (ACT) genannt wird. Im Teillastbereich werden zwei Zylinder automatisch abgeschaltet. Weder Laufgeräusch noch Vibrationsverhalten ändern sich. Allein die Einblendung „2 Zylinder-Modus“ unter der Anzeige des Momentverbrauchs verrät den Sparmodus.

Nicht viel schwerer als ein VW Golf

Im Stadtverkehr funktioniert der automatische Übergang von der halben auf die ganze Maschine unmerklich. Bei höheren Geschwindigkeiten geht manchmal ein winziger Ruck durchs Auto, welcher mit dem Schaltvorgang eines Automatikgetriebes vergleichbar ist. Mit 250 Newtonmetern Drehmoment ist der kleine TSI ausreichend kräftig, zumal Skoda Superb Nummer drei trotz gewachsener Maße um 75 Kilogramm gegenüber dem Vorgänger abgespeckt hat und so fast 80 Kilogramm leichter als ein entsprechender VW Passat ist. Trotz des Einsatzes hochfester Stähle, die in diesem Fall aber dank der Stabilität dünner eingesetzt werden können, wiegt die große Limousine aus Mladá Boleslav mit einem Leergewicht von nur 1395 Kilogramm nicht viel mehr als ein VW Golf – und gibt sich handlicher, als ihre Größe vermuten lässt.

So passt auch der 150-PS-TSI gut zum komfortablen Skoda Superb. Per Sechsgang-Handschaltgetriebe lässt sich jederzeit butterweich der passende Gang einlegen. Wer es bequemer will, ordert die Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik, die es für jedes Triebwerk außer dem Basis-Benziner gibt. Bei gleichmäßigem Gleiten zwischen 1400 und 4000 Touren spart das Triebwerk bis zu 0,5 Liter auf 100 Kilometer. Bei unserer Testfahrt zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 6,3 Litern an. Zwar 1,5 Liter über dem Normwert, aber ein guter Wert.

Komfortabel mag es der Skoda Superb lieber

Zur Entspannung trägt auch die neue Qualität des Fahrkomforts bei. Erstmals bei Skoda kann das elektronisch geregelte Dämpfersystem DCC geordert werden. Es erlaubt im großen Skoda Superb sozusagen eine Fahrwerksabstimmung à la carte, von komfortabel bis sportlich. War der Vorgänger eher noch etwas rustikal abgestimmt, bügeln die adaptiven Dämpfer im Komfort-Modus selbst schlechte Straßen glatt wie eine Landebahn für Flugzeuge. Wechselt man in den Sport-Modus, schärft die Elektronik Fahrwerk und Lenkung derart, dass man sich beinahe wie in einem fahragilen BMW vorkommt. Doch komfortabel mag es der Superb lieber und da setzt er hier ebenfalls einen neuen Maßstab. Wegen seines langen Radstandes und der komfortablen Grundabstimmung ist er nun bereits von Haus aus kommoder unterwegs als andere. Große Räder sind in dieser Klasse in, doch sie müssen nicht zwangsläufig den Federungskomfort verschlechtern. So haben beim neuen Superb die jetzigen 19-Zoll-Räder mehr Gummi auf den höheren Reifenflanken als die 18-Zoll-Räder des Vorgängers.

Der sorgt für Wirbel: Mit dem Skoda Superb werden die Tschechen die Mittelklasse aufmischen.
Der sorgt für Wirbel: Mit dem Skoda Superb werden die Tschechen die Mittelklasse aufmischen.Foto: Skoda

Übrigens: Superb stammt aus dem Lateinischen und bedeutet vortrefflich. Und der Duden hat für superb die Entsprechung prächtig, vorzüglich. Ein trefflicher Name für ein sehr gutes Auto vom drittältesten Automobilunternehmen der Welt. Und einer mit Tradition sowie hoher Verpflichtung. Denn von 1934 bis 1947 gab es schon einmal einen Luxus-Skoda namens Superb. Der war 5,50 Meter lang, besaß neben damals wirklich neuer Technik und ungewöhnlich viel Platz einen Achtzylinder unter der langen Haube, war mustergültig verarbeitet – und ziemlich teuer.

Preissteigerung von 300 Euro beim Skoda Superb

Auch der Skoda Superb in der nunmehr dritten Generation ist kein Schnäppchen mehr, wie noch in den Anfangsjahren unter dem Dach von VW. Das von uns gefahrene Topmodell Laurin & Klement (die Namen der Firmengründer) mit 190-Diesel-PS, Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik, feinsten Ledersitzen und elektronisch geregeltem Allradantrieb steht mit 42 050 Euro in der Preisliste. Mit einigen der insgesamt 152 (!) Extras lässt sich die 50 000-Euro-Schwelle locker knacken. Auch das ist eine neue Qualität bei Skoda.

Der Einstieg beginnt jedoch schon bei 24 590 Euro für die ordentlich ausgestattete Basisversion Active mit 125 PS starkem Turbobenziner. Das sind nur 300 Euro mehr als beim Vorgänger. Und zu einem vergleichbar ausgestatteten Passat bleibt ein Abstand von mindestens 2500 Euro.

Doch das dicke Ende kommt ja noch, wenn im September der Skoda Superb Combi startet. Der wird dann den größten Kofferraum aller Serienkombis bieten! Da wird beim Volumen eine Zwei vorn stehen, was sonst nur bei ausgewachsenen Familienvans der Fall ist. Doch die sind nicht halb so scharf und unwiderstehlich wie Skodas neues Flaggschiff. Schon als Limousine wird der Superb in der Mittelklasse für jede Menge Wirbel sorgen.

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