Vorstellung Smart Fortwo : In aller Kürze gut

Der neue Smart Fortwo kommt als optische Revolution daher, hat aber seine bewährten Vorzüge behalten. Leider fehlt ihm aber ein besonders beliebter Motor.

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Zwei-Farben-Look. Die Tridion-Sicherheitszelle ist immer noch gut sichtbar. Die neue Knubbel-Nase fällt auf.
Zwei-Farben-Look. Die Tridion-Sicherheitszelle ist immer noch gut sichtbar. Die neue Knubbel-Nase fällt auf.Foto: dpa

Bis zum Jahr 2025 werde sich die Zahl der weltweit verkauften Neuwagen laut Daimler-Chef Dieter Zetsche um über 40 Prozent erhöhen: „Das macht dann 280 000 neue Autos jeden Tag. Das bedeutet: immer mehr Menschen in Städten und immer mehr Autos auf den Straßen.“ Schon jetzt zieht immer mehr Menschen in die Ballungsräume. Und diese großen Städte werden immer mehr kleine Autos brauchen. Solche wie den kurzen Smart Fortwo, der trotz seiner Kürze in der dritten Generation nun erwachsen geworden ist. Und allein auf weiter Flur, denn Toyota hat seinen ähnlich kleinen IQ kürzlich eingestellt. Nur die Trillinge um den VW Up halten da noch mit.

Die Vorgaben für die dritte Smart-Generation waren knallhart: nicht länger, aber besser und unverwechselbar. Nun, sie sind fast perfekt umgesetzt worden. Das Auto hat zwar wegen des Fußgängerschutzes eine ebenso gewöhnungsbedürftige wie lustige Knubbelnase bekommen, ist aber noch immer nur 2,69 Meter lang. Doch der Radstand wuchs um sechs Zentimeter und zehn Zentimeter breiter ist er auch geworden. In Verbindung mit der von der C-Klasse abgeleiteten neuen Vorderachse, einer stark überarbeiteten Hinterachse, drei Zentimeter längerem Federweg und der breiteren Spur federt der kleine Smart Fortwo für seine Größenverhältnisse nun wie ein Großer. Respekt! Auch das Raumgefühl im Innenraum hat nun nichts mehr von Verzicht an sich. Es ist geräumiger im neuen Smart geworden, poppig, lebensfroh und durchaus hochwertig.

Informationszeitalter. Im Innenraum ist ein modernes Navi- und Infotainmentsystem eingezogen. Damit lässt sich jetzt auch das eigene Smartphone bequem einbinden.
Informationszeitalter. Im Innenraum ist ein modernes Navi- und Infotainmentsystem eingezogen. Damit lässt sich jetzt auch das...Foto: Promo

Im neuen Smart wird es digital

Und weil der Motor wieder im Heck sitzt, lassen sich die Vorderräder so stark einlenken, dass der Kleine fast um sich selbst Kreise fahren kann. 6,95 Meter Wendekreis bedeuten Rekord und eine sagenhafte Handlichkeit in der Stadt. Das Wendemanöver wird zur spaßigen Angelegenheit. Das betrifft auch das Fahren ohne Hoppeln. Der neue Smart fährt sich trotz seiner Kürze wie ein normales Auto und kann sich nun in Geschwindigkeitsbereichen bewegen, die beim alten undenkbar gewesen sind. Tempo 150? Kein Problem. Beim alten war bei 135 km/h Schluß.

Und in den neuen Smart Fortwo zieht auch die neue digitale Zeit ein mit modernem Infotainment und Fahrerassistenzsystemen, wie etwa Spurhalteassistent, Einparkhilfe, Seitenwindassistent, Abstandswarner. Das kostet jedoch Geld. Wie das Paket Klimaautomatik und das (sehr gute) Navigationssystem mit Sieben-Zoll-Bildschirm für 1700 Euro. Wer nicht so viel ausgeben mag, wählt die Universalhalterung für 100 Euro, mit der die meisten Smartphones über eine spezielle Schnittstelle in das Auto integriert werden können. Das funktioniert, wir haben es ausprobiert. Hierfür bietet Smart kostenlose Apps an, die zum Beispiel „Smart-Parkplätze“ anzeigen und die Navigation dort hin starten. Das ist zukunftstauglich.

Neuer Look: Die Knubbelnase ist gewöhnungsbedürftig.
Neuer Look: Die Knubbelnase ist gewöhnungsbedürftig.Foto: Promo

Der neue Smart kann Spaß

Bei den Motoren sieht das nicht ganz so rosig aus. Im Smart Fortwo soll der von Renault vollkommen neu entwickelte Dreizylinder mit 71 PS und Start-Stopp-Automatik nur 4,1 Liter Super pro 100 Kilometer benötigen. Kein richtiger Spar-Fortschritt, denn der „alte“ 71 PS starke Smart 1,0 mhd brauchte nur 0,1 Liter mehr. Im Alltag überraschte der neue Motor mit seinem Durst in der Stadt: Bei der Stadtfahrt sind es 7,3 Liter! Laut Smart sollten es nur 4,9 Liter sein. Wenigstens überzeugt der Sauger mit seiner linearen Kraftentfaltung. Man kann ihn auch schaltfaul bewegen, wenn es etwas geruhsamer sein soll. Das lang übersetzte Fünfgang-Schaltgetriebe lässt sich flüssig und exakt bedienen.

Wer die 90-PS-Turboversion (ab 11790 Euro) mit ihren immerhin 135 Newtonmetern Drehmoment so schaltfaul fahren will, erlebt eine böse Überraschung. Der Dreizylinder schüttelt sich, so dass man flugs runter schaltet. Hinzu kommt eine unharmonische Kraftentfaltung, weil sich der Turbo immer eine Gedenksekunde gönnt. Im reinen Stadtverkehr mit Stopp und Go gönnt sich der Turbo so heftige 8,5 statt der vom Werk für innerorts versprochenen 4,9 Liter Super. Zur Einordnung: Der kurze und 880 Kilogramm leichte Smart Fortwo ist ein Stadt-Wägelchen, da ist sein Revier. Da muss er nicht nur gut fahren, wendig sein und Spaß machen, was er gut kann. Da muss er auch sparsam sein.

Für vier: Auch den Smart Forfour gibt es wieder.
Für vier: Auch den Smart Forfour gibt es wieder.Foto: Promo

Zwei Benziner zum Start

Unser Rat: Sparen sie sich die 895 Euro Aufpreis für die 90-PS-Maschine. Die könnte man ja in das neue Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe von Getrag investieren, das im Frühjahr 2015 für rund 1000 Euro Aufpreis zu haben sein wird. Wir haben es schon ausprobiert - mit einem zwiespältigen Eindruck. Ein riesengroßer Fortschritt im Vergleich zum automatisiertem Schaltgetriebe des aktuellen Smart mit der nervenden Hoppelfunktion. Doch im Vergleich mit anderen Automatikgetrieben dieser Art lässt diese Smart-Version doch noch Spielraum für Verbesserungen. Bei normaler Fahrt geht die Gangwahl in Ordnung, bei Zwischenspurts hingegen schaltet die Automatik viel zu spät, bleibt zu lange im hohen Drehzahlbereich.

Zur Markteinführung am heutigen Tag fällt die Motorwahl nicht schwer - es gibt nur zwei Benziner mit 71 und 90 PS. Wie geht es weiter? Ab Frühjahr 2015 startet eine auf 61 PS gedrosselte Version des Saugers. Einen Diesel wird es künftig nicht mehr geben. Der aktuelle Elektro-Smart wird noch anderthalb Jahre weiter gebaut, bis er abgelöst wird. Und Haustuner Brabus plant auch vom Neuen wieder eine Sportversion mit gut 110 PS. Smart Nummer drei startet zur rechten Zeit. Das Wachstum im Segment der Kleinsten beziffern Analysten auf etwa 38 Prozent bis zum Jahr 2020.

Aufpreise typisch Mercedes

Mit seinen speziellen Fähigkeiten und neuen Komfortqualitäten könnte der kleine Smart Fortwo ganz vorn dabei sein. Keiner ist kleiner, wendiger, parkplatzfreundlicher und Tiefgaragen-tauglicher als er. Der ideale City-Flitzer also. Wenn nicht seine Mercedes-Aufpreise wären. Es geht zwar ab 10 895 Euro beim 71-PS-Modell und ab 11 790 Euro bei der 90-PS-Version los. Doch dann ist nur das Nötigste an Bord, weder Klima noch Radio. Ein Paket aus Klimaautomatik und Audio-System kostet 1100 Euro. Und es geht munter weiter. Selbst ein höhenverstellbarer Fahrsitz, ein höhenverstellbares Lenkrad sowie elektrische Außenspiegel kosten weitere 270 Euro extra.

Doch richtig individuell und schick wird der Kleine erst mit den teuren Ausstattungslinien „Passion“ (1390 Euro), „Prime“ (1990 Euro) und „Proxy“ (3990 Euro). Da kommen dann schnell 16 000 Euro und mehr zusammen. Und wenn solche Preise nicht so viele Privatkunden hierzulande bereit sind zu zahlen? Dann bleibt ja noch die Aufstockung der beliebten Leihfahrzeuge von car2go. Oder das Hoffnungsland China. Dort jedenfalls ist der Winzling ein Renner. Kein Wunder, dass der Neue nun etwas chinesischer daher kommt.

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