Vorstellung SsangYong Tivoli : Rückenwind aus Italien

SsangYong Tivoli? Bei der Namensgebung bleibt der koreanische Autobauer auch im zweiten Anlauf in Deutschland ausgesprochen erfinderisch. Ansonsten machen sie aber einiges besser als beim ersten Versuch.

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Mit Expertise in Sachen Design aus Italien: Der SsangYong Tivoli.
Mit Expertise in Sachen Design aus Italien: Der SsangYong Tivoli.Foto: Hersteller

SsangYong? Waren das nicht die Koreaner mit dem verunglückten Design? Da gab es doch diesen Rodius mit dem merkwürdigen Heck aus dem Jahre 2005, der aussah wie ein zusammengeschusterter Leichenwagen. Heck lass´ nach, dachte man damals sofort, als man das Ungetüm sah, was zum Glück kaum vorkam. Denn dieses Auto war seltener als ein Ferrari.

Doch das ist Vergangenheit. Jetzt kommt der Tivoli. Schon der Name verkündet einen Neuanfang. Tivoli ist eine Kunststadt vor den Toren Roms. Und der neue Designer des koreanischen SUV kommt auch aus Italien. Offenkundig beherrscht er sein Handwerk. Der Tivoli ist in sich stimmig, eine positive Überraschung. Allein die mutige Front ist eine gelungene Abwechslung in der Menge uniformer SUV-Grills.

Überdurchschnittliche Ausstattung für den SsangYong Tivoli

Beim Einsteigen stellt man erfreut fest, dass auch das Interieur gelungen und ordentlich verarbeitet ist. Wie im Opel Mokka blickt man auf zylinderförmige Instrumente, die sich im Tivoli in sechs Farben beleuchten lassen. Das griffige Lederlenkrad liegt gut in der Hand. Der Fahrersitz des SsangYong Tivoli hat in der Topversion Sapphire sogar eine zweistufige Sitzbelüftung. In dieser Klasse eine Seltenheit. Über dem Durchschnitt dieser Klasse liegen auch die serienmäßig dreifach verstellbare elektromechanische Lenkung sowie der Sportmodus, der wirklich etwas bringt. In der Mittelkonsole ist ausreichend Platz für ein iPad und in den Seitenfächern der Türen lassen sich problemlos 1,5-Liter-Getränkeflaschen verstauen.

Das Interieur des SsangYong Tivoli ist ordentlich gestaltet und verarbeitet.
Das Interieur des SsangYong Tivoli ist ordentlich gestaltet und verarbeitet.Foto: Hersteller

Der mit einer Länge von 4,20 Metern, gegenüber einem VW Golf um sechs Zentimeter kürzere, aber mit 1,59 Meter um 14 Zentimeter höhere SsangYong Tivoli bietet überraschend viel Platz - sowohl für Passagiere als auch für Gepäck. Der Kofferraum fasst 423 Liter (Golf 380 Liter). Die Rücksitze verfügen über verschiedene Einstellkombinationen, inklusive 60:40- Aufteilung und eines ebenen Ladebodens nach dem Umklappen.

Assistenzsysteme sind beim SsangYong Tivoli eher Rarität

Wir sind das Topmodell gefahren - den SsangYong Tivoli 1.6i Sapphire mit 128 PS starkem Benziner und Sechsstufenautomatik für insgesamt 26 490 Euro. Das klingt nach viel Geld, der Preis relativiert sich aber bei näherer Betrachtung. Dieses Modell bietet mehr Serienausstattung als die meisten SUV der Konkurrenz: Sieben Airbags, 18-Zoll-Aluräder, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Siebenzoll-Multimedia-Display mit Rückfahrkamera, belüfteter Fahrersitz, Lederausstattung, beheizbares Lenkrad und eine Instrumententafel mit sechs wählbaren Farben. Was dem Tivoli allerdings gegenüber der Konkurrenz fehlt, sind elektronische Sicherheitshelfer wie Tempomat, Notbrems- oder Spurhalteassistent.

Auch beim SsangYong Tivoli sticht das Design aus der Masse heraus. Es ist aber weitaus gefälliger geworden, selbst wenn es vielleicht nicht Jedermanns Geschmack ist.
Auch beim SsangYong Tivoli sticht das Design aus der Masse heraus. Es ist aber weitaus gefälliger geworden, selbst wenn es...Foto: Hersteller

Beim neu entwickelten 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner handelt es sich nicht um einen modernen Direkteinspritzer- Turbo, sondern um einen konventionellen Saugrohreinspritzer, was eigentlich nicht mehr Stand der Technik ist. Die 128 PS werden bei standesgemäßen 6000 Touren erreicht, aber die beachtlichen 160 Newtonmeter erst bei 4600 Umdrehungen pro Minute. Das heißt, das Triebwerk will gedreht werden, um seine Durchzugskraft abzurufen. Dann jedoch wird es laut. Zum Glück kaschiert die konventionelle Sechsstufen-Wandlerautomatik geschickt die Durchzugsschwäche des Benziners. Das Aisin-Getriebe, das auch im Mini arbeitet, ist also trotz des Aufpreises von 2000 Euro eine Überlegung wert. Der Tivoli ist zwar straff abgestimmt, trotzdem reagieren Fern und Dämpfer sensibel und harmonisch.

Fünf Jahre Garantie als Versprechen

In Verbindung mit den sehr guten Sitzen (der Topversion) reist man kommod und stressfrei. Sprinteinlagen mögen jedoch weder Motor noch Getriebe. Wer kaum sportlich und nur selten lange Autobahnetappen fährt, sollte mit diesem Motor aber gut zurechtkommen. Die anderen müssen noch bis Herbst warten, dann startet der ebenfalls neue 1,6-Liter-Diesel mit 116 PS und einem Drehmoment von 300 Newtonmetern, das schon bei 1500 Touren anliegt. Allerdings kostet der Diesel happige 2500 Euro mehr.

Überraschend mutig fallen die Garantieversprechen der Koreaner bei ihrem ersten neuen Auto unter dem indischen Konzern Mahindra aus: Fünf Jahre oder 100 000 Kilometer Garantie sowie zusätzlich fünf Jahre europaweite Mobilitätsgarantie - das ist eine Ansage! Und auch die „inneren“ Werte stimmen - zumal der Einstiegspreis recht günstig ist. Die Basisversion Crystal kostet 15 490 Euro und hat einige Extras zu bieten, unter anderem eine manuelle Klimaanlage, ein Audio-System, sechs Lautsprecher sowie eine dreifach verstellbare Lenkung.

Insgesamt haben die Koreaner also ziemlich alles richtig gemacht und dank italienischer Designhilfe auch den europäischen Geschmack getroffen. Am letzten Wochenende war Verkaufsstart.

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