Vorstellung Suzuki Vitara : Raus aus dem Schlamm, rauf auf den Boulevard

Von Grund auf verändert will der neue Suzuki Vitara nicht mehr den Offroader geben, sondern lifestyleorientierte Kundschaft zur Marke locken.

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Wald- und Wegearbeit war gestern. Lange Jahre galt der Vitara als gutmütiger und zuverlässiger Arbeiter auf und abseits befestigter Straßen. Nun will auch der Japaner sein Glück auf dem lockenden Boulevard der kompakten Lifestyle-SUVs versuchen. Immerhin hat er dabei den Nutzwert in Form eines flexiblen Rückraums nicht vergessen.
Wald- und Wegearbeit war gestern. Lange Jahre galt der Vitara als gutmütiger und zuverlässiger Arbeiter auf und abseits...Fotos: promo

Suzuki ist nicht gerade bekannt dafür, mutig zu sein. Die Japaner gehörten bislang eher zu den konservativen Autofirmen, die es allerdings in der Vergangenheit zumeist geschafft haben, den eher konservativen Geschmack ihrer Klientel gut zu treffen. Wie beim Suzuki Vitara, der 1988 auf den Markt kam und der sich einen Namen als robuster Allradler ohne Chichi machte. In über neuneinhalb Jahren wurden rund 1,1 Millionen Vitara der ersten Generation verkauft. Nach dieser langen Zeitspanne startet nun der neue Suzuki Vitara. Der hat allerdings mit dem Vorgänger nur noch den Namen gemein, denn Suzuki ist mutig geworden und fährt auf neuen Wegen: Raus aus dem Schlamm und rauf auf den Boulevard!

Künftig gibt es nur noch einen viertürigen Vitara; der Dreitürer wurde gestrichen. Ein wenig ähnelt der neue Vitara dem erfolgreichen Range Rover Evoque. Vielleicht haben sich die Designer erinnert, dass es ja gar nicht so dumm war, den Swift wie einen Mini aussehen zu lassen.

Suzuki Vitara macht jetzt richtig auf Lifestyle

Innen lässt sich der Suzuki Vitara nun individualisieren. Die Applikationen auf dem Armaturenträger sind in Wagenfarbe verfügbar.
Innen lässt sich der Suzuki Vitara nun individualisieren. Die Applikationen auf dem Armaturenträger sind in Wagenfarbe verfügbar.Foto: promo

Bereits 2013 haben es die Suzuki-Leute mal probiert, ihre Allradler dem neuen Zeitgeist anzupassen. Der SX4 S-Cross (ab 19 490 Euro) sollte Jüngere zu Suzuki bringen. Doch der konservativ gestylte SX4 habe nach Aussagen von Suzuki „die Erwartungen bislang nicht erfüllt“. Also versucht man es nun mit einem richtigen Lifestyle-SUV, der ja auch besser in die derzeit modische und boomende Kompakt-SUV-Landschaft passt. Mit 4,17 Metern Länge ist der neue Suzuki Vitara gerade mal 13 Zentimeter kürzer als der SX4 S-Cross, auf dessen technischen Grundlagen er aufbaut. Der Neue ist recht schmal: nur 1,77 Meter breit und 1,61 Meter hoch. Beim Radstand kommt der Vitara zwar nur auf 2,50 Meter, doch das sind immerhin zehn Zentimeter mehr als beim längeren SX4 S-Cross.

Dafür bietet der Suzuki Vitara mit 375 Litern 55 Liter weniger Gepäckraum als der SX4. Der Kofferraum des neuen Vitara mit doppeltem Ladeboden hat in etwa Golf-Größe. Mit einem Handgriff lässt sich die asymmetrisch geteilte Rücksitzbanklehne flachlegen, und es entsteht ein nicht ganz ebener Laderaum. Mit seinen großen Glasflächen bietet der Suzuki Vitara eine erfreulich gute Rundumsicht.

Die Federung des neuen Suzuki Vitara ist komfortabler geworden

Das Allradsystem entspricht dem des SX4-Cross; Der Vitara wird mit Vorderrad- oder Allradantrieb angeboten. Beim Allradler lassen sich per Drehschalter neben dem Gangwahlhebel die vier Fahrmodi Auto, Sport, Snow und Lock wählen. Im Auto-Modus wird der Vitara normalerweise über die Vorderräder angetrieben. Fehlt dort der nötige Grip, schaltet das System automatisch auf Allradantrieb um. Der Sportmodus leitet den Kraftfluss an alle vier Räder, was die Kurvenfahrt optimiert. Der Snow-Modus ist für glatte Untergründe gedacht und soll die Traktion verbessern. Und der Lock-Modus sorgt dafür, dass bei schwierigem Untergrund die Antriebskraft von einem durchdrehenden Rad auf jene verlagert wird, die noch über genügend Grip verfügen. Für flotte Fahrt auf kurvigen Straßen empfiehlt sich die Sport-Taste, dann geht mehr Antriebskraft zur Hinterachse - und der Suzuki lenkt williger ein. Die Federung ist komfortabler ausgelegt als beim alten Vitara. Sie schluckt das Gröbste manierlich, lediglich kleine Querfugen kommen deutlich durch. Aber das geht schon so in Ordnung.

Bei der Elektronik ist der neue Vitara nun auf der Höhe der Zeit. Glänzte der alte Vitara bisher nicht gerade mit Assistenzsystemen, so ist der neue Vitara mit Smartphone-Anbindung und Touchscreen-Bedienung elektronisch auf der Höhe der Zeit. Sogar einen Radar-Tempomaten gibt es nun. Der regelt nicht nur den Abstand zum Vordermann, sondern umfasst auch ein dreistufiges Auffahrschutz-, Warn- und Notbremssystem.

Die Nacht ist nicht mehr der Feind

Der Nutzwert ist beim Sprung des Suzuki Vitara vom Gelände auf den Laufsteg nicht verloren gegangen. Aber er bietet mit 375 Litern weniger Ladevolumen als der SX4.
Der Nutzwert ist beim Sprung des Suzuki Vitara vom Gelände auf den Laufsteg nicht verloren gegangen. Aber er bietet mit 375 Litern...Foto: promo

Vitara-Fahrer müssen die Nacht jetzt nicht mehr fürchten: War der Frontscheinwerfer des alten Modells eher eine Funzel in der Dunkelheit, so hat Suzuki bei den Leuchten deutlich aufgerüstet: Auf Wunsch gibt es jetzt sogar LED-Hauptscheinwerfer.

Wo es Licht gibt, findet sich auch Schatten: Ein Lob verdienen die ausreichend großen und auch straff gepolsterten Sitze, doch die grobe Verstellbarkeit der Lehnen per Rasthebel statt Drehrädchen ist ein Ärgernis. Das Lenkrad lässt sich nach wie vor nur in der Neigung, nicht aber längs verstellen. Da spürt man ebenso den Rotstift wie beim ungewöhnlich großen Hartplastikanteil im Cockpit. Und das bei einem Auto, das bis zu 30 000 Euro kostet!

Individualität bis zur Uhr

Unterfahrschutz und Kunststoffstoßfänger erinnern an die Herkunft, doch der neue Suzuki Vitara sucht seine Käufer nun jenseits des Geländes.
Unterfahrschutz und Kunststoffstoßfänger erinnern an die Herkunft, doch der neue Suzuki Vitara sucht seine Käufer nun jenseits des...Foto: promo

Völlig neu bei Suzuki ist dafür die Möglichkeit, den neuen Vitara ganz individuell nach Gusto zu gestalten: die Cockpit-Uhr kann für 65 Euro in verschiedenen Zifferblättern geordert werden. Sogar mit einem, das alt-japanische Tiersymbole zeigt, die vor Hunderten von Jahren für die Darstellung von Tageszeiten in Japan verwandt wurden. Oder es kann das Dach in Kontrastfarbe bestellt werden oder Kühlergrill und Kotflügelverzierungen in Weiß oder Schwarz. Einlagen in der Instrumententafel in Türkis, Orange, Weiß oder Pianoschwarz. Gleiches gilt für die Ringe um die Lüftungsöffnungen. Zusätzlich kann eine Onroad- oder eine Offroad-Linie gewählt werden: Das Straßen-Paket „Urban“ beinhaltet verchromte Einfassungen für die Nebelscheinwerfer, Seitenschutzleisten und einen Dachkantenspoiler. Das rustikalere Paket „Rugged“ (zu Deutsch schroff) besteht aus einem Unterfahrschutz vorne und hinten, Einfassungen für die Nebelscheinwerfer, Seitenschutzleisten und einem Ladekantenschutz in mattem Grau. Insgesamt sind 14 verschiedene Karosserie-Farbvarianten im Zweifarb-Look möglich - gegen einen akzeptablen Aufpreis von jeweils 860 Euro.

So vielfältig die optischen Variationsmöglichkeiten, so karg ist das Motorenangebot, das aus dem SX4 stammt. Es gibt nur zwei 1,6 Liter große Vierzylinder; einen hauseigenen Ottomotor und ein Dieselaggregat, welches von Fiat zugekauft wird. Beide leisten jeweils 120 PS. Der Benziner bietet mit 156 Nm deutlich weniger Drehmoment als der Selbstzünder mit seinen 320 Nm.

Heftiger Aufpreis für den Suzuki Vitara als Diesel

Wir sind beide Motoren gefahren - und gespalten. Der durchzugsstarke Diesel ist zwar das im Alltag bessere Triebwerk, aber bei näherem Hinsehen spricht wenig für den Selbstzünder. Der Aufpreis von 2300 Euro ist heftig; dafür sind fünfstellige Kilometerleistungen nötig, um den wieder reinzufahren. Und der Diesel ist sehr präsent. Außerdem ist er - auf ausdrückliche Nachfrage - in der nächsten Zeit nicht mit einer Automatik lieferbar. Wer auf den letzten Punch verzichten kann, ist mit dem Benziner gut bedient. Zumal der mit der modernen Sechsstufenautomatik richtig gut harmoniert - und bei unserer Testfahrt sich mit 6,7 Litern Super pro 100 Kilometer zufrieden- gab, was 1,2 Liter über dem unrealistischen Normverbrauch liegt.

Der im ungarischem Suzuki-Werk in Esztergom produzierte Vitara steht ab heute bei den Händlern. Bei der Preisgestaltung gehen die Japaner ebenso mutig ran wie bei der neuen Lifestyle-Optik. Mit einem Einstiegspreis von 17 990 Euro liegt der Suzuki Vitara 1.6 4mal2 mit 120-PS-Benziner fast auf einer Preisebene mit dem Skoda Yeti (ab 18 650 Euro) oder dem Opel Mokka (ab 18 990 Euro). Diese wird er wohl kaum gefährden können, zumal es dann bei den höherwertigen Modellen, den Allradversionen oder den Dieselantrieben steil nach oben geht. Dann ist die Rede von 22 490, 26 190 oder gar von 27 890 Euro für den Allrad-Vitara mit dem 120-PS-Diesel in der Comfort+ -Version. Mit ein paar Extras ist man dann schnell bei fast 30 000 Euro. Viel Geld für dieses Auto. Dafür bekommt man auch schon einen VW Tiguan.

Doch vielleicht räubert der neue Vitara dort, wo es Suzuki nicht so gern hätte. Nämlich im eigenen Hause. Der schicke Lifestyle-SUV könnte bei den Verkaufszahlen nicht nur am vergleichsweise dröge gestalteten SX-4 vorbeiziehen, sondern auch den bisherigen Verkaufsrenner Swift ablösen.

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