Vorstellung Volvo XC90 : Volvos neuer Hammer oder: Der Erste einer neuen Art

Neue Designsprache - und trotzdem ein typischer Schwede: Der neue Volvo XC90 glänzt innen und außen mit höchster Qualität - und präsentiert zwei Weltneuheiten.

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Erster: Der neue Volvo XC90 zeigt die neue schwedische Designsprache, die vom Deutschen Thomas Ingenlath kreiert wurde.
Erster: Der neue Volvo XC90 zeigt die neue schwedische Designsprache, die vom Deutschen Thomas Ingenlath kreiert wurde.Foto: Promo

Blenden wir kurz zurück, um den neuen XC90 richtig einzuordnen. Das Jahr 2010 war die Stunde Null bei Volvo. Die chinesische Autofirma Geely kaufte von Ford die Schweden. Die standen unter der Herrschaft der Amis am Schluß nicht gut da: Volvo-Modelle mit Ford-Genen, gesichtsloses Design. Eine verwässerte Marke. Alles auf Anfang lautete deshalb 2010 die Devise. Der chinesische Eigentümer hat seitdem 8,2 Milliarden Euro investiert, um Volvo wieder zu einer ernstzunehmenden Marke und zu einem profitablen Unternehmen zu machen. Innerhalb vier Jahren wurde die „Skalierbare Produkt-Architektur (SPA)“ entwickelt, welche nicht nur große Entwicklungsfreiheiten bei Technik und Design (Länge, Breite, Radstand, Motoren, Karosserieformen, Überhänge) ermöglicht, sondern vor allem die Fertigung aller Modelle auf nur einer Produktionslinie.

Zugleich wurde in dieser Zeit die Motorenpalette umgestellt. Künftig arbeiten bei den Schweden nur noch Zweiliter-Vierzylinderturbomotoren unter der Haube –  als Benziner, Hybrid oder Diesel. Gewagt, vor allem für die Hauptmärkte China und USA. Doch bei einem Verbrauch von 4,9 Liter Diesel für den kleinsten Selbstzünder mit 190 PS und 400 Newtonmetern Drehmoment oder bei einer Systemleistung von 400 PS und 640 Newtonmeter Drehmoment beim Benzin-Hybrid-Topmodell T8 mit einem Verbrauch von 2,7 Litern und 40 Kilometer rein elektrischer Fahrt  sicher ein überschaubares Wagnis. Das ehemalige Dickschiff ist konsequent auf Diät gesetzt worden.

Luxus pur im Volvo XC90

Der nun vorgestellte XC90 ist das erste unter Geely-Regie entwickelte Modell auf der SPA-Plattform. Und er ist zugleich das erste Modell mit der neuen schwedischen Designsprache, die vom Deutschen Thomas Ingenlath kreiert wurde. Der Neue ist sofort als Volvo zu erkennen. Trotz seiner gewollt konservativen Form aber sofort auch als etwas Besonderes: schlicht und dennoch hochwertig. Außen und innen zitiert der deutsche Designer schwedische Geschichte und neuen Stolz: Der aufrechte Riesengrill, die Leuchten mit den T-förmigen liegend angeordneten LED-Tagfahrlichtern, von den Schweden selbst Thors Hammer genannt. Dieser Donnergott ging der Sage nach mit Werkzeug auf die Riesen los, welche die Menschheit bedrohten. Nun will der XC90 trotz seiner Thors Hammer-Leuchten sicher keinen bedrohen, aber den Deutschen Audi Q5, Mercedes ML, BMW X5 ebenso schon ein wenig Angst machen wie dem neuem Range Rover.

Edel: Vorn sitzt man fürstlich, blickt auf Luxus pur: Leder und Echtholz im Überfluss.
Edel: Vorn sitzt man fürstlich, blickt auf Luxus pur: Leder und Echtholz im Überfluss.Foto: Promo

Der XC90 ist gegenüber dem Vorgänger um vierzehn Zentimeter in der Länge gewachsen, nun 4,95 Meter lang und 2,10 Meter mit Spiegel breit. Fast die Maße des Audi Q7. Auch im bislang bekannt gegebenen Basispreis von 49400 Euro für das Einstiegsmodell mit 190 PS Diesel, Achtstufenautomatik und Frontantrieb orientieren sich die Schweden am großen Audi-SUV. Allerdings ist der XC90 nicht nur 125 Kilogramm leichter als der Vorgänger, sondern auch gut 200 Kilo leichter als der Q7, und er bietet eine augenscheinlich bessere Raumökonomie – wie die erste exklusive Sitzprobe offenbarte.

Vorn sitzt man fürstlich, blickt auf Luxus pur: Leder, Echtholz, dann auf den Wählhebel aus Kristallglas von der bekannten schwedischen Manufaktur Orrefors, auf die Rändelräder in aufwendigem Diamantschliff. Die Ledersitze tragen die schwedische Flagge – der XC90 strahlt ein neues Selbstbewusstsein aus. Wie im Elektroauto Tesla dominiert die Mittelkonsole ein Touchscreen im iPad-Format. Touchscreens sind nun wirklich nichts Neues mehr im Auto. Sie gewinnen immer mehr die Oberhand im Kampf gegen die Knopfflut. Doch der berührungsempfindliche Bildschirm im iPad-Format ist dank seines neuartigen Bedienkonzepts Sensus bislang einzigartig in einem Auto und zukunftsträchtig.

Klasse Sicherheitsfaktor

Die hoch veredelte Oberfläche wird von einem Infrarot-Frame unterstützt. Deswegen kann der Touchscreen auch mit Handschuhen bedient werden – eine Weltneuheit. Und er ermöglicht so eine intuitive Gestensteuerung, genauso wie beim iPad. Auf dem hochkant angeordneten Bildschirm (wie beim Elektroauto Tesla) gibt es hier Kacheln für drei Bereiche: oben Navigation, in der Mitte Medien wie Telefon und unten Klima. Wählt man eine Kachel, vergrößert die sich, während sich die anderen verkleinern, aber sicht- und aktivierbar bleiben. Man muss also nicht wie bei aktuellen Systemen anderer Hersteller sich erst durch verschiedene Untermenüs oder wieder zurück klicken, um zu einer neuen Funktion oder zum Ausgangspunkt zu gelangen. Man kann vertikal und horizontal wischen.

Nach ganz kurzer Übung gelingt uns an einem Demogerät das Wechseln zwischen den verschiedenen Funktionen ganz einfach und vor allem ganz schnell. Außerdem ohne mehrmalige Versuche. Klasse. Ein Sicherheitsfaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Nur fünf Knöpfe sind übrig geblieben, aber nur, weil die Behörden es vorschreiben. Zum Beispiel für den Warnblinkschalter. Sensus ist serienmäßig an Bord. Wer kein Navigationsgerät bestellt, bekommt eine kleinere Ausgabe des iPads, aber mit dem gleichen genialen Bedienschema.

Die Sitze in der dritten Reihe sind ebenso groß wie die der zweiten. Auch in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit. Dort sollen bis 1,70 Meter große Personen anständig sitzen können. Stimmt! Wir haben es ausprobiert. Etwas gelenkig sollte man schon sein. Klappt man die Sitze in Reihe zwei und drei um, erhält man einen Riesenschlund mit topfebenem Ladeboden und konkurrenzlosen 1900 Litern Volumen.

Typischer Schwede: Der neue Volvo XC90 ist natürlich vollgestopft mit neuester Sicherheitstechnik.
Typischer Schwede: Der neue Volvo XC90 ist natürlich vollgestopft mit neuester Sicherheitstechnik.Foto: Promo

Zwei Weltneuheiten bei der Technik

Der neue Volvo XC90 ist natürlich vollgestopft mit neuester Sicherheitstechnik. Sie hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Nennen wir nur die beiden Weltneuheiten: die Run off Road Protection sowie den Kreuzungsbremsassistenten. Die Run off Road Protection erkennt, wenn das Auto von der Fahrbahn abzukommen droht, und strafft automatisch die vorderen Sicherheitsgurte, um die Insassen sicher in den Sitzen zu halten, zudem beugt ein energieabsorbierender Bereich zwischen Sitz und Sitzrahmen schlimmen Wirbelsäulenverletzungen vor. Das automatische Notbremssystem für den Kreuzungsbereich bremst das SUV automatisch ab, wenn der Fahrer beim Abbiegen in den Gegenverkehr zu steuern droht. Dies ist sowohl im belebten Stadtverkehr als auch auf Landstraßen ein typisches Unfallszenario. So soll der neue XC90 mithelfen, dem großen Ziel der Schweden näher zu kommen, dass 2020 kein Mensch mehr in einem Volvo nach einem Unfall sterben muss.

Bestellt werden kann der XC90 ab Oktober, die ersten Autos der First Edition laufen in der ersten Februarwoche vom Band. Ab März 2015 steht der XC90 dann bei den Händlern. Immerhin 4300 Stück sollen noch im gleichen Jahr laut Volvo Deutschland an deutsche Kunden gehen. Bis 2018 will Volvo seine gesamte Modellpalette erneuern und sie gleichzeitig straffen. Die 70er und 80er Baureihen fallen weg. Doch bei den verbleibenden geht es Schlag auf Schlag. Schon nächstes Jahr folgen die Limousine S90 und der Kombi V90, deren Serienmodelle bereits den Händlern gezeigt worden sind. Einhellige Reaktion der Teilnehmer: „Die sind der Hammer“.

Wer indes nicht so viel Geld ausgeben will oder kann, muss noch etwas warten. Denn die große SPA-Architektur, auf der der XC90 basiert, kann nur noch für die Modelle XC60, V60 und S60 verwendet werden, deren erste Versionen in gut zwei Jahren starten dürften. Für die kleinste neue Volvo-Baureihe XC40, V40 und S40 ist eine neue kleine SPA-Plattform nötig, die sich derzeit in der finalen Entwicklungsphase befindet. Ihre Besonderheit gegenüber der großen: Es wird eine Premium-Version für Volvo geben und eine abgespeckte Variante für Geely-Modelle für den chinesischen Markt. Mit dem neuen Gesicht und dem neuen Selbstbewusstsein will Volvo dann in spätestens vier Jahren Audi und Co zeigen, dass auch in der wichtigen Kompaktklasse der schwedische Hammer vom Donnergott Thor für eine neue Hackordnung sorgen soll.

Hoher Aufwand beim Service

Mit dem neuen XC90 wird Volvo 2015 auch ein neues digitales Vertriebssystem einführen. Anders als schon bekannte Varianten mit einem Konfigurator soll sozusagen eine interaktive Premiumversion entwickelt werden, die eine Art virtuelle Volvo-Autowelt schafft. Hat der Kunde „seinen“ XC90 zusammengestellt, wird er an einen Händler verwiesen.

Beim Kauf eines neuen Volvo wird eine lebenslange Beziehung zu einem persönlichen Techniker aufgebaut,  welcher mit Rat und Tat bei Problemen behilflich ist. Neu ist auch eine nur im Internet bestellbare First Edition des XC90 mit 225 PS starkem Diesel, die weltweit auf 1927 Exemplare limitiert ist – eine Hommage an das Gründungsjahr des schwedischen Herstellers.

Ab 3. September um 16 Uhr wurde die Website www.vovolvocars.de/firstedition freigeschaltet, auf der besonders Eilige und Gutbetuchte das 90200 Euro teure voll ausgestattete Sammlerstück mit der Wunsch-Editionsnummer reservieren können. Selbst das gute Gewissen ist inklusive, denn von jedem der 1927 First-Edition-Autos spendet Volvo 2500 Euro  an die Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“. Und selbst der „alte“ XC 90, der vor gut zehn Jahren mal Volvos Exportrenner war, darf sich auf ein zweites Leben freuen. Die Schweden verschicken die Werkzeuge für dieses Modell nach China, wo das alte Modell bald als XC Classic verkauft werden wird.

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