VW Beetle Cabrio : Früh dran, der Spätentwickler

Mitten im Winter startet das neue VW Beetle Cabrio. Ein Blick zurück auf das Kult-Cabrio des Käfers und ein Auge auf den Neuen. Ob es dem großen Vorbild mehr Ehre macht als der missglückte erste Versuch?

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Retro geglückt: Auch das Cabrio des VW Beetle ist jetzt ein ansehnliches Auto geworden.
Retro geglückt: Auch das Cabrio des VW Beetle ist jetzt ein ansehnliches Auto geworden.Foto: Hersteller

Zu blöd. Das riesige Lenkrad steht strack. Bloß nicht den Schlüssel abbrechen, dieses dünne, halbverbogene Ding. Wir ruckeln und nesteln; reden dem Alten gut zu, bis er den gewaltfreien Widerstand aufgibt. Der Käfer läuft. Und plötzlich ist heute 1973.

Mal ehrlich: Ob mit festem Dach oder als Cabrio, der erste Beetle war ein Graus. Rundlich, luschig, bemüht. Seit einer Weile ist die zweite Generation unterwegs. Und begeistert selbst viele der hartnäckigsten Meckerer. Weil die Proportionen stimmen, und weil die Spannkraft des Designs endlich reicht, um den Bogen zu schlagen. Vom Wirtschaftswunder in die Moderne. Retro auf den ersten Blick – das funktioniert jetzt auch beim Beetle Cabrio. An diesem Wochenende geht dessen Neuauflage an den Start. Für Open-Air-Fans mit schmalem Budget könnte das durchaus verlockend sein: Budgetschonender als 21 350 Euro aufwärts ist schließlich kein Freiluft-Volkswagen zu haben. Die Auswahl des Spielmaterials ist trotzdem üppig. Fünf Motoren, drei Ausstattungslinien, zwölf Felgen, zwölf Lack- und zwei Dachfarben sollen helfen, den Lifestyle des Beetle zu einem ganz persönlichen zu machen.

Gemeinsame Basis

Die Stoffhaube des Käfer Cabrios blieb auch bei der Neuauflage erhalten.
Die Stoffhaube des Käfer Cabrios blieb auch bei der Neuauflage erhalten.Foto: Hersteller

Die Zeit nehmen wir uns – von Hand und über Kopf. Ziehen, zupfen, fummeln. Verdeck nach hinten, Tuch in Position, Persenning sauber obendrauf. Scheiben kurbeln, drehknopfend Sender suchen. Unterwegs sind zwölf Grad unter blauem Himmel. Ziemlich kalt ist es trotzdem. Heizung im Käfer-Cabrio? Damals war Ölkrise.

Den Luftzug haben die Entwickler prima im Griff. Die Frontscheibe steht im neuen Beetle steiler als im Vorgänger. Kein Brett, dafür mehr Freiheit vorm Kopf. Bis Tempo 60 darf das Windschott in seiner praktischen Ablage bleiben, bei höherem Tempo greift man dann gerne in das verborgene Fach im Kofferraum. Der ist gewachsen (plus 15 Liter Volumen), aber immer noch vergleichsweise schwer zu erreichen (hohe Ladekante) und doch eher mühsam zu beladen (zerklüftete Form). Dafür lässt sich jetzt erstmals im offenen Beetle die Rückbank umlegen; hälftig oder komplett, je nachdem wieviele Freunde dem Da-will-ich- mal-mit-Faktor des Neuen erlegen sind. Die Variabilität der Bestuhlung ist ein echter Fortschritt genauso wie die neue Architektur des Armaturenträgers: Im Vorgänger wurde hier nämlich unendlich viel Platz mit einem klobigen Vorbau verschwendet – die Eigner des Beetle Nr. 1 wissen davon ein Lied zu singen. Jetzt ist das Frontmöbel schlank und rank wie im Golf. Zufall ist das nicht: Der Beetle baut auf der Basis des Bestsellers auf.

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ADAC-Autotest: VW Eco Up
ADAC-Autotest: VW Eco Up

Spartanisch. Kurze Sitze in 70er-typischem Kunstleder; ein nackter, halbmeterlanger Schaltspargel zwischen den Sitzen.; ein einsamer Tacho, der Choke auf schauerlicher Walnuss-Blende. Und außen? Das blanke Gegenteil. Chrom. Die weit auskragenden Stoßstangen; Spiegel, Schlösser, Fensterrahmen: Chrom, überall einladend ausladender Chrom.

Controller bescheren viel Hartplastik

Das schönste Beetle Cabrio gibt es nur dieses Jahr. Vielleicht haben Sie Glück und der VW-Händler Ihres Vertraues hat sich ausgerechnet für das Modell „50s“ als Vorführer entschieden. Auffälligstes Merkmal der ab 25 850 Euro teuren Sonderedition sind die herrlich altmodischen „Circle-Black“Felgen. Perfekt zu schwarzem Dach, schwarzem Lack und Original-Käfer-Schriftzug auf der Heckklappe. Trotz des charmanten Vintage-Look ist die Begeisterung endlich. Im Inneren täuscht selbst das zweifarbige Leder-Paket unseres Testwagens (2125 Euro) nicht über das Spardiktat der Controller hinweg. Soviel Hartplastik haben VW-Kunden einfach nicht verdient – umso ärgerlicher, weil ein hübsches Gegengewicht nur partiell angeboten wird. Die in Wagenfarbe lackierten Armaturenblenden gibt es allein für die Sondereditionen zum Start des Sonnenkönigs und für die teuerste Beetle-Linie „Sport“. Schade, denn mit dem auffälligen Schmuck vervielfacht sich der Sympathiewert des Beetle ungemein; spätestens, wenn sich das Dach nach hinten weglegt und die Passanten am Winterfeldtplatz ihre neugierige Nasen in die Kugel stecken. Derlei Sightseeing ist schnell arrangiert: In sagenhaften neuneinhalb Sekunden öffnet sich der Himmel über Akazien – und wer es arg eilig hat, inszeniert sich und das Verdeck sogar bei laufender Fahrt.

Was die Wahl des Antriebs betrifft, geht Konsequenz nach dem Eindruck unserer Probefahrt so: Nehmen Sie zum günstigsten VW-Cabrio ruhig einen Diesel – den billigsten. Zwar fehlen für 23 880 Euro der sechste Gang und die Klimaanlage (inklusive Tempomat 910 Euro extra). Doch abgesehen davon reichen die 105 PS des TDI absolut, um der wahren Bestimmung des aufgeschnittenen Beetle zu folgen: entspannen, cruisen, tief Luft holen. Klar ließe sich mit dem starken 200-PS-Turbobenziner, einem optionalen Sportfahrwerk (235 Euro) und dem schnell schaltenden DSG auch krachend um die Kurven beetlen. Aber mal abgesehen vom niedrigen Verbrauch des kleinen Selbstzünders (4,9 Liter): Von den mehr als 5000 gesparten Euro Differenz lässt sich im nächsten Sommer so manches Ausflugslokal an der Havel ansteuern.

Ganz schön viel Plastik: Im Innenraum geht es zwar tadellos zu, aber die Materialien sind nicht immer Spitze.
Ganz schön viel Plastik: Im Innenraum geht es zwar tadellos zu, aber die Materialien sind nicht immer Spitze.Foto: Hersteller

Den Klang des 1303 hatten wir noch im Ohr; auch, wie sich 50 PS in Papas Käfer anfühlten. Anderes hatten wir vergessen. Oder vor lauter Schwelgen verdrängt. Die Lenkung geht schwer. Die Bremsen fühlen sich an, als seien sie ausgefallen. Die Gänge werden eingerührt, so, als mixe man einen Drink. Dennoch: Für Stunden ein echter Genuss, der olle Beetle.

Boom bei Kleinwagen und SUVs
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1 von 45Foto: dpa
15.01.2013 09:25Das Zulassungsstellen waren im Jahr 2012 nicht unbedingt überfüllt von Neuwagenkunden. Mit 3,082 Millionen frisch angemeldeten...

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