VW Diesel-Skandal : Eine Chronologie der Abgasaffäre

Am 18. September macht die EPA die Manipulation von Abgaswerten durch VW öffentlich. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse, Köpfe rollen, die VW-Aktie sinkt in den Keller. Doch wie kam es dazu? Eine Chronologie der Ereignisse...

Unsauberes Image: Seit Bekanntgabe der vorsätzlichen Manipulation von Dieselmotoren ist die VW-Aktie um 19 Prozent gefallen - rund 15 Milliarden hat die Affäre den Konzern bereits gekostet.
Unsauberes Image: Seit Bekanntgabe der vorsätzlichen Manipulation von Dieselmotoren ist die VW-Aktie um 19 Prozent gefallen - rund...Foto: dpa

Volkswagen hat weltweit in rund elf Millionen Dieselautos eine Software installiert, mit der Abgaswerte manipuliert werden können. Das sogenannte Defeat-Gate optimiert die Stickoxidwerte im Prüfstandlauf, schaltet sich im Normalbetrieb jedoch aus. Somit überschreiten die manipulierten Motoren vom Typ EA 189 tagtäglich die gesetzlichen Grenzwerte. Die Affäre wurde am 18. September bekannt - nahm ihren Anfang aber schon vor Jahren.

2007: Autozulieferer Bosch liefert Medienberichten zufolge Volkswagen die Software. Sie ist nicht für den Fahrbetrieb vorgesehen. Trotz der Warnung, dass sie in Autos für den freien Verkauf illegal ist, beginnt VW mit dem Einbau in Dieselfahrzeuge. Anfang 2007 wird zugleich Martin Winterkorn Chef des Wolfsburger Konzerns.

2011: Ein Techniker warnt Medienberichten zufolge den Chef der Motorenentwicklung der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer, vor möglichen illegalen Praktiken bei Abgasmessungen. Der Techniker wird demnach nicht ernst genommen. Neußer ist inzwischen laut Berichten beurlaubt.

2014: Forscher der Universität in West Virginia testen im Auftrag des Forschungsinstituts International Council of Clean Transportation (ICCT) Volkswagen-Modelle auf der Straße. Die Autos stoßen bis zu 40 mal mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt. Volkswagen erklärt die Differenzen mit verschiedenen technischen Problemen und unvorhergesehenen Nutzungsbedingungen. Einige Modelle werden für "Software-Updates" zurückgerufen - angeblich ist das Problem damit behoben.

Am 25. September wird Porsche-Chef Matthias Müller (li) Winterkorns Nachfolger. Die VW Führungsliga, darunter auch Bernd Osterloh, Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen, und Berthold Huber (re), kommissarischer Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, gibt noch am selben Tag bekannt, dass in Deutschland rund 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen sind.
Am 25. September wird Porsche-Chef Matthias Müller (li) Winterkorns Nachfolger. Die VW Führungsliga, darunter auch Bernd Osterloh,...Foto: dpa

Mai 2015: Die kalifornische Umweltbehörde Carb misst bei Tests erneut erhöhte Werte. Sie informiert Volkswagen sowie die US-Umweltschutzbehörde EPA. Es folgen mehrere "technische Treffen" zwischen Volkswagen und den Behörden.

3. September 2015: Volkswagen gibt gegenüber der Carb und der EPA zu, die Manipulations-Software in Dieselfahrzeugen installiert zu haben.

18. September 2015: Während der Internationalen Automobil-Ausstellung macht die EPA die Manipulation von Abgaswerten öffentlich. Gut 480.000 Autos in den USA sind damit ausgestattet. Volkswagen muss sie zurückrufen.

20. September 2015: Winterkorn entschuldigt sich per Video-Botschaft bei den Kunden für den Vertrauensbruch und kündigt eine externe Untersuchung an.

21. September 2015: Die VW-Aktie verliert knapp 19 Prozent - rund 15 Milliarden Euro Kapital sind vernichtet. Die Bundesregierung ordnet "genaue und umfassende" Tests der VW-Dieselmodelle an.

22. September 2015: Volkswagen erklärt, dass die Software in weltweit elf Millionen Fahrzeugen steckt, und will 6,5 Milliarden Euro für Nachbesserungen zurückstellen. Die Aktie stürzt um weitere knapp 20 Prozent ab.

Volkswagen hat am 4. Oktober eine große Entschuldigungskampagne gestartet. In der Anzeige kündigt der Konzern an, das nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen verloren gegangene Vertrauen der Kunden wiedergewinnen zu wollen.
Volkswagen hat am 4. Oktober eine große Entschuldigungskampagne gestartet. In der Anzeige kündigt der Konzern an, das nach dem...Foto: Georg Hilgemann/dpa

23. September 2015: Winterkorn tritt zurück, erklärt aber, er sei sich persönlich "keiner Schuld bewusst". Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gehen erste Strafanzeigen gegen VW ein. Auch der Konzern erstattet Anzeige.

25. September 2015: Porsche-Chef Matthias Müller wird Winterkorns Nachfolger. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagt vor dem Bundestag, rund 2,8 Millionen Fahrzeuge seien in Deutschland betroffen. Weitere Länder geben in den Folgetagen Einzelheiten bekannt.

28. September 2015: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

30. September 2015: Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

2. Oktober 2015: Die französische Justiz leitet Ermittlungen wegen schweren Betrugs gegen VW ein.

4. Oktober 2015: VW wirbt in seitengroßen Zeitungsanzeigen um Kunden. „Eigentlich sollte hier unsere Anzeige zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung stehen“, lautete die Überschrift. Darunter betonte VW, geplant sei gewesen, sich mithilfe der Anzeige bei Kunden, Mitarbeitern und Handelspartnern zu bedanken. Nun wurde die Anzeigenkampagne nicht für einen Dank, sondern für eine Entschuldigung genutzt: „Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen“, heißt es in dem Text, der prominent in mehreren auflagenstarken Sonntagsblättern abgedruckt war. (dpa)

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