VW renoviert den Touareg : Segeln mit dem Glitzerschiff

Eigentlich wirkt er wie aus der Zeit gefallen. Doch der VW Touareg ist immer noch ein Bestseller, zumindest in China und den USA. Grund genug für Volkswagen, dem opulenten SUV eine Frischzellenkur zu verpassen.

Rainer Ruthe
Mit neuer Optik wirkt der VW Touareg weniger wuchtig. Es bleibt allerdings bei der Optik, denn leichter oder kleiner ist er nicht geworden.
Mit neuer Optik wirkt der VW Touareg weniger wuchtig. Es bleibt allerdings bei der Optik, denn leichter oder kleiner ist er nicht...Foto: promo

Auch VW’s Touareg kommt um die obligatorische Auffrischung nach der Hälfte seiner Modelllaufzeit nicht herum. Dabei läuft der große und auch teure Allradler für seine Spezies richtig gut: Seit dem Marktstart vor zwölf Jahren sind von der ersten Generation (2002 bis 2010) 475000 Stück und von der aktuellen zweiten (2010 bis jetzt) gut 300 000 VW Touareg verkauft worden. Bis Jahresende sollen es weltweit noch 800 000 Stück werden.

Damit es auch so kommt, soll ab 17. Oktober es nun die aufgefrischte zweite Generation des im slowakischen Bratislava gebauten Touareg richten. Und da klotzt VW: Chrom hier, Chrom da, Chrom dort – so wie es die Chinesen mögen, denn das ist neben den USA der Hauptmarkt für das 4,80 Meter lange, 1,71 Meter hohe und mit Spiegeln 2,21 Meter breite Trumm. Die Front ziert nun ein großer Vier-Lamellen-Chromgrill, der von vergrößerten Scheinwerfern flankiert wird, die nun serienmäßig mit Bi-Xenon-Leuchten strahlen. Dadurch soll das massige Auto flacher und breiter wirken. Eine dicke umlaufende Chromleiste soll diesen Eindruck verstärken. Am Heck drückt eine schmalere Schürze mit neuem Diffusor das Auto optisch etwas an den Boden. Ansonsten beschränken sich die optische Verschönerungen noch auf drei neue Außenfarben und zwei neue Felgen, die bis Größe 21 Zoll bestellt werden können. Auch im Innenraum funkelt es allerorten,  unter anderem mit neuen Schaltern, die aus dem Vollen gefräst sind. Und das Rotlicht-Ambiente hat ein Ende, nun sind Instrumente und Schalter weiß statt rot beleuchtet. Das sieht edler aus.

Viele Extras zu ordentlichen Preisen beim VW Touareg 2014

Auf der Höhe der Zeit bewegt sich der VW Touareg nach der Auffrischung auch bei den Fahrerassistenzsystemen sowie bei der Internet-Anbindung. Doch beides geht, und das ist nichts Neues bei VW, richtig ins Geld. Mindestens 3545 Euro kosten im Paket solche Assistenzsysteme wie Abstandsradar, City-Notbremsfunktion, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennnung. Und stolze 2234 Euro kosten Radio-Navigationssystem RHN 850 sowie die Mobiltelefonvorbereitung, womit der Touareg nun in der Lage ist, sich mit mobilen Onlinediensten zu verbinden.

Der VW Touareg 2014 lässt sich mit allerhand Assistenzsystemen einrichten. Das geht allerdings ins Geld.
Der VW Touareg 2014 lässt sich mit allerhand Assistenzsystemen einrichten. Das geht allerdings ins Geld.Foto: promo

Bei all dieser äußeren und inneren Glitzerwelt ist es leicht vorstellbar, dass VW’s Dickschiff lieber auf dem Boulevard als im  Gelände bewegt wird. Nur gut zehn Prozent der Kunden orderten bisher das Offroad-Paket, mit dem das Trumm richtig geländegängig ist. Geblieben ist die sehr hohe Anhängelast von 3,5 Tonnen.

Achtzylinder und Hybrid bleiben gleich

Auf großem Fuß bewegt sich der VW Touareg auch beim Gewicht,  wo er nicht abspecken konnte. Mindestens 2185 Kilogramm bringt er auf die Waage. Und die wollen beschleunigt und abgebremst werden. Und damit auch hier der aufgefrischte VW Touareg mit der Konkurrenz weiter mithalten kann, hat sich bei Antrieb (Achtgangautomatik mit Freilauffunktion) und Fahrwerk (überarbeitete Stahlfederung für agileres Handling und verbesserten Komfort) einiges getan. Während allerdings der große V8 (nur Euro-5-Abgasnorm) wie auch der Hybrid (Minderheitenprogramm) kaum angefasst wurden,  ging man beim V6 TDI in die Vollen. Wie schon zuvor, gibt es ihn wieder in zwei Leistungsstufen. Das überarbeitete Dreiliter-Triebwerk erhielt eine Harnstoffeinspritzung in den Abgasstrang sowie einen zusätzlichen SCR-Katalysator, welcher die schädlichen Stickoxide im Abgas deutlich reduziert. Damit erfüllen beide Versionen die Euro-6-Abgasnorm.  In der ersten Leistungsstufe entwickelt der V6 TDI eine Leistung von nach wie vor 204 PS ab 3250 Touren und ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern bereits ab 1250 Touren. Der Normverbrauch soll von 7,0 auf 6,6 Liter gesenkt worden sein. In der zweiten Leistungsstufe stieg die Leistung von 245 auf 262 PS ab 4000 Touren; das maximale Drehmoment wuchs von 530 auf stramme 580 Newtonmeter ab 1750 Touren an. Der Verbrauch soll hier von 7,2 auf ebenfalls 6,6 Liter gesenkt worden sein. Den Sprint von Null auf Tempo 100 schafft der Riese so in 7,3 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit beträgt 225 km/h.

Seine durchaus beachtlichen Fähigkeiten im Gelände hat auch der VW Touareg behalten.
Seine durchaus beachtlichen Fähigkeiten im Gelände hat auch der VW Touareg behalten.Foto: promo

Wir sind den Touareg mit dem stärkeren V6 TDI gefahren. Wie von ganz weit fern fühlt sich der leise Kraftprotz an, wenn er mit einer schon arrogant anmutenden Souveränität den 2,2-Tonner mächtig anschiebt. Unauffällig wechselt die Achtgangautomatik die Gänge, passend zur jeweiligen Fahrsituation. Der Fahrkomfort beeindruckt, zumal in Verbindung mit der optionalen Luftfederung (2700 Euro Aufpreis). Dieser SUV fährt sich wie ein hoch gelegter Kombi, der auch für lange Reisen taugt – und so auch von den meisten Käufern benutzt wird. Und das Dickschiff kann jetzt sogar segeln. So nennt man die nun in die Achtgangautomatik integrierte Freilauffunktion. Wenn der Fahrer auf ebener Autobahn oder Straße den Fuß vom Gas nimmt,  wird der Motor vom Getriebe entkoppelt und dreht nur noch mit Leerlaufdrehzahl von unter 1000 Touren. Das funktioniert sehr gut und spart Sprit.

VW Touareg Hybrid ist die teuerste Variante

Wir kamen mit dem Glitzerschiff inklusive eines erklecklichen Segelanteils und insgesamt eher verhaltener Fahrweise dennoch auf 9,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Schnellere Autobahnfahrten lassen den Verbrauch des VW Touareg sofort in den zweistelligen Bereich hoch schnellen.

Doch das dürfte dieser Klientel wohl eher egal sein. Mindestens 52125 Euro müssen für einen aufgefrischten Touareg ausgegeben werden. Das sind 1275 Euro mehr als beim Vorgänger. Dafür bekommt der Kunde den V6 TDI mit 204 PS, überarbeiteter Achtgangautomatik, verbessertem Stahlfederfahrwerk, permanentem Allradantrieb 4Motion mit 31 Grad Steigfähigheit und nun mit serienmäßiger Multikollisionsbremse sowie serienmäßigen Bi-Xenon-Scheinwerfern. Die V6 TDI-Version mit 262 PS ist 3500 Euro teurer, und der große V8 TDI mit 340 PS schlägt mit mindestens 74725 Euro zu Buche. Teuerstes Modell ist der Hybrid (333 PS starker V6 TSI und 46 PS starker Elektromotor im Verbund) mit einer Systemleistung von 380 PS. Dieser VW Touareg startet erst bei 77525 Euro. Wer viele Extras in der Aufpreisliste ankreuzt, nähert sich sehr schnell der 100000-Euro-Schwelle.

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1 von 13Foto: Markus Mechnich
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