VW Tiguan : Neues Modell für Deutschlands beliebtesten SUV

Volkswagen macht den nächsten Schritt bei der Entwicklung seines beliebtesten SUV: Der neue Tiguan kommt mit eigenständigem Design und ausgeklügeltem Allradantrieb auf die Straße.

Frank Wald
Nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch im Schnee zeigt der neue Tiguan mit Allrad, der ab April bei den Händlern stehen soll, eine überzeugende Leistung.
Nicht aus der Ruhe zu bringen. Auch im Schnee zeigt der neue Tiguan mit Allrad, der ab April bei den Händlern stehen soll, eine...Foto: Volkswagen AG

Auf den VW Tiguan fahren die Deutschen ab. Mit 58 978 Zulassungen war er 2015 laut Kraftfahrt-Bundesamt mit großem Abstand vor Opel Mokka (31 037) und Ford Kuga (28 529) der erfolgreichste SUV zwischen Flensburg und Füssen. Die dritte Auflage, die Ende April zum Händler rollt, hat die brave Golf- Plus-Hülle abgelegt und sieht nun endlich aus wie ein eigenständiger SUV.

Auf 4,49 Meter steht die Karosse jetzt sechs Zentimeter länger sowie je drei Zentimeter breiter und flacher im Fahrtwind. Damit wirkt der neue Tiguan sichtbar bulliger und kompakter als der Vorgänger. Vor allem die konturierte, nach vorn gewölbte Motorhaube mit dem breiten, ums Eck laufenden Grill-Scheinwerfer-Band und die höhere Gürtellinie betonen die SUV-Optik. Dazu kommen 7,7 Zentimeter mehr Radstand (2,68 Meter), die im Innenraum ordentlich Platz machen. Je nach Position der um 18 Zentimeter verschiebbaren Rückbank gibt es üppige Bein- und Bewegungsfreiheit sowie 615 Liter Gepäckraum, ein Plus von 145 Litern. Bei umgeklappter Rückbank lassen sich auf der ebenen Ladefläche gar 1655 Liter stapeln. Für die USA und Asien ist darüber hinaus eine Langversion geplant. Wie gewohnt gibt es optional eine spezielle Offroad-Frontpartie mit vergrößertem Böschungswinkel.

Auch das Interieur des Tiguan ist moderner und schicker geworden. Cockpit und Instrumente sind übersichtlich geordnet, die Sitze bequem, Qualitätsanmutung und Verarbeitung auf gewohnt hohem Niveau. Optional gibt es neben der zeitgemäßen Assistenzsystem-Armada wie Spurhalte-, Müdigkeits- oder Abstandswarner alle gängigen Infotainmentsysteme inklusive Online-Anbindung via Smartphone-Apps (Android und Apple) sowie VW-eigenem Online-Dienst für Staumeldungen, Pannennotruf oder Fahrzeugstatus. Etwas getrübt wird das Bild durch ein Head-up-Display, das Tempo, Navi- und Warnmeldungen auf eine kleine Plastikscheibe oberhalb des Kombi-Instruments projiziert. Zwar ansehnlicher als bei bisher bekannten Systemen, aber nicht wirklich schön. Die 565 Euro Aufpreis steckt man besser in das digitale TFT-Display (510 Euro), eine sensorgesteuerte Heckklappe (395 Euro) oder in schicke 19-Zoll-Alus (485 Euro, Highline).

VW hofft auf den Allradantrieb

Als erster SUV im VW-Konzern auf Basis des modularen Querbaukastens (MQB) hat der neue Tiguan aber nicht nur Format und Packaging, „sondern besonders fahrdynamisch gewonnen“, so Jens Andersen, Leiter der technischen Entwicklung bei Volkswagen. Dafür sorgt die neueste Generation des Allradantriebs 4Motion, dessen Lamellenkupplung die Kraft noch schneller zwischen Vorder- und Hinterachse sowie an alle vier Räder verteilt. „Eine feste Antriebskraftverteilung gibt es bei uns nicht“, so Andersen, „die Verteilung an alle vier Räder wird bereits aktiv, bevor überhaupt Schlupf auftritt“.

Dazu haben die Wolfsburger Ingenieure ein cleveres Fahrwerksregelsystem namens 4Motion Active Control entwickelt, mit dem sich vier Fahrmodi - Snow, Onroad, Offroad und Offroad Individual - ganz bequem per Dreh-Drücksteller anwählen lassen. Wie bequem, haben wir bei Probefahrten auf Eis und Schnee im nordschwedischen Arvidsjaur bei minus 26 Grad erfahren. Knapp unterhalb des Polarkreis, wo die heimische Bevölkerung mit Spikes-Reifen am Auto unterwegs ist, reicht ein Dreh am ergonomischen Rundknopf im Mitteltunnel, und der Tiguan schnürt auf sicheren Bahnen durch das idyllisch verschneite Lappland. Vor allem im Snow-Modus ist der Wagen selbst auf rutschigem Handlingkurs kaum aus der Ruhe zu bringen. Dabei wird der Gaspedalweg länger, das DSG schaltet früher hoch und die Kennlinie der Antriebsschlupfregelung (ASR) wird angepasst. Erkennen ASR und ABS-Sensoren Schlupf an einem der Räder, reduziert das System die Motorleistung und der immerhin bis zu 1,9 Tonnen schwere Wagen ruckelt sich mühelos wieder in die Spur. Etwas mehr Drift lassen On- und Offroad-Modus zu, doch auch hier überwachen die Regelsysteme jeden kleinen Rutscher und fangen den Wagen nach dezentem Gasfußlüpfen wieder ein.

VW erhofft sich großen Kundenzuspruch für den Allradantrieb, mit dem immerhin bisher mehr als die Hälfte aller weltweit 2,64 Millionen verkauften Tiguan fahren. Entsprechend sind sechs der acht Motorisierungen (vier Benziner von 125 bis 220 PS, vier Diesel von 115 bis 240 PS) mit dem 4Motion-Antrieb zu haben, ab 180 PS außerdem immer serienmäßig mit dem empfehlenswerten DSG-Doppelkupplungsgetriebe.

Die deutsche Markteinführung am 30. April startet allerdings zunächst nur mit dem 2.0 TSI-Benziner mit 180 PS, Allrad und DSG (ab 34.450 Euro) sowie als vorläufiges Einstiegsmodell mit dem 150 PS starken 2.0 TDI-Diesel. Der kostet in der Basisversion als Fronttriebler mit 6-Gang-Getriebe 30 025 Euro, mit Allrad und 7-Gang-DSG sind es 3900 Euro mehr. Die übrigen sechs Motor-Getriebe-Varianten können dann erst bestellt werden.

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