Was Deutschland bewegt : Republik der Pendler und Reiseweltmeister

Auf Straße und Schiene, in der Luft: Millionen Bundesbürger setzen sich täglich in Bewegung, um zur Arbeit oder in den Urlaub zu kommen. Anderen geht es um ein neues Leben. Wie mobil sind die Deutschen?

Sascha Meyer
44 Millionen Pkw, 13.000 Flugzeuge und mehr als 1000 Fahrgastschiffe: Deutschland ist eine Republik der Pendler und Reiseweltmeister.
44 Millionen Pkw, 13.000 Flugzeuge und mehr als 1000 Fahrgastschiffe: Deutschland ist eine Republik der Pendler und...Foto: dpa

Willkommen im Land der 44 Millionen Pkw, 13.000 Flugzeuge und mehr als 1000 Fahrgastschiffe. In der Republik der Pendler und Reiseweltmeister. Der zusammengewachsenen Nation, in der jährlich mehr als eine Million Menschen zwischen den Bundesländern umziehen - und zwar nicht mehr überwiegend von Ost nach West. Das Statistische Bundesamt hat in seinem neuen Jahrbuch festgehalten, was Deutschland bewegt. Nicht alle kommen beim zunehmenden Wandel mit.

„Mobilität steht nicht nur für Aktivität und Veränderungswillen einer Gesellschaft“, sagte Amtspräsident Dieter Sarreither am Mittwoch in Berlin. „Sondern auch für Wohlstand, soziale Gerechtigkeit und Teilhabe.“ Dabei legen die Statistiker eine weitreichende Bedeutung von Mobilität an - neben klassischen Transporten zum Beispiel auch auf dem Arbeitsmarkt, im Tourismus, bei Bildung und Digitalisierung. Teils stammen die jüngsten Jahresdaten allerdings von 2012 oder 2013.

14 Prozent der Konsumausgaben entfallen auf Mobilität

Nach wie vor ist und bleibt Deutschland ein Autofahrerland. Für mehr als 80 Prozent aller Fahrten im Personenverkehr steigen die Bürger in den Wagen oder aufs Motorrad. Auch zwei Drittel der Berufspendler nehmen - bei allem Risiko morgendlicher Staus - den Pkw. Auf Busse und Bahnen verlassen sich 14 Prozent, zu Fuß und mit dem Fahrrad kommen je neun Prozent zur Arbeit. Dafür brauchen die meisten grundsätzlich nicht sehr lange. Rund 70 Prozent der Erwerbstätigen schaffen es in weniger als 30 Minuten von Tür zu Tür.

Diagramm zur Mobilität der Deutschen: 66 Prozent der Deutschen fahren mit dem Auto zur Arbeit, obwohl 84 Prozent der deutschen Haushalte ein Fahrrad oder E-Bike besitzen.
Diagramm zur Mobilität der Deutschen: 66 Prozent der Deutschen fahren mit dem Auto zur Arbeit, obwohl 84 Prozent der deutschen...Infografik: S. Stein/dpa

Kosten lassen sich die Deutschen ihre Mobilität durchaus etwas: im Schnitt 329 Euro im Monat, einen großen Teil davon für Sprit. Dies entspricht etwa 14 Prozent der Konsumausgaben der Privathaushalte. Dazu kommen durchschnittlich 56 Euro pro Monat für Pauschalurlaub. Eine Woche in den Ferien zu verreisen, konnte sich laut Statistik 2013 aber fast ein Viertel der Haushalte nicht leisten, wie eine Befragung ergab. Bei Alleinerziehenden war es fast jeder zweite.

Selbst beim Pause machen in Bewegung mit Kaffee „to go“

Bewegung ins Land bringen auch Wanderungen, wie sie amtlich heißen. Damit sind keine Ausflüge mit festem Schuhen gemeint, sondern Umzüge. Von einem Bundesland ins andere siedelten 2013 rund 1,1 Millionen Bürger um. Größte „Einwanderungsländer“ mit einem Plus unter dem Strich waren Bayern mit seinem attraktiven Arbeitsmarkt und das auch bei Studenten beliebte Berlin. Die stärksten Bevölkerungsverluste gab es hierbei in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Bewegung ins Land bringen auch "Wanderungen": Von einem Bundesland ins andere siedelten 2013 rund 1,1 Millionen Bürger um. Größte „Einwanderungsländer“ waren Bayern mit seinem attraktiven Arbeitsmarkt und das auch bei Studenten beliebte Berlin.
Bewegung ins Land bringen auch "Wanderungen": Von einem Bundesland ins andere siedelten 2013 rund 1,1 Millionen Bürger um. Größte...Foto: dpa

Auch aus der Bundesrepublik insgesamt wandern Menschen ab - jedoch überwiegend hier lebende ausländische Bürger. Nach jüngsten Daten von 2013 waren nur 18 Prozent der Auswanderer Deutsche, die am liebsten in die Schweiz, die USA und Österreich gingen. Nahe Nachbarländer wie Österreich, die Niederlande und die Schweiz stehen auch ganz oben, wenn sich junge Leute im Ausland an Hochschulen einschreiben - das tun anteilig inzwischen fast doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor.

Mobilität erobert auch das Internet. Mit dem Smartphone haben immer mehr den Online-Zugang in der Tasche ständig dabei. Fast zwei Drittel der Bundesbürger zwischen 16 und 74 surfen inzwischen kabellos. Das liegt etwa im EU-Schnitt - Spitzenreiter mit mehr als 80 Prozent sind aber Irland, Schweden und Spanien. Jenseits des Digitalen sind viele auch beim Pause machen in Bewegung - und trinken den Kaffee „to go“. (dpa)

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