Auto : Was mit Luft alles geht

Airbags gelten als ausgereift. Aber an den Details wird weiter gefeilt

Thomas Geiger (dpa)
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Aufgeblasen. Front- und Seitenairbags gehören längst zum Standardprogramm. Foto: dpa

Bei der Sicherheitsentwicklung knallt es kräftig. Seit sich Airbags zu den wichtigsten Lebensrettern neben dem Gurt entwickelt haben, werden die Luftkissen immer weiter verfeinert. „Nachdem mittlerweile auf breiter Front der Knie-Airbag Einzug hält, werden wir in Zukunft zwar nicht mehr viele völlig neue Airbags sehen“, sagt Dirk Schultz, der beim Zulieferer TRW in Altdorf (Bayern) die Entwicklung leitet. Es gebe jedoch immer mehr maßgeschneiderte Derivate für spezielle Fahrzeugtypen und Unfallsituationen.

   So hat zum Beispiel Toyota für den Kleinwagen iQ das Prinzip der Vorhang-Airbags vor den Seitenscheiben auch auf die Heckscheibe übertragen. Weil die Fahrgäste im Fond des rund drei Meter kurzen 3+1-Sitzers förmlich unter der Kofferraumklappe sitzen und die Knautschzone nur wenige Zentimeter misst, soll sie beim Heckaufprall ein aufblasbares Kissen im Nacken schützen. Ebenfalls einen neuen Airbag gibt es in der neuen E-Klasse von Mercedes. Unter dem konventionellen Sidebag in der Sitzlehne bauen die Schwaben dort einen zweiten ein, der speziell die Hüfte schützen soll. Viel Entwicklungspotenzial haben offenbar auch die Seiten-Airbags von Cabrios und Roadstern. Weil dort in der Regel keine Airbag-Vorhänge eingebaut werden können, müssen die Luftkissen aus den Sitzlehnen mehr Schutz bieten. Peugeot hat deshalb zum Beispiel für das neue 308 Cabrio den nach eigenen Angaben weltweit ersten in den Sitz integrierten Kopf-Airbag entwickelt.   

Obwohl TRW-Experte Schultz vor allem Fortschritt im Detail erwartet, setzt sich eine weitere Airbag-Gattung durch, die bislang nur beim dreitürigen Renault Mégane eingebaut wurde: das aufblasbare Sitzkissen. Wie ein Keil unter den Oberschenkeln soll es verhindern, dass die Insassen bei einem Aufprall unter dem Gurt durchrutschen. Auch Toyota setzt beim iQ auf eine solche Lösung, bei Renault soll es ins Laguna Coupé eingebaut werden.

Hinzu kommen schnellere, intelligentere Steuerungen. „Früher gab es nur zwei Möglichkeiten: auslösen oder nicht“, sagt Schultz. „Heute dagegen öffnen sich die Airbags je nach Unfallschwere bereits in mehreren Stufen. In Zukunft können sie auch Größe und Position der Passagiere berücksichtigen.“

Dazu haben die Entwickler auch noch ein paar völlig neue Systeme in petto: Airbags zum Schutz der Fondpassagiere in den Rücklehnen der Vordersitze oder aufblasbare Sicherheitsgurte seien immer mal wieder ein Thema, sagt TRW-Experte Schultz. Derzeit verspreche der Einsatz solcher Systeme zwar keinen zusätzlichen Sicherheitsgewinn. „Doch sobald ein spezieller Fahrzeugtyp solche Lösungen erfordert, wären diese neuen Airbags ruckzuck serienreif.“    

Das gilt womöglich auch für die Airbags, die nicht die Insassen des Wagens, sondern Unfallgegner vor Schäden bewahren sollen: Denn um die wachsenden Anforderungen an den Fußgängerschutz zu erfüllen, werden nach Einschätzung von Experten bald auch außen am Fahrzeug Airbags zum Einsatz kommen und Stoßfänger, Motorhauben oder Frontscheiben polstern.Thomas Geiger (dpa)

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