Wassertankstellen : Berlin fehlt der Stoff

Wer mit dem Motorboot auf den Gewässern der Hauptstadt unterwegs ist, muss sich vorher versorgen. Mehr Wassertankstellen sind laut Senat nicht geplant.

Stefan Gerhard

Was Wassertankstellen betrifft, wird in Berlin nicht geklotzt, sondern gekleckert – und zwar mit Treibstoff, der Motorbootfahrern beim Selbstbetanken per Benzinkanister danebengeht. Der Grund dafür: In der Hauptstadt gibt es zurzeit keine von der Wasserseite aus nutzbare Tankstelle, wo Benzin direkt in den Bootstank gezapft werden kann. Bootsbesitzer müssen sich mit dem selbst gefüllten Kanister behelfen, den sie mit an Bord nehmen.

Lediglich Diesel kann an einigen Stationen und Tankschiffen gebunkert werden: Direkt an der Havel in der Spandauer Wasserstadt liegt auf Kilometer 1,3 das Bunkerschiff „Eurotank“ (Telefon: 030/ 331 50 17), hier kann auch Bilgenwasser in allen Mengen abgegeben werden. Zwei Bunkerboote sind von hier aus mit Diesel, Schmierstoffen und Zubehör unterwegs. Für die südöstlichen Reviere ist das Bunkerschiff „Spree“ zuständig (Telefon: 0170/283 77 25, werktags von 7 bis 15 Uhr), das bei größeren Abnahmemengen auch Lieferservice zu Wasser bietet. Am Rummelsburger See nahe der Halbinsel Stralau liegt an der Spree die Bunkerstation „Ideal“ (Telefon: 030/ 292 34 53), wo von Montag bis Freitag zwischen 7 und 15 Uhr 30 Diesel gefasst werden kann. Auch hier kann Bilgenwasser abgepumpt werden.

Für die weit überwiegende Zahl Berliner Sportbootbesitzer, deren Motor mit Benzin betrieben wird, heißt es bis zum Frühjahr abwarten. Dann soll die nach einem Brandschaden geschlossene Wassertankstelle in der Spandauer Marina Lanke ihren Betrieb wieder aufnehmen. Vorausgegangen ist ein monatelanger Streit um die Größe eines geplanten Verkaufspavillons, der zunächst nicht genehmigt wurde. Peter Twelkmeyer, Chef des Wassersportzentrums an der Unterhavel, einigte sich mit dem dafür zuständigen Bezirksamt Spandau auf die Grundzüge eines Neubaus, der am Kopf der Steganlage an der Havel entstehen soll. Ende September soll der Vertragsentwurf vorliegen. Dann mit Pavillon, der nun „Infopoint“ heißt und wie in vielen anderen Berliner Marinas, Brötchen- und Proviantservice bietet.

„Das ist viel zu wenig“, sagt Hans-Joachim Gleffe, Sprecher des Motoryachtverbandes Berlin. Seiner Einschätzung nach sollte es in den drei Berliner Großrevieren „zumindest je eine Tankstelle“ geben. Geplant sind nach Auskunft der Senatsverwaltung für Wirtschaft aber keine weiteren Tankstellen. „Wir befürworten die Errichtung weiterer Wassertankstellen, um den Wassertourismus zu fördern. Die Initiative muss jedoch von der Wirtschaft ausgehen“, sagt Wirtschaftssenatssprecherin Petra Schwarz. Dass es auch anders geht, sieht man in Königs Wusterhausen. Im Niederlehmer Hafenhorst an der Dahme (km 8,55, täglich von 7 bis 22 Uhr) gibt es seit 2006 eine Wassertankstelle mit Benzin und Kartenzahlung, gefördert durch den Landkreis Dahme-Spreewald.

Berlin-Besucher, die seit Jahren verstärkt auf eigenem Kiel in die Hauptstadt kommen, sollten vor den Toren der Stadt tanken. „In Berlin wird den Leuten nichts anderes übrig bleiben, als weiter den Kanister zu benutzen“, sagt Gleffe. Denn auch die vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin eingerichteten 13 öffentlichen Sportbootliegestellen, wie am Kreuzberger Urbanhafen, dem Frauentog in Köpenick und am Spreeufer Höhe Schiffbauerdamm, wo Gastlieger bis zu 24 Stunden festmachen dürfen, werden nicht bewirtschaftet. Wasser und Strom? Fehlanzeige. Eine Müllentsorgung gibt es hier nicht. Die häufig prominent gelegenen Liegeplätze hätten sich als „nicht geeignet für die Aufstellung von Abfallbehältern“ erwiesen, heißt es von der für Wassertourismus zuständigen Senatsverwaltung für Wirtschaft. Stattdessen können Bootsfahrer ihre Müllbeutel direkt an den Berliner Schleusen los werden. Für die Beschilderung und Abtransport sorgt die BSR, während die Senatsverwaltung für Wirtschaft die Entsorgungskosten übernimmt, vorerst bis 2009.

Beim Proviant ist man in Berlin schon weiter. Supermärkte mit eigenem Bootssteg gibt es zum Beispiel an der Spree. In Oberschöneweide liegt ein Discounter am linken Spreeufer (km 29). Ein anderer direkt beim Wassersportzentrum in Friedrichshagen gelegener Großfilialist kann ebenfalls vom Wasser aus angesteuert werden. In Potsdam können am Tiefen See, kurz hinter der Stadtgrenze, Sportboote an 30 Meter Steglänge zum Bunkern von Lebensmitteln festmachen.

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