Auto : Weniger bremsen = Weniger tanken

Peugeot bringt den ersten Diesel-Hybrid der Welt: Warum dieser 3008 so etwas wie eine Spar-Sensation ist.

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Es kommt nicht häufig vor, dass ein neues Auto eine Zeitenwende markiert. Dieser Franzose schafft es – und das ist umso bemerkenswerter, als der zugrunde liegende 3008 als solches weder schön noch aufregend ist. Jetzt aber zieht eine Spezialausgabe dieser Familienschaukel Blicke aus aller Herren Länder auf sich: Der weltweit erste Diesel-Hybrid geht in Serie. Nicht von Audi, nicht von Mercedes und nicht von Toyota. Von Peugeot.

Ein Diesel-Hybrid? Klingt schon deswegen spannend, weil damit das Totschlag-Argument von uns Bessserwissern entfällt: Es gibt nun mal nichts Effizienteres als Selbstzünder! Damit haben wir jahrelang unsere Verachtung für Prius & Co. legitimiert. Im Kern hatten wir ja auch recht: Warum soll man Tausende mehr für die Kombi aus Benziner plus Elektro-Motor ausgeben, um am Ende bei einem Verbrauch zu landen, der sich auch mit einem simplen Diesel erreichen lässt?

Die Frage hat sich erledigt. Bei einer Probierfahrt in Frankfurt haben wir mit dem 3008 Hybrid tatsächlich weniger als viereinhalb Liter verbraucht. Für eine Stunde mit vielen Ampeln und einigem Stop-and-go ist dieser Wert sensationell. Hallo? Hier ist nicht von einem abgespeckten Kleinwagen die Rede, sondern von einem vollwertigen Van mit viel Platz, vernünftigem Komfort und reichlich Kraft.

Den bezieht der Peugeot aus zwei Motoren: An der Vorderachse sitzt ein großer Diesel mit 163 PS; an der Hinterachse ein kleiner Elektromotor mit 37 PS. Die beiden sind mechanisch nicht miteinander verbunden, nur elektronisch. Je nachdem, was der Bordcomputer für effizient hält, lässt er in einem Moment den Diesel allein arbeiten, in einem anderen den Elektromotor; im nächsten dann spannt er beide Aggregate zusammen.

Gewiss, man könnte sich stundenlang damit beschäftigen, welch komplizierten Gesetzen dieses Wechselspiel im einzelnen folgt. Muss man aber nicht. Entscheidend ist allein diese Spar-Regel: Weniger bremsen heißt weniger tanken. Woran liegt’s?

Die Reibung und die Wärme, die beim Abbremsen herkömmlicher Autos sinnlos verpufft, wird bei einem Hybriden wie dem 3008 aufgefangen und in Form elektrischer Energie der Batterie zugeführt. Die wiederum speist den Elektromotor. Und der entlastet den Diesel, der folglich weniger schluckt.

So logisch das klingt, so mühsam ist es, daraus einen geldwerten Vorteil zu ziehen. Jedenfalls für Ungeübte. Der Spareffekt ist nämlich beim langsamen Verzögern des Wagens am größten. Ruckartiges Bremsen dagegen bringt nichts. Der Fahrer muss lernen, vor einer Kolonne oder einer Ampel auszurollen, statt an sie heranzufahren. Dann füttert er die Batterie, erzeugt quasi den Strom für das zeitweilige Zuschalten des E-Motors.

Wer derart vorausschauend fährt, kann die wohlgenährte Batterie sogar anzapfen, um via Drehschalter rein elektrisch zu fahren – im seltenen Idealfall bis zu vier Kilometer weit. Dass neben diesem emissionsfreien auch ein verbrauchsintensiver Sport-Modus angeboten wird, erscheint eher kontraproduktiv. Sinnvoller ist da schon die die Option „4WD“: Sie offenbart gerade in glatten Tagen wie diesen einen schönen Kollateral-Nutzen der Zwei-Achsen-Zwei-Antriebe-Architektur: Diesel- und E-Motor arbeiten hier permanent im Team. Die Kraft wird über beide Achsen auf alle Viere übertragen.

Was steht unterm Strich? Aus technischer Sicht hat Peugeot einen dicken Meilenstein gesetzt. Über den wirtschaftlichen Erfolg indes sagt das wenig: Immerhin kostet der 3008 als Hybrid schlappe 4000 Euro mehr als der vergleichbare Diesel mit 163 PS. Dieses Geld über einen Minderverbrauch von rund 30 Prozent reinzuholen, dauert Jahre. Eine saubere Sache ist die Investition aber von Anfang an: Auf dieser Welt gibt es keinen anderen Familienvan, der nur 99 g CO2 emittiert.

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