Auto : Weniger ist mehr

Mercedes hat die Antriebe der E-Klasse erneuert

Durchblick: So sieht es unter der Haube des E 500 Blue Efficiency aus.
Durchblick: So sieht es unter der Haube des E 500 Blue Efficiency aus.

Man höre und staune: „Das ist unser Return auf die jüngsten Angebote aus Ingolstadt“, sagt Michael Krämer, Baureihenleiter bei Mercedes-Benz für die E- und S-Klasse. Vor wenigen Jahren noch wäre so ein Satz aus dem Munde eines Daimler-Managers völlig undenkbar gewesen. Doch tatsächlich hat Audi gerade erfolgreich die neue A6-Limousine eingeführt und die Kombiversion Avant brummelt auch schon in den Startlöchern. Höchste Zeit für Mercedes, auch seiner E-Klasse ein „First-Class-Upgrade“ zu gönnen.

Zu sehen ist davon erstmal nichts. Lediglich das Interieur bekam einen etwas edleren Schliff. Im Cockpit schaut der Fahrer nun auf ein TFT-Farbdisplay, das auch 3D-Grafiken darstellen kann. Alle Versionen mit dem neuen Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus schalten mit dem Direct- Select-Wählhebel an der Lenksäule. Alternativ geht’s auch mit Schaltwippen am Lenkrad, die ebenso zum Paket gehören. Seit Anfang des Monats bietet Mercedes außerdem erstmals das neue Multimediasystem Comand-Online mit Internetzugang, das im Stand wie während der Fahrt durch spezielle Apps und Service-Dienste einfach zu bedienen sein soll.

Die großen Änderungen fanden unterm Blech statt. Um weiterhin „die Spitze in der automobilen Business-Klasse zu markieren“, wie Forschungs- und Entwicklungschef Thomas Weber es formuliert, wurden Motoren und Antriebsstränge aus den höheren Modellversionen in die E-Klasse transplantiert. So fährt nun auch die E-Klasse mit den neuen V6- und V8-Benzinern, die 2010 in der S-Klasse und im CL debütierten, womit nun alle Benzin- und Dieselmotoren im image- und gewinnträchtigsten Modell der Marke über Direkteinspritzung verfügen.

Besonders effektives Beispiel dafür ist der E 350 BlueEfficiency, wo ein auf 306 PS erstarkter V6-Benziner – zumindest auf dem Rollenprüfstand – Verbrauchswerte erreicht, die 20 Prozent unter denen des Vorgängers liegen. Im Normschnitt gibt Mercedes 6,8 bis 7,0 Liter an, auf ersten Ausfahrten mit schnellen Landstraßen- und Autobahnabschnitten waren es gut zwei Liter mehr. Nach schwäbischer Lesart gehört die Limousine damit aber zum „verbrauchsgünstigsten Benzinmodell seiner Leistungsklasse“.

Das gleiche Etikett klebt nun auch auf dem E 500 Blue Efficiency, der statt eines Saugmotors nun erstmals mit Biturbo-Aufladung vorfährt. Trotz geringerem Hubraum von nur noch 4633 Kubikmeter (bisher 5461 ccm) entwickelt der Achtzylinder mehr Leistung (408 statt 388 PS) und Drehmoment (600 statt 530 Nm). Zugleich sank der Norm-Verbrauch um rund 17 Prozent von 10,8 auf 8,9 Liter.

Doch auch mit nur vier Zylindern gelingt der E-Klasse ein überzeugender Auftritt. Zumindest wenn sie so mühelos und souverän zu Werke gehen wie im E 250 Blue Efficiency. Dessen 204 PS werden ab Werk – wie auch in den stärkeren Modellversionen – vom exklusiven, schnell und unmerklich schaltenden Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus umgesetzt. Diese ist nicht nur sehr komfortabel zu bedienen, sie soll auch noch zu niedrigeren Verbräuchen beitragen. Ebenso wie das Stopp-Start-System, mit dem künftig auch alle Vierzylinder ab Werk ausgerüstet sind. Besonders effizient wirkt die Maßnahme bei den drei Vierzylinder-Dieselmotoren, die sich im Leistungsspektrum von 136 bis 204 PS bewegen und sowohl serienmäßig via 6-Gang-Getriebe oder mit optionalem 7G-Tronic-Automatik Norm-Fabelwerte um die fünf Liter realisieren. Als effizientesten Diesel seiner Klasse bezeichnet Mercedes hier den E 250 CDI mit 204 PS, der auf 100 Kilometer gerade mal zwischen 5,0 und 5,3 Liter des stetig teurer werdenden Sprits benötigen soll.

Unterm Strich stellt das E-Klasse-Motorenprogramm damit 16 Modellversionen, die weniger als 160 Gramm CO2 pro Kilometer in die Umwelt pusten, sechs unterbieten sogar die 140 Gramm-Grenze. Für Michael Krämer willkommener Anlass, seinem designierten grünen Landesvater ein Auto anzudienen. „Auch unser neuer Ministerpräsident sollte da einen passenden Dienstwagen finden.“ Andernfalls hätte Krämer auf seiner „grün alternativen Liste“ noch das Erdgasmodell E 200 NGT im Angebot. Oder Winfried Kretschmann geduldet sich noch bis 2012. Dann will Mercedes mit dem E300 Blutec auch in der E-Klasse den ersten Hybrid mit Benzin-Elektromotor bringen. wal

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