Auto : Wenn das mal gut geht

Toyota bringt einen Mini-SUV namens Urban Cruiser – und kann damit nicht überzeugen

Sven Jürisch
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Einzelkämpfer. Wer keinen Allrad braucht, muss den Benziner nehmen – und der erweist sich im Urban Cruiser als lustloser Geselle....

Nichts ist unmöglich. So tönte es zu Beginn der Neunziger von den Toyota-Affen in der Werbung. Seit die Japaner das erste Mal in ihrer Geschichte in diesem Quartal Verluste im operativen Geschäft einfahren, wissen wir, dass es eben doch Dinge gibt, die zwar unmöglich scheinen, aber nicht sind. Um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken, spielen die Japaner ihre Trumpfkarte als Weltunternehmen aus. Denn warum sollen Trends, die in den USA oder in Japan funktionieren, nicht auch bei den Europäern ankommen? Man sucht das Heil in der vermeintlichen Nische und präsentiert mit dem Urban Cruiser auf Basis des Kleinwagens Yaris einen Mini-SUV für die Stadt. Doch bei genauer Betrachtung ist der Kleinwagen mit einer Außenlänge von 3,93 Metern ein alter Hut. Es gibt ihn nämlich schon seit zwei Jahren als Scion in den USA.

Hierzulande soll der grundsätzlich viertürige Kompaktwagen vor allem dem trendigen Kia Soul und dem Suzuki SX4 das Leben schwer machen. Welchen Kundenkreis man bei Toyota genau anpeilt, bleibt angesichts der wenig aufregenden Designlösungen und dem gedeckten Farbprogramm eher im Dunkeln. So wirkt der Urban Cruiser mit seinem hohen Froschaugen-Bug und den abgeflachten Radläufen, die nur gegen Aufpreis über praxisnahe Kunstoffabdeckungen verfügen, eher bieder. Vorteil dieser Karosserie ist neben einem bequemen Einstieg auf alle vier Plätze eine befriedigende Übersicht, die den Verzicht auf die optionale und immerhin 740 Euro teure Einparkhilfe leicht macht. Im Innenraum setzt sich die biedere Linie des Äußeren fort. Genoppter schwarzgrauer Kunststoff dominiert das Bild. Das ist wegen der Noppen weder praktisch noch besonders hübsch – zumal die Konfektionierung für den europäischen Markt auch keine Aufhellung durch freundliche Polster oder gar Holzapplikationen zulässt. Dazu gesellen sich wenig hochwertig anmutende Deckel und Klappen für die zahlreichen Ablagemöglichkeiten im Innenraum.

Pfiffige Details, wie etwa ein in die Klimaanlage integriertes Handschuhfach oder aber ein Glaspanoramadach, sind ebenso wenig lieferbar wie eine Sitzheizung oder ein Tempomat. Lediglich eine AUX-Buchse in der Mittelkonsole soll in Verbindung mit dem serienmäßigen CD-Radio die Fahrfreude steigern.

Ein schlechtes Händchen hatte Toyota mit den Instrumenten. Das unübersichtliche und verschachtelte Kombiinstrument nervt mit seinen gegenläufigen Anzeigen für Geschwindigkeit und Motordrehzahl. Die viel zu klein geratene Schaltanzeige wird leicht übersehen – was das hakelige (ausschließlich lieferbare) Sechsgang-Getriebe nicht besser macht. Die leichtgängige Kupplung tritt sich wie ein flauer Gummiball. Dabei wäre gerade angesichts der wenig kraftvollen Motorisierung ein leichter Gangwechsel für flottes Forwärtskommen nötig.

Toyota liefert den Urban Cruiser in Deutschland schwerpunktmäßig mit dem aus dem Yaris bekannten 1,3 Liter Vierzylinder Vierventiler mit 100 PS und einem Drehmoment von 132 Nm aus. Die auf dem Weltmarkt lieferbaren stärkeren Spaßmotorisierungen sind für Europa nicht vorgesehen. So bleibt dem mit Frontantrieb und ESP versehenen Toyota wenigstens ein Mangel an Traktion erspart. Dies gilt naturgemäß auch für die gegen Aufpreis von 3 750 Euro lieferbare Allradversion namens „Trek“. Diese ist ausschließlich mit dem deutlich durchzugsstärkeren 1,4 Liter Diesel lieferbar, der es auf eine Leistung von 90 PS bringt. Der Trek bietet zwar keine geländefähige Bodenfreiheit, der sich automatisch zuschaltende Allrad ist aber ein Plus an Sicherheit. Wer den Mehrpreis hierfür scheut, muß mit dem lustlosen Benziner vorlieb nehmen. Einziger Trost dieser Motorisierung ist dabei der mit 5,5 Litern recht günstige Verbrauch, der nicht zuletzt aus der aufwendig konstruierten Start-Stopp-Anlage resultiert. Diese verfügt mit einer neu konstruierten Schwungscheiben-/Anlassereinheit über ein besonders schnelles und komfortables Ansprechverhalten beim Anlassen des Motors. Wem das Abschalten des Motors bei kurzen Stopps dennoch missfällt, der kann die Anlage per Knopfdruck deaktivieren.

16 950 Euro verlangt Toyota für den Basis Urban Cruiser; rund 20 000 Euro für die besser ausgestattete Version „Town“. Bei diesem Preisniveau darf bezweifelt werden, ob sich in der Nische der Mini- SUV ein Platz für die geplanten 2500 Fahrzeuge des Urban Cruisers findet.

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