Auto : Wer ahnt denn sowas?

Gut, Lexus kennt man inzwischen. Aber Infiniti? Mit der Hybrid-Limousine M 35h haben wir eine lohnende Bekanntschaft gemacht

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Hier fließt die Energie.
Hier fließt die Energie.

Vorsprung durch Technik? Richtig. Das ist der Werbespruch aus Ingolstadt. Jetzt kann die passende Limousine dazu bestellt werden. Das kommt allerdings nicht von Audi, sondern von Infiniti. Kennen Sie nicht? Infiniti ist die Edelmarke der Japaner, die in den USA mehr Autos verkauft als Audi. Hierzulande tut sie sich seit ihrem Start vor zwei Jahren jedoch schwer. Autos von Infiniti sind daher exklusiver als die von Maybach. Im doppelten Sinne sogar.

Dem neuen Infiniti M35h haben die Deutschen derzeit nichts entgegenzusetzen. Das h steht für Hybrid. Dieses Modell hat zwei Motoren unter der Haube, die es auf eine Systemleistung von 364 PS bringen (siehe Kasten). Damit ist der neue Vollhybrid M35h das stärkste und sparsamste Modell dieser Baureihe. Selbst der 238-PS-Sechszylinderdiesel, mit 7,5 Liter pro 100 Kilometer angegeben, verbraucht einen halben Liter mehr als der Hybrid. Und auf unserer Testfahrt hielt der M35h noch mehr Überraschungen bereit.

ÜBERRASCHUNG NR. 1

Der sehr dezente Auftritt. M35h am Heck und Hybrid am vorderen Kotflügel. Das war’s. Und innen muss man sich erst durch das Menü klicken, um die farbige Anzeige für den Kraftfluss der beiden Motore zu finden. Sonst ist alles wie beim normalen Infititi. Gediegene Materialien, serienmäßig weiches Leder und sorgfältige Verarbeitung, die der deutscher Premiumhersteller in jeder Hinsicht entspricht. Dazu Sessel, die zwar etwas größer sein könnten, aber jede Lounge schmücken würden. Teilweise finden sich sogar Extravaganzen im Innenraum wie die mit Silberstaub bedampften Hölzer der japanischen Weißesche. Angesichts der Größe erwartet man jedoch mehr Platz. Immerhin reisen vier Personen sehr kommod, zumal der Geräuschkomfort überdurchschnittlich gut ist.

ÜBERRASCHUNG NR. 2

Trotz aller Sportlichkeit ist der hinterradgetriebene Hybrid kein Flicken-Mitteiler. Die dezente Note setzt sich beim Fahren fort, denn die Federung arbeitet fürsorglich. Wie es sich für diese Klasse eben gehört. Nur Kanaldeckel mag sie nicht. Teilweise haben die Japaner großen Aufwand betrieben, um das Fünf-Meter-Schiff handlich zu machen. So bei der Lenkung, die elektro-hydraulisch arbeitet und mit natürlicher Rückmeldung gefällt. Die elektrische Pumpe erzeugt den Hydraulikdruck nur dann, wenn wirklich gelenkt wird. Das spart Sprit.

ÜBERRASCHUNG NR. 3

Vom ständigen Antriebswechsel bekommen die Passagiere fast nichts mit. Sie müssen schon sehr genau hinhören, um herausfiltern, wann sich der etwas rau laufende V6-Benziner in den Vortrieb einklinkt.

ÜBERRASCHUNG NR. 4

Hybridfahren will gelernt sein: Um die Spartalente des 364-PS-Antriebs voll zu Tage zu fördern, bedarf es eines sehr sensiblen Gasfußes. Zuweilen entscheiden wenige Millimeter Pedalweg, ob man (bis zwei Kilometer) rein elektrisch fährt, oder ob sich der Verbrenner gleich zuschaltet. Das funktioniert bis Tempo 100. Segeln nennen das die Entwickler, wenn der M35h erstaunlich leicht und weit emissionsfrei gleitet und so Sprit spart. Dabei hilft auch ein aktives Gaspedal, das im zuschaltbaren Eco-Modus einen sanften Gegendruck entwickelt, damit der Fahrer weiß: Gebe ich jetzt mehr Gas, fließt mehr Sprit durch die sechs Einspritzdüsen. In der Regel kann man gut ein Drittel der Fahrtstrecke ohne Verbrenner segeln. Ein Zustand, der bald seinen eigenen Reiz entfaltet.

ÜBERRASCHUNG NR. 5

Der leer 1,8 Tonnen schwere Brocken ist nicht nur auf dem Papier sehr sparsam. Auch im echten Leben. Wir kamen bei unserer Testfahrt inklusive einer kurzen flotten Autobahnetappe auf einen Schnitt von 7,8 Litern Super. Wer es extrem sparen will, schafft auch weniger.

ÜBERRASCHUNG NR. 6

ünfte Überraschung: Der M35h nippt nicht nur wie ein Spatz, er fliegt auch wie ein Adler. Das stellte sogar Sebastian Vettel bei einer Fahrt mit diesem Infiniti-Hybriden fest. Klar, wenn beide Motoren die Gummis auf der Hinterachse malträtieren, dann geht die große Limousine ab wie ein Sportwagen. Mit nur 5,5 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 lässt sie sogar den 16 PS stärkeren Porsche Panamera stehen – und ist derzeit sprintstärkster Hybrid der Welt.

ÜBERRASCHUNG NR. 7

Nicht immer trifft man gleich den richtigen Ton. Als weltweit erster Hybrid ist der Infiniti serienmäßig mit einem akustischen Fußgängerwarnsystem ausgestattet, das beim Losfahren im E-Betrieb automatisch aktiviert und über Tempo 30 selbsttätig abgeschaltet wird. Der künstlich erzeugte Ton, der aus einem in den Frontstoßfänger integrierten Lautsprecher kommt, klingt bei reger Phantasie wie ein lauter oder leiser werdender Surrton. Beim Rückwärtsfahren erinnert der Sound allerdings an das Pfiepen eines Müllautos.

ÜBERRASCHUNG NR. 8

Der zusätzliche Akkupack raubt Platz. So schrumpft die Lithium-Ionen-Batterie den Kofferraum um 150 auf nun 350 Liter. Das ist so viel, wie ein VW Golf zu bieten hat. Überdies lässt sich die Fondlehne nicht umklappen. Doch für’s kleine Reisegepäck reicht es.

ÜBERRASCHUNG NR. 9

Ein Vollhybrid muss nicht überteuert sein. Audi A6 Hybrid und BMW Fünfer Hybrid starten erst 2012. Aufpreise sind noch geheim, aber sicher saftig. So verlangt Audi für den neuen Q3 Hybrid satte 10 000 Euro mehr als für den Benziner. Oder wie das Beispiel Porsche Panamera zeigt. Die gegenüber dem Infiniti um zwei Zentimeter längere und in gewisser Weise sogar vergleichbare Limousine bringt es mit einem 333-PS-V6-Benziner und einem 47 PS-E-Motor auf eine Systemleistung von 380 PS. Porsche verlangt bei einem Preis von 106 000 Euro einen Hybrid-Aufschlag von 22 000 Euro auf den Sechszylinder und von 8000 Euro auf den Achtzylinder-Benziner. Die Japaner wollen für ihren Vollhybriden mit guter GT-Ausstattung 56 600 Euro. Das sind nur 3100 Euro mehr gegenüber dem Sechszylinder-Benziner und lediglich 1500 Euro mehr als beim 238 PS starken V6-Diesel. Und Hybrid-Fahrer müssen keine Furcht haben: Infiniti gibt, wie gewohnt, drei Jahre Garantie auf das Auto und dazu fünf Jahre auf den kompletten Hybridantrieb, inklusive Lithium-Ionen-Batterie.

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