Auto : Wer hier punktet, hat verloren Wie funktioniert die Verkehrssünderkartei?

Katrin Stabenow

Die Behörde hat das Image der Stadt im Norden nicht gerade verbessert: Die meisten Deutschen verknüpfen den Namen Flensburg wohl mit der dort geführten Verkehrssünderkartei. Penibel werden hier die Verkehrssünden der Bundesbürger registriert. „Derzeit gibt es 8,63 Millionen Eintragungen. 6,82 Millionen über Männer und rund 1,8 Millionen über Frauen“, berichtet Amtssprecher Stephan Immen. Der Flensburger Durchschnittssünder ist knapp 41 Jahre alt, männlich und hat zwischen einem und sieben Punkte.

Je nach Schwere des Verstoßes variieren die Sanktionen: Für rechtskräftige Ordnungswidrigkeiten, ab einer Ahndung mit einem Bußgeld von 40 Euro, erhält der Fahrer Punkte. Einen Punkt gibt es beispielsweise fürs Telefonieren während der Fahrt. Ordnungswidrigkeiten werden mit maximal vier Punkten bestraft. Straftaten dagegen werden mit fünf bis sieben Punkten bewertet. Dazu zählen unter anderem unterlassene Hilfeleistung (fünf Punkte) und Fahrerflucht (sieben Punkte). Die für Ordnungswidrigkeiten erhaltenen Eintragungen werden nach zwei Jahren gelöscht. Manche Straftaten werden allerdings erst nach fünf Jahren, die Punkte für Führerscheinentzug oder Alkoholdelikte erst nach zehn Jahren getilgt.

Gelöscht wird allerdings nur, wenn man sich in der Zwischenzeit keine anderen Verkehrsverstöße zuschulden kommen lässt. Ansonsten werden die Eintragungen summiert. Erreicht ein Fahrer auf diese Weise 18 Punkte, so wird ihm automatisch die Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate entzogen, da er mit einer derartig hohen Punktzahl als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen im Straßenverkehr gilt. Allerdings geschieht das nicht ohne Ankündigung. Denn bereits ab acht Punkten wird man von der Führerscheinbehörde schriftlich ver- und somit auch gewarnt.

Und man kann mit einem Aufbauseminar etwas gegen sein Punktekonto unternehmen: Bei einem Punktestand von bis zu acht Punkten kann ein freiwillig besuchtes Seminar vier Punkte wettmachen. Bis einschließlich 13 Punkten sind durch den Besuch des Aufbaukurses noch 2 Punkte wegzuputzen. Ab 14 Zählern wird der Besuch des Kurses Pflicht. Jetzt kann nur noch die freiwillige Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung den Punktestand um zwei Zähler senken. Solche Entlastungen haben allerdings ihre Grenzen: Die Punkte können nur einmal in fünf Jahren abgebaut werden.

Übrigens: Wer sich nicht sicher ist, ob oder wie viele Strafpunkte er bereits gesammelt hat, kann die Anzahl persönlich oder per Post beim Kraftfahrt-Bundesamt erfragen. Der Anfrage muss eine Kopie des Personalausweises oder Passes mit Vor- und Rückseite beiliegen. Einen entsprechenden Vordruck gibt es im Internet (www.kba.de) unter dem Stichwort „Formulare“. Katrin Stabenow

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