Auto : „Wer vom Weg abkommt, braucht keinen Arzt mehr“

DIE SPANNENDSTE AUTO-TOUR 2011 Mit dem Landrover Defender querfeldein durch Bolivien.

Theresa Juranek

Die von ihnen gebuchte Reise ist eine Abenteuerveranstaltung mit erheblichen Anforderungen an Mensch und Material. Es kann zu extremen Belastungen bei Fahrten in schwierigem Gelände kommen. Sand, Staub und hohe Luftfeuchtigkeit wirken im Reiseland auf Sie und ihre persönliche Ausrüstung ein."

Spätestens nach dieser von mir zu unterschreibenden Warnung in den Reiseunterlagen ist klar, dass die kommenden Tage kein Zuckerschlecken werden. Weiter hinten wird hinzugefügt: Luxuriöse Hotels, Sterneküche und Erholungsphasen sind nicht zu erwarten, dafür phantastische Landschaften, neue Eindrücke und lange Fahrten durchs Gelände. Klingt super. Bolivien, ich komme!

Drei Tage später ist es soweit: Start der Land Rover Experience Tour 2011. Seit dem Jahr 2000 durchquerten mehr oder weniger verwegene Tourteilnehmer bereits spannende Länder wie Jordanien, Island, Namibia und Malaysia. Und nun also Bolivien: Von Cochabamba in den östlichen Anden geht es 1800 Kilometer quer durchs Land – im wahrsten Sinn des Wortes. Asphaltierte Straßen bekommen die Räder der Landrover Defender während der zweiwöchigen Reise nicht zu Gesicht.

Am Abend vor der Abfahrt stimmt Dag Rogge, Urvater der Experience Tour, die Teilnehmer auf das Abenteuer ein: „Die Ambulanz (ein zu einer modernen Krankenstation umgebauter Discovery) benötigen wir dieses Jahr eigentlich nicht. Wer von der Straße abkommt, der braucht keinen Arzt mehr.“ Am nächsten Tag wird klar, was er meint: Bolivien fordert vor allem Konzentration und Durchhaltevermögen mit 13 bis 14 Stunden Fahrzeit pro Tag auf staubigen Gebirgsstraßen, den Abgrund als ständigen Begleiter. Wer nicht aufpasst, landet nicht etwa im Graben, sondern fünfhundert Meter tiefer.

Am Ende des ersten Tages sind Auto und Insassen gleichermaßen von einer graubraunen Schicht überzogen. Der Staub liegt millimeterdick auf Haut und Haaren, färbt Gesicht und Unterarme braun, überzieht Sitze, Armaturentafel und Fenster, hüllt das Gepäck in eine graue Decke. Vom glitzernden Funkeln des Vortags, als der Defender frisch geputzt im gleißenden Sonnenlicht badete, kann keine Rede mehr sein. Dafür sieht er dreckbedeckt, mit Reserverad und Benzinkanister auf dem Dach nun so richtig nach Abenteuer aus.

Am zweiten Tag verabschieden wir unsere Hauptsicherung mit Hilfe eines in den Zigarettenanzünder gestöpselten Spannungswandlers in die ewigen Jagdgründe und mit ihr Licht, Scheibenwischer, Wischwasser und Rundinstrumente. Die in unserem Defender eingebauten elektrischen Fensterheber werden zum Verhängnis: Zum Zeitpunkt des Ausfalls waren die Fenster offen – und das bleiben sie dann auch für den Rest der Tour. Gegen den eisigen Wind, der auf 5145 Meter vom Gletscher her durch die Fenster pfeift, hilft eine Schicht aus allen Jacken und Mützen, die sich im Gepäck befinden.

Der Defender indes lässt sich von derartigen Kleinigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Unbeirrt drängt er vorwärts und rumpelt munter über Stock und Stein. Man merkt ihm an, dass er sich fern der Straßen daheim fühlt. 49 Grad Böschungswinkel vorn, eine Steigfähigkeit von 45 Grad und 50 Zentimeter Wattiefe machen ihn zum idealen Geländebegleiter. Der 2,4-Liter-Turbodiesel mit 122 PS/90 kW büßt zwar in der extremen Höhe ein bisschen an Leistung ein, treibt den robusten Landrover aber ansonsten kraftvoll voran.

Vom Geländefieber angesteckt? Der von uns gefahrene Defender ist seit der Frankfurter IAA als limitiertes Sondermodell „Bolivien“ für 35 200 Euro auf dem Markt. Wer selbst zum Abenteurer werden will, kann eine Experience-Reise buchen - Zielorte sind die Schauplätze der vergangenen Touren. Theresa Juranek

Die Land Rover Experience wurde 2000 ins Leben gerufen, kurz nachdem die bis dahin veranstaltete Camel Trophy eingestellt worden war. Beiden Veranstaltungen gemein sind die Allradautos und die Abenteuerlust der Teilnehmer. Mehr Infos unter www.landrover-experience.de

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