Wettbewerb : Fiat 500 gegen Renault Twingo: Der eine trage des anderen Lust

Schade um den Twingo: Renault hat es geschafft, aus dem Original einen gesichtslosen Kleinwagen zu machen. Fiat bedankt sich schon mal: Der 500 hat was!

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Der neue Renault Twingo bietet keine großen Überraschungen.Foto: Renault

Was zum Teufel hat die Franzosen da bloß geritten? Vierzehn Jahre lang haben sie sich am Kultfaktor des Twingo gelabt, den unglaublichen Erfolg des Modells ausgekostet bis zum Gehtnichtmehr. In einer Zeitspanne, in der drei Generationen Polo auf den Markt gekommen sind, beließ man es beim Twingo bei Retuschen. 2,4 Millionen Mal hat er sich weltweit verkauft, doch zuletzt litten viele Käufer unter dem Fluch der guten Tat: Mehr als eine Ewigkeit haben die Fans auf einen Nachfolger gewartet! Haben einen Lupo überlebt, den Agila Agila und den Ka Ka sein lassen und das grandiose Remake des Mini mit den großen Kulleraugen des Twingo verfolgt. Renault also hätte allen Grund, den Geduldigen die Füße zu küssen; sie mit einem Nachfolger zu belohnen, der es in sich hat, der Charme auf die Straße bringt und Persönlichkeit. Aber leider: Renault hat in diesem Punkte versagt. Der Nachfolger ist da, ein technisch gutes, ein sehr gutes Auto. Aber ein gesichtsloses. So einerlei, so freudlos, dass man sich lieber noch einmal nach dem Alten umdreht. Erinnern Sie sich?

Es war der Spruch für den Ur-Twingo: "Der macht die Welt verrückt“. Oh ja, es war tatsächlich ein bisschen verrückt, was da 1993 auf den Markt rollte und selbst den automobilen Sport-Blättern Titelstorys wert war. Ein kleines, günstiges Auto. Quadratisch. Praktisch. Mut. Die Designer hatten es geschafft, einem Karton nicht nur Räder, sondern auch Sexappeal anzuzeichnen. Im Nu wurde der Twingo zum unspießigen Sympathieträger, geherzt und geadelt mit neu erfundenen Etiketten wie Monobox und Microvan. Neben der Kuscheloptik betörte ein Innenraum, der es mit Platz und noch mehr Platz schaffte, den Käufern das Gefühl zu vermitteln, ein Riesengeschäft gemacht zu haben. Heute mag man es kaum glauben – damals war die verschiebbare Rückbank eine Sensation. Längst sehen wir in Digitalanzeigen stillose Fisimatenten – damals war der mittig sitzende Tacho mit den gewaltigen Leuchtziffern exorbitant. Der Twingo war halt anders als die anderen; emotional seiner Zeit derartig weit voraus, dass die Kunden über die Schwächen des Mobils fröhlich hinweg sahen: Ein mauer, lauter Motor; kein ESP, eine Lenkung so zäh wie im Brummi und das Ganze auf schlechten Sitzen.

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Stylish, modern, trendy: Viele Attribute passen auf den Fiat 500.Foto: Fiat



Mit alledem nervt der Neue nicht, wenn er im September in die Läden kommt: Renaults Kleinster ist jetzt erwachsen. Er fährt sich fast wie eine geschrumpfte Mittelklasse. Man sitzt bequem. Nichts rappelt. Die Federung ist ausgezeichnet, die Servolenkung leichtgängig. Ins Innere dringt kaum ein Laut von Wind und Motor. Für Fahrten über die Stadtgrenze hinaus ist das ein Segen – zumal es nun einen Diesel gibt (Technisches im Text unten). Das Sicherheitspaket ginge in Ordnung, wäre da nicht ein peinlicher Fauxpas: ESP gibt es erst 2008. Für das Interieur gibt es Spielereien, die man nett finden kann, aber nicht muss. Eine Noppenmatte bringt Krimskrams auf der Armaturentafel zur Ruhe; in den Cupholder passt ein Becher mit Schminkzeug und Spiegel. Wirklich originell oder ähnlich überraschend wie im Ur-Twingo ist der Innenraum nicht.

Schade – wie ein großer Wurf aussieht, zeigt allein Fiat. Der neue 500 beweist, dass ein Kleinwagen für um die 10 000 Euro nicht nach Allerwelt ausschauen muss. Die Wiederauflage der Legende ist eine Wucht – und sie wird dem Twingo das Wasser bei all jenen abgraben, die trotz kleinklein aus der Masse herausragen wollen. Technisch ist der 500 nicht schlechter als der Twingo; er bietet weniger Platz. Aber anders als der Franzose hat der Italiener Gesicht. Er ist stylish, bietet zudem dank hunderter Farb-, Stoff- und Technikkombinationen eine reelle Chance, ein Unikat zu fahren. Fiats Winzmobil gibt nicht nur vor, modern zu sein. Er ist es. Handliches Beispiel dafür ist das mobile Navi mit integrierter Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Das Gerät steckt auf einem perfekt integrierten Kugelgelenk im Cockpit. Ist man am Ziel, nimmt man es mit. So einfach, so trendy.

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