• Wie alles mit allem zusammenhängt: Auto und Umwelt - zählt da nur der Verbrauch?

Wie alles mit allem zusammenhängt : Auto und Umwelt - zählt da nur der Verbrauch?

Nein, sagt VW und zeigt eine spannende Ausstellung.

Ingo von Dahlern

Individuelle Mobilität ist in unserer Gesellschaft ein unverzichtbares Gut – aber sie hat auch ihren Preis. Denn Produktion, Verteilung, Betrieb und Entsorgung der Autos verbrauchen gewaltige Mengen an Rohstoffen, Wasser und Energie. Auch erzeugen sie Schadstoffe unterschiedlichster Art, die ebenso wie der Verkehrslärm nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit beeinträchtigen – nicht zuletzt auch durch viele Verkehrsunfälle. Der Bau von Verkehrswegen geht zudem einher mit einem immensen „Landschaftsverbrauch“. All das nimmt nicht nur die Autofahrer selbst, sondern auch die Hersteller der Autos in die Pflicht – in die Pflicht, diesen vielfältigen Belastungen auf allen Ebenen entgegenzuwirken.

Und da reicht es längst nicht mehr, sich bei der Umweltverträglichkeit von Autos allein auf niedrige Verbrauchs- und Emissionswerte bei Abgasen, Lärm und Staub zu konzentrieren. Denn was hinten aus dem Auspuff kommt, ist zwar ein wichtiges Thema, aber letztlich nur ein Teilaspekt eines viel größeren Problems. Das bedeutet: Es gilt, die Belastungen zu reduzieren, die die individuelle Mobilität auf allen Ebenen mit sich bringt – vom ersten Entwurf eines Autos bis hin zu dessen Entsorgung. Neudeutsch spricht man vom „LifeCycle“ des Autos.

Einen Eindruck davon, was das konkret bedeutet, wie hier vorgegangen wird, welche Methoden in Gegenwart und Zukunft angewendet werden und mit welchen Maßnahmen Mobilität auch für die Zukunft gesichert werden kann, zeigt die gerade im Automobil Forum Unter den Linden 21 eröffnete Ausstellung „Automotive LifeCycle – Der Lebenszyklus des Automobils“. Bis zum 29. Juni ist hier zu sehen, was Volkswagen als größter deutscher Autohersteller unter Verantwortung bei Forschung und Entwicklung, Produktion, Nutzung und Entsorgung des Autos versteht.

Beginnen wir mit dem Ende. Da stehen sechs mit Material gefüllte Quader und dazu erfährt man: „Das war einmal ein Golf V“. Den EU-Vorgaben, mindestens 95 Prozent der ursprünglich 1389 Kilo Auto zu recyceln, kommt VW inzwischen so nach, dass inzwischen auch viele der früher nicht verwertbaren Reststoffe einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden können. Denn neben 24 Kilo Buntmetallen, 140 Kilo Leichtmetallen und 840 Kilo Eisenmetallen ergibt der nach dem Ausbau von Batterie, Katalysator, Airbag-Pyrotechnik und Rädern total geschredderte Wagen drei Fraktionen brauchbares Material: 81 kg Schreddergranulat (die als Oxidationsmittel in Hochöfen eingesetzt werden), 76 kg Schredderflusen (die sich zur Entwässerung von Klärschlamm eignen) und 62 kg Schreddersand (die als Grundstoff im Baugewerbe eingesetzt werden). Was bis vor kurzem noch als Deponiemüll die Umwelt belastete, hat plötzlich einen ganz neuen Wert bekommen.

Wichtig bei solchen Betrachtungen ist dabei immer wieder die komplette Umweltbilanz. Natürlich klingt es auf den ersten Blick unsinnig, wenn beim Pressen von Karosserieblechen durch sogenanntes Formhärten bei 950 Grad besonders stabile Bleche entstehen, die es erlauben, bei einer Passat-Karosserie 20 Kilo zu sparen. Aber rechnet man dann einmal um, wie viel Sprit diese 20 Kilo während der Lebensdauer des Autos über 150 000 km sparen helfen, wird aus dem Ganzen plötzlich eine positive Bilanz.

Die ergibt sich mit Blick auf die jüngste Biosprit-Debatte auch für manch künftigen Biokraftstoff. Denn neben Ausgangssubstanzen, die bei der ersten Generation von Biokraftstoffen in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen, setzt die zweite Generation auf Stroh, Holzreste und diverse Abfälle, bei denen diese Konkurrenz nicht mehr besteht. Und die so erzeugten synthetischen Kraftstoffe wiederum bieten ideale Voraussetzungen für eine neue Motorengeneration, die die guten Eigenschaften von Otto und Diesel vereinen – bei VW unter dem Kürzel CCS (Combined Combustion System) und bei Mercedes als „DiesOtto“ .

Diese und viele weitere Themen werden in der Ausstellung im Automobilforum aufgearbeitet; Multimedia-Präsentationen und interaktive Angebote helfen dabei, verblüffende Zusammenhänge zu erkennen. Die Lern- und Unterhaltungsschau wurde im vergangenen Monat zum ersten Mal auf der Hannover-Messe gezeigt und bietet so manchen Aha-Effekt. Ähnlich wie in den Erlebnisbereichen der Technikmuseen werden vor allem jüngere Besucher an die aktuellen Mobilitätsprobleme herangeführt: Sachlich, populär, aber nicht populistisch, wie es die geübten Vereinfacher in der Politik allzu oft tun – siehe Biosprit.

Wer diese Ausstellung besucht, sollte sich dafür Zeit nehmen. Denn die Fülle der gebotenen Information ist beeindruckend. Wer am Sonnabend von 14 bis 17 Uhr zu LifeCycle geht, hat zudem die Chance, beim regelmäßigen Umweltquiz attraktive Preise zu gewinnen. Und wer ein paar Mal auf dem Spritspar-Trainer Eco-Driving geübt hat, wird schon auf dem Heimweg seinen Gasfuß so einsetzen, dass er zehn oder mehr Prozent Sprit einspart.

„Automotive LifeCycle“ im Automobil-Forum Unter den Linden, Eintritt frei, bis 29.Juni jeweils Montag bis Freitag 9 bis 20 Uhr, Wochenende/Feiertage 10 bis 18 Uhr. Mehr Informationen gibt’s im Internet unter Automobil Forum Unter den Linden.

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