Winterfest : Fraktion Traktion

Antrieb über alle Räder? Das ist kein Privileg der Premiums mehr. Ein Blick in die unteren Preisklassen.

Thomas Geiger

Im Sommer wird gern auf ihnen herumgehackt: Zu schwer, zu durstig und schlichtweg überflüssig, so lautet dann die gängige Kritik an Geländewagen. Aber sobald die ersten Schneeflocken fallen, sieht die Sache anders aus. Dann mischt sich Neid in die Nörgelei, weil die Geländegänger mit ihrem Allradantrieb einen Traktionsvorteil haben. Und dieser Vorteil muss gar nicht mal teuer bezahlt werden: Inzwischen gibt es auch für wenig Geld viel Grip zu kaufen.
„Allrad ist heute längst kein Privileg der Premium-Autos mehr“, sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Interessenten müssen dafür aber den Blick etwas weiten – und nach Marken schauen, die sonst nicht unbedingt an erster Stelle stehen. „Nimmt man die kleinsten Allrad-Offroader und die 4x4-Pkws bis zur Kompaktklasse, sind die Bestseller echte Überraschungskandidaten“, so Margetts. Gemeint sind Modelle wie der Suzuki Jimny oder der Lada Niva, von denen in Deutschland im Jahr 2009 bis Ende August 5000 beziehungsweise 3000 Exemplare verkauft worden sind.

Günstigster Geländewagen ist der Lada Niva, den die aktuelle Preisliste des Marktbeobachters Schwacke in Maintal ab 10 990 Euro führt. Wem der rustikale Russe zu antiquiert ist, der muss für andere Offroader schon deutlich tiefer in die Tasche greifen: Der vergleichsweise kleine Suzuki Jimny kostet 14 600 Euro, die Zwillingsmodelle Suzuki SX4 und Fiat Sedici stehen in der 4x4-Version mit jeweils rund 18 000 Euro in der Liste. Wer mit dem Daihatsu Terios und Allradantrieb fahren will, muss mindestens 21 490 Euro anlegen. Ein Skoda Yeti kostet als 4x4 rund 23 600 Euro, für knapp 1000 Euro mehr gibt es einen Kia Sportage.

Aber: Es muss gar kein Geländewagen sein, um sicher durch den Winter zu kommen. Ein Fiat Panda kostet mit Allradantrieb 12 870 Euro, der Daihatsu Sirion 13 990 Euro. Den Suzuki Swift gibt es für 15 700 Euro, ein Daihatsu Materia steht als Allradler mit 17 990 Euro in der Liste. Auch größere Autos gibt es für vergleichsweise kleines Geld – Beispiele sind die Modelle Impreza (ab 17 890 Euro) und Forester (24 600 Euro) von Subaru.   

Von den deutschen Volumenherstellern ist nur VW beim Allradantrieb in diesen Preisregionen zu finden. Hier gibt es Golf-Varianten und den Caddy mit „4Motion“; die Preise beginnen mit 26 790 Euro deutlich unter denen der Geländewagen Tiguan oder Touareg. Ford oder Opel dagegen haben in der Kompaktklasse kein Allradmodell im Programm oder in Planung.

Bei den etwas vornehmeren Herstellern ist Allrad in kleineren Autos meist nur eine PS-Frage. Nick Margetts verweist etwa auf den sportlichen Audi S3 mit 195 kW/265 PS: „Solche Autos haben so viel Kraft, dass sie die lieber über vier Räder auf die Straße verteilen.“ Grundsätzlich hätten Allradler in dieser Klasse allerdings wenig zu suchen, sagt Margetts – „es sei denn, die Umgebung des Eigentümers ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch heimtückisch bergig.“ So wie in der Schweiz: Dort würden zwar fast 20 Mal weniger Autos verkauft als in Deutschland, doch in Hinblick auf die kleinen Allradler liege das Zahlen-Verhältnis bei 1:2. „Wer in den Bergen lebt und den Winter kennt, der bestellt also oft auch seinen Kleinwagen als Kraxler.“   

Weil der Markt klein ist, hält sich die Zahl der Neuheiten in Grenzen, sagt Margetts: „Das Segment ist in den letzten drei Jahren fast langweilig konstant geworden.“ Möglicherweise geht es aber bald wieder deutlich lebhafter zu: „Denn in den Zulassungen für 2009 stecken bereits die ersten 14 Prototypen des Mini Crossover aus dem BMW-Konzern. Spätestens wenn der in Serie geht, wird Allrad in dieser Klasse ordentlich hip.“ dpa

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