Winterfrust : Wenigstens drinnen ist’s warm

Mit Einsetzen des ersten Frosts kennen insbesondere Laternenparker den kalten Krieg an der Eisfront. Standheizungen und Latentwärmespeicher helfen, den Winterfrust zu vergessen.

Sven Jürisch
171526_3_071103_schnee_ddp.JPG
Kuschelig ist anders. Aber es gibt diverse Möglichkeiten, zumindest den Innenraum zu erwärmen. -

Jetzt haben Sie wieder Hochkonjunktur: Türschlossenteiser, Eiskratzer und Antibeschlagtuch. Die morgendliche Prozedur zur Enteisung des PKW ist zeitaufwändig und unangenehm. Dazu kommt, dass das Warmlaufenlassen des Motors zur Vermeidung beschlagener Scheiben in höchstem Maße schädlich für Mensch, Umwelt und Maschine ist; Abhilfe ist also dringend gesucht. Da aber das Auswandern für die meisten genauso wenig in Frage kommt, wie das Anmieten einer Garage in der Großstadt, müssen praktikable Lösungen her.

STANDHEIZUNG

Standheizungen sind bereits seit Jahrzehnten ein probates Mittel. Meist nachträglich verbaut, sorgen die kraftstoffbetriebenen Zuheizer für wohliges Klima bereits beim Einsteigen. Gesteuert werden die Geräte entweder über eine Zeitschaltuhr im Wagen oder mit Hilfe einer Fernsteuerung. War diese früher in Ihrer Reichweite beschränkt, so bieten die meisten Hersteller mittlerweile Lösungen an, die sogar mit dem Handy gesteuert werden können. Der Zuheizer wärmt dann das Kühlwasser auf etwa 80 Grad vor. Eine Umwälzpumpe pumpt es durch den Heizungskreislauf des PKW. Gleichzeitig wird das Lüftungsgebläse gestartet und pustet die Scheiben frei.

Angenehmer Nebeneffekt: Der Motor ist ebenfalls schon vorgewärmt, startet somit leichter und verbraucht dank Umgehung der Kaltlaufphase deutlich weniger Benzin. Aber eine Standheizung hat auch Nachteile. Zwar kommen moderne Aggregate meist ohne eine zweite Batterie aus, jedoch sollte die Fahrzeugbatterie stets gut geladen sein. Fällt nämlich die Spannung aufgrund vieler Kurzstreckenfahrten mit zahlreichen Verbrauchern (Heckscheibenheizung, Sitzheizung) unter einen bestimmten Schwellenwert, so springt die Zusatzheizung gar nicht erst an oder geht nach dem Start gleich wieder aus.

Die Nachteile älterer Standheizungen wie hohe Geräuschentwicklung und üppiger Kraftstoffverbrauch sind heute weitestgehend ausgeräumt. Bleibt der hohe Preis, der viele abschreckt. So kostet die Nachrüstung einer einfachen Anlage bei einem VW Golf rund 1500 Euro. Günstiger wird es bisweilen bei einigen Dieselfahrzeugen, die bereits werksseitig einen Zusatzheizer als Unterstützung für die PKW-Heizung an Bord haben. Bei diesen Fahrzeugen fehlt es dann lediglich an der entsprechenden Steuerelektronik, was eine Aufrüstung zur vollwertigen Standheizung vereinfacht.

LATENTWÄRMESPEICHER

Eine einfachere Möglichkeit zur komfortablen Wärmeerzeugung bietet der Latentwärmespeicher. Sein Herzstück ist ein hochisoliertes Salz-Granulat. Eingebaut wird der Wärmespeicher zum Beispiel im Fußraum auf der Beifahrerseite oder auch im Motorraum. Die Funktionsweise des Wärmespeichers ist einfach: Er wird bei betriebswarmem Motor in den Kühlkreislauf eingekoppelt. Dabei strömt das heiße Kühlwasser durch den Speicher. Das Salzgranulat nimmt die Wärme auf, wird flüssig und speichert sie. Selbst bei minus 20 Grad Außentemperatur kann der Wärmespeicher eine Temperatur von 75 Grad Celsius bis zu 48 Stunden halten. Eine elektrische Kühlmittelpumpe sorgt dabei für die notwendige Umwälzung. Der Latentwärmespeicher ist mit 500 bis 800 Euro deutlich günstiger als eine Standheizung. Problematisch wird diese Art des Zuheizers jedoch bei einem technischen Defekt. Im Falle einer Undichtigkeit können alle Aluminium-Teile des Motors (unterschiedlich je nach Modell) beschädigt werden. Dabei ist ein eventueller Defekt des Wärmespeichers von außen nicht sichtbar und kündigt sich auch nicht an.

ELEKTRISCHER VORWÄRMER

Eine dritte Lösung greift auf die Funktionsweise des Tauchsieders zurück. In einen Froststopfen (bei jedem PKW vorhanden) des Motors wird ein elektrisch beheizter Wendeldraht eingesetzt. Mit 220 Volt versorgt und durch eine Zeitschaltuhr gesteuert, erwärmt er das Kühlwasser. Eine Umwälzpumpe und eine separate Ansteuerung des Gebläses sorgen für Zirkulation im Innenraum. Da sich der Stromverbrauch für einmal Aufwärmen auf etwa 2,2 Kilowattstunden, entsprechend etwa 50 Cent, beläuft und sich auch die Anschaffung mit 400 Euro im Rahmen hält, ist diese Lösung für Grundstücksbesitzer eine Alternative zur Standheizung.

Checkliste des Automobilclubs von Deutschland für die kalte Jahreszeit („Winter“ in die Suche eingeben)

Mehr Infos unter: www.avd.de

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben