• Winterreifen, die EU und ihre Sicherheit: Mit neuem Label erst recht verwirrend

Winterreifen, die EU und ihre Sicherheit : Mit neuem Label erst recht verwirrend

Ein neues Label, das die EU verordnet hat, soll für mehr Klarheit bei den Verbrauchern in Sachen Reifen sorgen. In der Praxis verwirrt es die Kunden aber, denn wichtige Kriterien fehlen. Antworten auf offene Fragen zum Thema Winterreifen.

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Bedingt aussagefähig: Das neue Label der EU für Winterreifen.
Bedingt aussagefähig: Das neue Label der EU für Winterreifen.Foto: dpa

Die Wirkung der Reifen auf die Verkehrssicherheit von Fahrzeugen wird immer noch gerne unterschätzt. Bei all der Technik und Assistenten, die moderne Fahrzeuge heute bieten, sind die Reifen jedoch der ausschlaggebende Faktor. Deren Zustand und Qualität entscheiden in Gefahrensituationen maßgeblich darüber, ob ein Fahrzeug in Gefahrensituationen beherrschbar bleibt oder unkontrollierbar wird.
Das gilt ganz besonders für Winterreifen, die das speziell das Auto auch bei schwierigen Straßenzuständen wie Schnee und Eis in der Spur halten sollen. Es gibt aber gut 2000 verschiedene Winterreifen auf dem Markt. Um den Verbrauchern eine bessere Übersicht über die Vielzahl an angebotenen Reifen zu geben hat die EU ab dem 1. November 2012 ein neues Label eingeführt. Was bringt das und was zeichnet Winterreifen eigentlich aus? Einige Antworten auf offene Fragen zum Thema Winterreifen.

Was unterscheidet Winterreifen von den Sommerpneus?

Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass Winterreifen nur Vorteile haben, wenn sich auch wirklich Schnee oder Eis auf der Straße befindet. Entscheidend für die Leistung der Reifen ist die Mischung des Gummis. Und hier gibt es kaum eine Allround-Lösung. Sommerreifen sind für Temperaturen ab 10 Grad Celsius aufwärts gemacht. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt werden sie hart und spröde. Experten sprechen hier auch von "Verglasen". Dann rutscht der Reifen wie ein Stück Holz über die Straße und findet keinen Halt.

Je weicher die Mischung ist desto besser verzahnt sich das Gummi mit dem Asphalt. Das bringt in den Kurven mehr Halt und verkürzt entscheidend den Bremsweg. Bei guten Winterreifen ist die Mischung auch bei kühlen Temperaturen noch weich genug um diesen Effekt herstellen zu können. Sommerreifen können das bei Kälte nicht mehr. Das ändern auch so nützliche Sicherheitshelfer ESP oder ABS nicht. Denn wenn kein Grip da ist, dann kann auch die Elektronik im Auto diesen nicht herstellen. Lediglich das Fahrverhalten des Autos in der Grenzsituation wird technisch verbessert, was ein durchschnittlicher Autofahrer so nicht könnte.

Deshalb müssen Winterreifen auch deutlich tieferes Profil haben als Sommerreifen. Die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter sind da nur das absolute Mindestmaß. Richtig funktionieren Winterreifen aber erst ab vier Millimeter Profiltiefe oder mehr. Denn sich wenn wirklich Eis und Schnee auf der Fahrbahn befinden ist der Verzahnungseffekt mit dem Asphalt auch nicht möglich. Dann muss sich der Reifen über seine Lamellen mit dem Schnee „verbeißen“. Das sind hunderte kleiner und tiefer Querrillen, die das Profil der Winterpneus kennzeichnen. Durch diese kann sich der Reifen mit dem Schnee verbinden, der durch das Fahrzeuggewicht zusammen gepresst wird. So entsteht Traktion selbst bei schwierigen Straßenverhältnissen. Dieser Effekt darf allerdings nicht überschätzt werden. Denn eines ist sicher: Selbst mit den besten Winterreifen verlängert sich der Bremsweg auf Eis und Schnee ganz erheblich. Defensives Fahren ist bei winterlichen Straßenverhältnissen erste Pflicht.

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