Winterreifen : Was greift und was nicht

Reifen spielen im Winter die Hauptrolle – und nicht nur, weil das Bußgeld für das Fahren auf Sommergummis verdoppelt wird.

Stefan Woltereck

Winterreifen werden hierzulande bald Pflicht. Noch im November soll die Änderung der Straßenverkehrsordnung den Bundesrat passieren. Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen angetroffen wird, soll dann 40 Euro zahlen müssen. Behindert das Fahrzeug den Verkehr, so kostet es 80 Euro, außerdem soll es einen Punkt in Flensburg geben. In anderen europäischen Ländern allerdings werden teils deutlich höhere Bußgelder fällig, wie der TÜV Süd mitteilt. An der Spitze liegt Österreich. Sind Autofahrer hier zwischen 1. November und 15. April bei Schnee, Schneematsch oder Eis mit Pneus ohne spezielle Kennzeichnung unterwegs, kann es 35 Euro, in Fällen mit großer Sicherheitsgefährdung sogar bis zu 5 000 Euro kosten. Alternativ dürfen bei vollständig schnee- oder eisbedeckter Straße Schneeketten auf Sommerreifen aufgezogen werden.

Teuer werden kann es auch in Frankreich. Schreiben die Verkehrsschilder Winterreifen vor, so wandern beim Fahren mit Sommerreifen 90 Euro ins Staatssäckel. Ist man trotz Vorschrift ohne Schneeketten unterwegs, dann wechseln 35 Euro ihren Besitzer. Nach den regionalen Vorschriften seiner Zielregion sollte sich derjenige erkundigen, der im Winter nach Italien fährt. 78 Euro verlangen die Carabinieri, wenn Automobilisten gegen die jeweiligen Bestimmungen verstoßen. Hier ist die Mitnahme von Schneeketten angeraten, denn die werden auch auf den Sommerreifen montiert als Alternative akzeptiert.

Eine generelle Winterreifenpflicht existiert in der Schweiz nicht. Behindert jedoch ein Auto mit Sommerreifen den Verkehr, so werden Bußgelder fällig, bei einem Unfall muss der Fahrer mit einer erheblichen Mitschuld rechnen. Ein Verstoß gegen eine Schneekettenpflicht kostet umgerechnet 70 Euro.

Wer Winterreifen kauft, sollte nicht nur auf die Buchstaben M+S (oder MS, M&S) achten, sondern unbedingt auch auf das Schneeflocken-Symbol. Erst dieses garantiert, dass die Reifen bestimmte Mindestforderungen auf Eis und Schnee erfüllen.

Vernünftig wäre, M+S-Reifen ab bestimmten Temperaturen (beispielsweise ab +5 Grad C) vozuschreiben – weil sie nicht nur auf Schnee und Eis besser haften, sondern die Bremswege auch auf Nässe bei niedrigen Temperaturen entscheidend verkürzen. Eine Temperatur-Regel ließe sich aber schwer überwachen. Alternative wäre ähnlich wie in Skandinavien ein bestimmter, von Land zu Land unterschiedlicher Zeitraum für die Winterreifen-Pflicht, bei uns beispielsweise vom 15. Oktober bis zum 31. März. Das neue Gesetz müsste dazu mindestens vier Millimeter Profiltiefe verlangen. Eine solche Vorschrift gibt es heute schon in Österreich, M+S-Profil unter 4 mm wird nicht als Winterreifen anerkannt.

Je weniger Profil, desto weniger Haftung erreicht der Reifen auf Schnee und Eis, auch auf Schneematsch, zudem bei Aquaplaning. Der letzte Punkt wird gern vergessen – dabei ist der Winter bei uns vor allem nass. Der Respekt vor Nässe geht so weit, dass zum Beispiel der Continental-Konzern einen M+S-Reifen anbietet, der speziell auf höchsten Grip auf nassen und kalten Straßen „gezüchtet“ wurde. Es ist der MS plus 66 von Uniroyal. Er wird besonders für den winterfeuchten Nordwesten empfohlen. Genau so gibt es einen Reifen speziell mit hoher Leistung auf Eis und Schnee: den Speed-Grip von Semperit – empfohlen vor allem fr die schneereichen südlichen Bundesländer. Und wer in allen Gegenden möglichst sicher unterwegs sein will, fährt, so der Hersteller, mit Conti am besten, vor allem mit dem neuen TS 830.

Einen neuen Reifen hat auch Michelin: den Alpin A4. Auch er schnitt bei ersten Tests der Stiftung Warentest, des ADAC, der großen Fachzeitschriften hervorragend ab. Wobei Michelin einen Vorzug besonderer Art ins Feld führt: Der Alpin A4 fährt nicht nur gut, sondern auch besonders lange. Seine Lebensdauer ist, bestätigt vom TÜV, so viel höher, dass er oft ein Jahr länger für Sicherheit auf winterlichen Straßen sorgt.

Moderne Winterreifen erreichen dieselbe Lebensdauer wie Sommerreifen. Ein Satz Sommer- plus Winterreifen genügt bei vielen Autos für die gesamte Zeit bis zum Wiederverkauf. Mehr als zehn Jahre, so die Branche, sollten Reifen aber nicht gefahren werden. Das Gummi wird hart, die Haftung leidet, selbst wenn das Profil noch ausreicht.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben