Auto : Wir können auch anders

Unterwegs im Alltag – heute mit einem japanischen und einem schwäbischen Sportwagen, von denen jeder auf seine Art aus dem Rahmen fällt.

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Die sind daneben. Alle beide. Der 1240 Kilo leichte Benziner aus Japan trotzt der Turbo-Mode. Und der deutsche Roadster löst Kopfschütteln aus, weil auf dem Etikett „250 CDI“ steht. Ein Diesel im Cabrio? Früher Unding, heute gesellschaftsfähig. An der Leistung jedenfalls gibt’s nichts zu meckern: 204 PS entlocken dem kleinen Benz großen Bumms. Beim Überholen, beim Herausbeschleunigen aus der Kurve, beim lässigen Cruisen mit gelegentlichen Spurts. Immer, wenn der Selbstzünder sein starkes Drehmoment aus dem Keller holt – da, wo der 200-PS-Toyota sich schwertut. Hat ja auch ein anderes Konzept, der GT 86. Glänzt im Obergeschoss. Bis 7500 Umdrehungen lässt er sich strietzen, und je weiter man es treibt, desto größer werden die Augen, weil noch was geht und weil das Auto so prompt auf jeden Gasstoß reagiert. „Spontanes Ansprechverhalten“ nennen die Experten so was: „spontane Begeisterung“ sagen wir dazu.

Auf der Landstraße hält die auch ein ganzes Weilchen an. Der tiefe Schwerpunkt vermittelt, was einen Sportwagen ausmacht: Das Gefühl, eins mit der Straße zu sein. Natürlich spüren wir, wie Querfugen durchschlagen. Aber wir beschäftigen uns lieber mit der knackigen, kurzwegigen Schaltung und damit, wie exakt sich die nächste Spitzkehre anzirkeln lässt. Kompliment für die Lenkung.

Ob die im Mercedes ebenso präzise arbeitet, können wir nicht sagen: Wir kommen schlicht nicht in die Versuchung, herauszuholen, was herauszuholen ist. Der SLK ist in neuester Fassung zwar wahrlich kein Gattinnen-Auto mehr. So hat man ihn lange geschimpft. Aber er strahlt trotz der langen Schnauze, den seitlichen Luftschlitzen und den vielen Sicken immer noch so viel Kultiviertheit aus, dass sie bald auch den Fahrer ergreift. Man nimmt sich unbewusst zurück – und genießt auf hohem Niveau einen Komfort, der dem Toyota schon deswegen abgeht, weil er bezahlbar sein soll.

Das harte Plastik, die einfacheren Sitze, das bescheidene Navi – all das relativiert sich angesichts eines Preises von knapp 30 000 Euro, mit dem der Zweiliter-Boxer komplett ausgestattet auf dem Hof steht. Ohne Mehrpreis dabei: Ein knackiger Sound, von dem der knapp 42 000 Euro teure SLK nur träumen kann. Spätestens, als wir dessen Stahldach wegfalten und durchs leise Land in den Sonntag starten, wissen wir, was uns fehlt – dabei sind wir alles andere als dogmatisch. Zum Beweis sei der mercedestypische Luftschal gelobt; eine segensreiche Erfindung für alle, die den flüchtenden Sommer mit aller Gewalt und mit offenem Dach festhalten wollen. Aus dem Sitz strömt warme Luft in den Nacken und das wohlige Gefühl dazu, vom offenen Wagen viel länger etwas zu haben als früher. Überdies hält der SLK das schlechte Gewissen ganz gut in Schach, wenn es um reine Spaßfahrten geht: Der Motor lässt sich leicht unter sieben Litern Verbrauch bewegen – selbst dann, wenn man ihn ab und an fordert. Die Start-Stopp-Automatik hilft beim Sparen, geht aber zuweilen ruppig ans Werk. Eleganz geht anders. Beim Toyota wird es an der Tankkasse naturgemäß teurer: Das Nähmaschinchen schluckt zwischen neun und zehn Liter Benzin – im Lichte des hochtourigen Vergnügens ist das kein wirklich schockierender Wert.

Überhaupt haben die Japaner ein Schulterklopfen verdient: Ein grundehrlicher Volkssportler wie der GT86 steht Toyota gut zu Gesicht und erinnert daran, dass es ein Leben vor den Hybriden und vor dem Frontantrieb gab. Der GT sieht gut aus, er ist vergleichsweise günstig, und er macht seine Sache jenseits der Autobahn gut. Was will man mehr?

Wem die Zahl 86 im Namen des Japaners spanisch vorkommt, dem sei geholfen: Sie erinnert an den legendären Corolla Levin AE86. Der Boxermotor des GT hat ein Hubbohrungsverhältnis von jeweils 86 Millimetern – und genau das ist auch der Innendurchmesser der Auspuffendrohre.

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