Auto : Wird Zeit, mal wieder zum Japaner zu gehen

Infiniti? In Deutschland kennt die kaum einer. Das wird sich ändern: Infiniti ist premium – meint unser Autor nach einer Probefahrt mit der Sportlimousine M37

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Das sieht man gern.
Das sieht man gern.

Der M37 polarisiert. Die fast fünf Meter lange und mit Spiegeln 2,06 Meter (!) breite Sportlimousine verschafft sich mit bösem Blick viel Respekt im Blick der Anderen. Das Ganze ändert sich jedoch, wenn die Tür (sie fällt so satt ins Schloss wie die Pforte eines Panzerschranks von August Jäger) geöffnet ist: Da erwartet einen ein stilvolles und ausgesucht feines Ambiente, teilweise geradezu akribisch verarbeitet.

Hier bewegt sich die japanische Edelmarke auf Augenhöhe mit Audi und Co. Anders als beim 2008 gestarteten „kleinen“ G37 stören keine schnöden Schalter aus Nissan-Modellen; die exklusiven Vollmetallknöpfe rasten fein ein. Und die einem Samuraischwert nachempfundenen Holzeinlagen aus japanischer Weißesche wurden mit Silberstaub behandelt und in Handarbeit geschliffen. Das macht Eindruck; man fühlt sich wohl. Eingebettet im tiefen, körpergerecht geformten Sitz verschmilzt der Fahrer mit dem Auto, wähnt sich in einem Sportwagen und in keinem Fünf-Meter-1,8-Tonner. Die Sitzposition ist sportlicher als in einem BMW Fünfer. Das beheizbare Multifunktionslenkrad liegt gut in der Hand. Die Bedienung im elegant geschwungenen mit Leder ausgekleideten Cockpit klappt trotz vieler, teils verstreuter Schalter nach dem zweiten Suchen auf Anhieb.

Auffällig ist die Ruhe im Inneren. Ein Resultat des schlauen Geräuschunterdrückungssystem, das störende Schallwellen mittels gezielter Gegenschallwellen unterbindet. Trotz der Lkw-Spiegel gleitet die Riesenflunder leise durch den Fahrtwind. Im Fond herrschen großzügigere Platzverhältnisse, als es die coupéartige Form befürchten ließ – gefühlter Gleichstand mit der Mercedes M-Klasse. Infinitis M-Klasse (2,90 Meter Radstand) taugt auch zum Chauffeurswagen – mit zwar zerklüftetem, aber immerhin noch 500 Liter großem Kofferraum für Akten. Damit bei deren Studium keine dicke Luft aufkommt, bietet der M37 per Tastendruck als besonderen Gimmick einen „Waldmodus“: Die Klimaautomatik filtert die Außenluft aufwendig, ionisiert sie zur Geruchsbeseitigung und würzt sie zum Schluss mit einer dezenten Duftnote aus dem Saft eines tropischen Baumes. Mehr als ein Spaß; es wirkt.

Doch der beste Platz ist links vorn. Bevor man jedoch hinterm Lenkrad tatsächlich seine Freude am Fahren findet, muss man bei Infiniti erst die richtige Entscheidung getroffen haben. Mit ihrer eigentümlichen Modellpolitik zwingen einen die Japaner in die eine oder andere Richtung: komfortabel oder sportlich. GT (ab 53 250 Euro) oder S-Version (ab 55 750 Euro). Also entweder 18-Zoll-Räder und geschmeidig federndes Normalfahrwerk, das den M GT zum angenehmen, etwas schwergewichtigen Langstreckengleiter macht – oder 20-Zöller mit wenig Gummi, sehr straffem Sportfahrwerk und aktiver Allradlenkung, das den hinterrradgetriebenen M37 S trotz hoher Masse zum Kurvenstar adelt, der klar Richtung agiler BMW Fünfer abzielt. Verbunden aber mit Rumpeleinlagen auf schlechten Straßen, denn der Infiniti hat kein aktives Fahrwerk wie der BMW 5er, das sich anpasst.

Eingeschränkt ist auch das Motorenprogramm: ein 3,7-Liter-V6-Benziner mit 320 PS (250 km/h; von null bis Tempo 100 in 6,2 S) sowie ein Dreilliter-Diesel mit 238 PS (250 km/h und von null bis Tempo 100 in 6,9 s); beide mit serienmäßiger Siebenstufenautomatik. Der Benziner aus dem Sportwagen 370 Z ist zwar ein ausgereiftes Triebwerk, das sich schön fahren lässt und auch viel Druck macht, aber dennoch nicht mehr Stand der Technik: Der Sauger verbraucht zu viel (10,2 Liter laut Werk, in der Praxis über 13 Liter).

Statt eines heute üblichen Start- Stopp- Systems hat er ein zuschaltbares Eco-Pedal. Wer mehr Gas als nötig gibt, wird mit leichtem Gegendruck gewarnt. In der Stadt eine hilfreiche Sache. Aber Besserung ist in Sicht: 2011 startet ein Hybrid, der nur 7,3 Liter Super verbrauchen soll. Verbrauchsgünstiger ist der Diesel (auch ohne Start-Stopp), der geschmeidig arbeitet wie ein Benziner – und kultivierter als der im Audi A6. Verbrauch 7,5 Liter, gut ein Liter mehr als BMW und Mercedes.

Dafür punktet der M37 gegenüber den Deutschen mit einer Komplettausstattung – allerdings nur in der Alles-oder- nichts-Variante. Entweder Verzicht oder für 6100 Euro Aufpreis das volle Programm: Festplatten-Navi, Bose-Soundsystem mit 16 Lautsprechern, Kurvenbremsassistent, Intelligente Geschwindigkeitsregelung, Toter-Winkel-Warnsystem, Abstandsregelsystem, Auffahrwarnsystem, Spurverlassenswarner und intelligenter Bremsassistent. Uff.

Nicht alles braucht man wirklich. Unser Favorit ist der M37d in der Basisversion für 51 250 Euro. Der hat außer Leder alles Nötige an Bord; inklusive Komfortfahrwerk und „selbst heilendem“ Kratzschutzlack. So ist er eine interessante Alternative für jene, die keinen der drei üblichen Verdächtigen fahren und dennoch standesgemäß unterwegs sein wollen. Und überdies noch bis zu 15 Prozent günstiger – was einer fünfstelligen Ersparnis entspricht. Doch auch über 50 000 Euro relativieren sich. So kostet selbst ein 20 PS schwächerer und viel kleinerer VW Passat V6 mit Automatik, Allrad, der ähnlich vollgestopft ist wie der Japaner, nicht weniger als der exklusive Infiniti.

Und dieser bietet zudem einen einzigartigen Top-Service, an dem sich deutsche Premium-Hersteller ein Beispiel nehmen sollten: Bis zu einem Umkreis von 250 Kilometern wird jeder Infiniti kostenlos zur Inspektion geholt und wieder nach Hause gebracht. Natürlich gibt es ein Ersatzfahrzeug. Und sollte man mal irgendwo in Europa liegen bleiben, wird das Auto kostenlos in die nächste Werkstatt geholt; die Passagiere reisen im Premium-Wagen weiter, fliegen bei Bedarf Businessklasse oder übernachten im Luxushotel. Dieser Top-Service gilt selbst dann, wenn der Infiniti-Besitzer mit einem Fremdfabrikat unterwegs ist.

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