Auto : Wo die Reise hin geht

Abfahrt Schanghai: VW, Mercedes und BMW zeigen SUV-Studien, die der Serie nahe kommen.

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Ihr Einsatz, Lang Lang.
Ihr Einsatz, Lang Lang.

Wer wissen will, wo die Reise hin geht, schaut am besten nach China. Dort verkaufen die Deutschen inzwischen mehr Autos als irgendwo sonst auf der Welt – und deshalb werden die ersten Töne der Zukunftsmusik immer öfter hier gespielt. Einen schönen Beleg dafür liefert seit einigen Tagen die „Auto Shanghai“, Asiens wichtigste Automesse. Im jährlichen Wechsel mit der Schau in Peking wächst sie unaufhaltsam; inzwischen kann sie es an Rang und Ausmaß durchaus mit der IAA in Frankfurt aufnehmen. In mehr als zehn riesigen Hallen drängeln sich autoverrückte Chinesen von Stand zu Stand – und bleiben am längsten bei drei SUV-Studien hängen, die in Kürze so oder so ähnlich auch bei uns in Serie gehen werden.

Den größten Stein wirft dabei VW mit dem Cross Blue Coupé ins Wasser. Für dessen Umsetzung gibt es zwar noch keinen Vorstandsbeschluss, aber eine Menge guter Gründe. Vor allem zielt er in ein Segment, in dem BMW mit dem X6 vorgemacht hat, wie sich eine unorthodoxe Kreuzung aus SUV und Sportwagen auf dem Markt etablieren lässt. So prägen auch den Cross Blue eine hohe Sitzposition und ein muskulöser Körperbau; das Ganze gefasst in einer eleganten Dachlinie, von der Touareg und Tiguan nur träumen können. Das knackige, kasten-ferne Design kaschiert geschickt die immerhin 4,90 Meter Länge des Cross Blue.

Die Arbeit der Zeichner wird in Schanghai derart begeistert aufgenommen, dass die inneren Werte fast ein wenig untergehen: VW zeigt das Coupé als Plug-in Hybrid. In Kombination mit zwei Elektromotoren kommt der Dreiliter-V6-Turbobenziner auf eine Systemleistung von 415 PS. Rein elektrisch schafft der Cross Blue gut 30 Kilometer. Für den gemischten Fahrbetrieb versprechen die Wolfsburger einen Verbrauch von gut drei Litern; sorgt allein der große TSI für Vorschub, sollen es immer noch weniger als sieben Liter sein.

Auch BMW leuchtet in China schon mal das SUV-Programm des Modelljahres 2014 aus. Der Concept X4 sieht nicht von ungefähr aus wie der kleine Bruder des X6 – mit dem entscheidenden Unterschied einer deutlich besseren Sozialprognose in der Heimat. Anders als in Amerika, Russland und China muss in Deutschland über stoischen Gleichmut verfügen, wer sich mit dem wuchtigen X6 auf die Straße traut. Kein Sympathieträger, dieser Kawenzmann. Anders der blaue X4: Höher gelegte Karosserie und flache Kuppel ergeben auf 4,65 Meter Länge (entspricht exakt der des X3) ein harmonischeres, weniger provozierendes Bild. Obwohl der Neue schon nächstes Jahr in die Läden kommen soll, zeigt BMW in China vom X4 kaum mehr als die Karosserie – schließlich will man dem bevorstehenden Facelift des konventionellen SUV X3 nicht vollends die Show stehlen.

Derlei Rücksichten im eigenen Haus muss Mercedes nicht nehmen. Als kleinstes SUV-Coupé auf dem Laufsteg in Schanghai ist der GLA ohnehin so etwas wie ein Spätzünder. Audis Q3 etwa ist in diesem Segment schon über ein Jahr unterwegs. In China steht zwar eine noch als Studie titulierte Version des 4,38 Meter kurzen Silberlings. Doch abgesehen von den Laser-Scheinwerfern und den Show-typischen Gimmicks im Innenraum werden wir das Gesicht als Serien-GLA im Herbst wiedersehen – dann auf der IAA in Frankfurt. Auf den Erfolg des kleinen SUV darf man schon heute wetten. Die stämmige Optik mit dem steil stehenden Grill, den kräftigen Flanken und dem breit gezogenen Heck zeigt, wie aus der Plattform der A-Klasse eigenständige Derivate herauszukitzeln sind. Technisch hat Mercedes den Vorab-GLA schon mal mit drei Komponenten bestückt, die auch in der Serie zu haben sein werden: Er verfügt über Allrad, ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und einen Turbo- Vierzylinder mit 211 PS, den wir bereits aus A- und B-Klasse kennen.

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