Wohnmobil XXL Marke Eigenbau : Mad Max down under

Normale Wohnmobile waren Rob zu klein und zu wenig geländegängig. Er liebt es eben etwas komfortabler. Da baute der Australier sich einfach sein eigenes. Und das hat es wirklich in sich...

Gerhard Prien
Dieses „home“ ist ein „castle“. Schon das Äußere von Robs Wohnmobil wirkt wie eine Trutzburg. Die Veranda mit Treppe lässt sich für die Fahrt einklappen. Rob Gray
Dieses „home“ ist ein „castle“. Schon das Äußere von Robs Wohnmobil wirkt wie eine Trutzburg. Die Veranda mit Treppe lässt sich...Rob Gray


"Wothahellizat" - oder, auf gut Deutsch: Was, zur Hölle, ist das denn? Die knappe Antwort: "Eigentlich" ist - oder war - das einstmals lediglich ein mehr als vier Jahrzehnte alter Armee-Truck. Ein Vierzehn-Tonner, der nach seiner Militärzeit zuverlässig seinen Dienst als Feuerwehr-Wagen verrichtete. Der Australier Rob und seine Frau Chris kauften ihn im Jahre 1997. Danach investierten sie drei Jahre Arbeit und rund 120 000 Australische Dollar, um aus dem 6x6-getriebenen Laster das einst wohl größte Off-Road Reisemobil "down under“ zu machen.

Wothahellizat ist eine höchst schräge und eigenwillige Mischung aus Allrad-Truck und Wohnmobil, mehr Bauhaus als Barock, ein Strandhaus gepaart mit einem gehörigen Schuss Mad Max-Optik und einer guten Portion Einfallsreichtum, gewürzt mit höchstem handwerklichem Können. Oder, um es mit Robs eigenen Worten zu sagen: "My motorhome looks industrial on the outside, but it's luxurious inside".

Zimmer mit bester Aussicht: Dank Panoramaverglasung muss man nicht erst auf die Terrasse gehen, um die Landschaft zu genießen. Ron Gray
Zimmer mit bester Aussicht: Dank Panoramaverglasung muss man nicht erst auf die Terrasse gehen, um die Landschaft zu genießen.Ron Gray

In den 1970er Jahren arbeitete Rob als Fotograf, in den 80er und 90er Jahren war er als Computer-Fachmann tätig. Zwischenzeitlich fand er wieder zurück zur Fotografie, er zog mit der Kamera los. Im Jahre 1997 war er mit seiner Frau Chris auf einem Camping-Trip unterwegs, Ziel: Frazer Island. Beide erkannten, dass sie die Arbeit an und mit Computern ziemlich satt hatten. Sie wollten, wie man so schön sagt, zu neuen Ufern aufbrechen. Vier Jahre später besaßen sie ein von Rob selbst gebautes 34-Fuß-Motorhome mit 6x6-Antrieb, mit dem sie kreuz und quer durch Australien reisten. Rob fotografierte wieder, das Tierleben und die Landschaften Australiens.

Die Planung beginnt

Drei Kriterien wollte Rob bei seinem Motorhome erfüllt sehen: Es sollte komfortabel genug sein, um längere Zeit (möglicherweise sogar über Jahre) darin leben zu können. Daraus resultierte beinahe zwangsläufig eine gewisse Größe des Fahrzeugs. Denn Rob hat es gerne ein wenig bequem. Seine ersten Entwürfe begannen mit einer Größe bzw. Länge von 24 Fuß. Als er darüber nachdachte, was er so alles unterbringen wollte - und musste - und wie viel Platz er dazu braucht, um sich ein wenig behaglich zu fühlen, "wächst" das Motorhome auf (s)eine Länge von 34 Fuß. Das sind rund 10,5 Meter - ohne Veranda. Da musste dann schon ein echter, großer Laster als Basisfahrzeug her.

Auch wichtig für Rob: Sein Reise-Fahrzeug sollte überall dorthin kommen, wo bisher noch kein anderes Reisemobil gewesen war. Es musste also zwingend Off-Road-tauglich sein - und Allradantrieb haben. Denn viele der schönsten Gegenden Australiens sind nur schwer erreichbar. Die Straßen - so es welche gibt - sind oft nicht gerade im besten Zustand, sie sind ausgewaschen, es gibt - auch verflixt große - Löcher im Straßenbelag. Die Straßen im Outback sind eben alles andere als topfebene, asphaltierte Autobahnen.

Das passende Schlachtross

Ein Motorhome, das solche harten Bedingungen über einen längeren Zeitraum meistern soll, das muss stabil gebaut sein. Bei "normalen" Reisemobilen sah Rob diese Voraussetzungen nicht mal im Ansatz erfüllt. Er meinte, und das vielleicht nicht ganz zu Unrecht, ein solches Fahrzeug aus Serienproduktion würde sich auf lange Sicht gesehen schlicht selbst zerlegen. Dies gilt besonders abseits befestigter Straßen. Zudem stehen bei den Serienmobilen lange Hecküberhänge, eine zu schnelle (hohe) Übersetzung und zu wenig Bodenfreiheit der Geländetauglichkeit im Wege.

Solider Unterbau: Der Lkw diente beim Militär und später bei der Feuerwehr. Damit war für Rob das perfekte Schlachtross gefunden. Rob Gray
Solider Unterbau: Der Lkw diente beim Militär und später bei der Feuerwehr. Damit war für Rob das perfekte Schlachtross gefunden.Rob Gray

Die geeignete Basis fand er rein zufällig in einem Zeitungsinserat. Das Fahrzeug: Ein International Acco Dreiachser mit gerade mal 12 000 Meilen auf dem Tacho. Was ihn noch viel mehr begeisterte: Vorbesitzer des Acco war eine Feuerwehr. Da wurde der Laster immer penibel gewartet und in gutem Zustand erhalten, denn eine Feuerwehr darf nun mal nicht auf ein unzuverlässiges Fahrzeug setzen. Und: "In dem Wagen ist kein Computer - wenn da was kaputt geht, dann kannst Du es immer noch schweißen oder anderswie mit Bordmitteln reparieren", sagt Rob. Was kaum nötig ist - denn die International Acco sind in Australien für ihre Zuverlässigkeit bekannt

Das Chassis wird ausgeschlachtet

Das orangerote Mobil war ursprünglich mal ein Armee-Fahrzeug, ehe es bei den Floriansjüngern zum Einsatz kam. Rob entfernte die ziemlich umfangreiche und schwere Feuerwehr-Ausrüstung und legte los. Für den Antrieb sorgt mittlerweile ein Perkins 6354 Turbo-Diesel mit sechs Litern Hubraum. Den hat Rob irgendwann mal eingebaut, "weil einfach jeder den Perkins 6354 kennt", wie er sagt.

Die ganze Kiste ist zweieinhalb Meter breit, (mit dem Wohnaufbau von Rob) satte vier Meter hoch und 10,5 Meter lang. Auch im Gelände taugt der 6x6 was, die Bodenfreiheit liegt bei 350 mm unter den Differenzialen und unter dem Chassis bei beinahe überall 500 mm.

Manche Menschen, so sagt Rob, können mit einer einzigen Glühlampe leben. Er gehört jedoch eindeutig nicht dazu. Denn er wollte ja seine alte Profession als Fotograf wieder aufnehmen. Und dazu, das war ihm klar, gehört die regelmäßige Nutzung eines Satelliten-Telefons, von Computern, Druckern, Scannern. Gasbetriebene Kühlschränke scheinen ihm zu unzuverlässig und müssen mehr oder weniger in der Waagerechten betrieben werden. Rob entschied sich daher für einen Kompressor-Kühlschrank. Und, wie schon mal erwähnt wurde, Rob mag es komfortabel. Dazu gehört für ihn auch das Betreiben elektrischer Ventilatoren. Ein absolutes Muss aus seiner Sicht, gerade in den wärmeren Regionen Australiens, wo die Ventilatoren wohl Tag und Nacht laufen würden.

Immer mit dabei: Robs Honda SL 230 hat eine eigene "Garage" im Eigenheim und kann per Seilwinde hoch- und runterlassen werden. Rob Gray
Immer mit dabei: Robs Honda SL 230 hat eine eigene "Garage" im Eigenheim und kann per Seilwinde hoch- und runterlassen werden.Rob Gray

Drei Jahre war er schließlich insgesamt beschäftigt. Er strippte den Feuerwehr-Laster bis aufs Chassis, verlängerte den Rahmen, schweißte ein Skelett für den Alkovenaufbau, isolierte die Kabine und beplankte sie außen mit zwei Millimeter starkem Alu-Riffelblech. Das Riffelblech verschloss sogar die großen Fenster des Mobils, die Rob mit eigens angefertigten Klappen versah. So schaut Robs Womo nun von außen aus wie aus einem Guss, komplett geschlossen sind die Fenster vor Ästen, Steinschlag und anderen Unbillen wie Einbruchsversuchen geschützt.

Ein bisschen Luxus muss sein

Der Wohnraum ist sehr komfortabel ausgestattet und erinnert eher an ein Strandhaus denn an ein Reisemobil. Der Zugang erfolgt übers Heck, dort klappt, ausgesprochen raffiniert, eine Treppe herunter. Die führt auf eine große, überdachte Veranda, in zwei Meter Höhe abzusenken per Elektro-Seilwinde. „Da oben zu sitzen und einen Sonnenaufgang am Ningaloo Riff zu beobachten, unbezahlbar“, so Rob. Auf zwei Meter Höhe hat man gute Sicht, gute Luft, nette Gesellschaft - denn die Veranda trägt locker vier Personen, auch ohne Abstützung. "Und wir können immer draußen sitzen, egal ob es draußen matschig und feucht ist oder ob da hohes Gras steht."

Der Dreiachser hat zwei 300 Liter Dieseltanks, einen 100 Liter Benzintank für das mitgeführte Motorrad, eine Honda SL 230, die per Elektro-Seilwinde in ihr Staufach rein- und wieder rausgehoben wird. Mit den 600 Litern Diesel schafft Wothahellizat rund 1800 Kilometer auf der Straße, Off-Road hängen Verbrauch und Reichweite stark vom Terrain ab. Wenn es auch mit 6x6-Antrieb nicht mehr weiter geht, kein Problem: Das Endzeit-Womo hat eine Seilwinde mit zehn Tonnen Zugkraft an Bord, die nach vorne oder - was oft vernünftiger ist - auch nach hinten ziehen kann. Unterflur sitzen die Frischwassertanks mit 700 Liter Inhalt, Trink- und Brauchwasser verfügen über getrennte Pumpen. 55 Liter fasst der Grauwasser-, 80 Liter der Fäkaltank. Für Warmwasser sorgt ein 23 Liter Fleetwood-Boiler. Unterflur gibt es jede Stauraum und eine ausklappbare Werkbank, falls im Busch mal eine Reparatur anfällt.

Beim Anblick der rollenden Luxusküche vom Wothahellizat würde so manch ein Wohnmobilbesitzer vor Neid erblassen. Rob Gray
Beim Anblick der rollenden Luxusküche vom Wothahellizat würde so manch ein Wohnmobilbesitzer vor Neid erblassen.Rob Gray

Was gibt's noch an Technik: Vier mal neun Kilo Gasflaschen, eine acht mal 64 Watt Solaranlage, einen 3.300 Watt Inverter, acht mal 220 Ah Akku-Kapazität, eine 42 Liter Mikrowelle, einen Dreiflammen-Gaskocher, einen 240 Liter Kühl- und Gefrierschrank, Notstromaggregat und Kameras, mit denen auch bei geschlossenen Fenstern die Umgebung des Mobils eingesehen werden kann.

Das rollende Strandhaus 2.0

Rob und seine Frau Chris Rob rumpeln mit 60 bis 70 km/h durch Australien. Ein großes Plus sieht Rob in der Sicherheit, die der Wohnaufbau bietet. "Das liegt zum einen an der Höhe der Kabine von gut zwei Metern, und zum anderen wohl auch ein wenig an ihrem Aussehen", schmunzelt Rob. Seine Partnerin Chris fühle sich selbst für einige Tage alleine sicher im Fahrzeug. "Zur Not muss sie den Truck nicht verlassen, sie hat ja alles drin."

Als Problem sieht Rob allerdings irgendwann die schiere Größe seines Mobils. Die schaffe zwar einerseits eine Menge Platz und Lebensraum, es habe aber immer wieder Camp-Grounds gegeben, für die das Fahrzeug schlicht zu groß sei. Und überhaupt sei es auf Campingplätzen oft etwas stressig gewesen - denn dort gab es immer jede Menge Neugierige. Beliebteste Frage: "Hast Du das Ding etwa selbst gebaut?"

Am 27. August 1999 startete er zur Jungfernfahrt mit seinem 6x6-Mobil. Sechs Jahre sind er und Chris dann damit gereist. Dann hat er, von April 2007 bis November 2008, sein Mobil mal rasch umgebaut. Für Wothahellizat MK 2 hat er das einst verlängerte Chassis "ganz einfach" wieder gekürzt - und eine neue, kleinere Kabine draufgesetzt. Jetzt hat Rob vielleicht nicht mehr das größte Off-Road Reisemobil "down under" - aber ganz sicher noch immer eines der verrücktesten. Ein rollendes Strandhaus. Denn Rob mag es komfortabel.

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