Auto : Würze in aller Kürze

Unterwegs im Alltag – heute mit einem Italiener, der seine Marke rettet

Eric Metzler

Auf den ersten Blick …

schaut man in die Augen, Kleiner. Wohin sonst? Runde Kuller vorne wie hinten haben Charakter – genauso wie die langgezogene Schnauze und der rassige Grill. Alfas Kleinster heißt Mito und nicht wie lange geplant Junior. Ist aber auch wurscht. Ein Frauenschwarm ist er so oder so. Die Verkaufszahlen stimmen, weil die Proportionen ankommen. Drinnen sitzt alles, wie es sitzen soll. Das Armaturenbrett trägt ein irritierendes Streifenmuster; die roten Ledersitze sind a) ein Hit und b) ein Schnäppchen (1100 Euro). In jedem anderen Auto wirkt so etwas puffig – einen Alfa dagegen macht es zum Romeo.

Pluspunkte gibt es vor allem für…

das leichte Handling des Mito. So kompakt er ausschaut, so kompakt fährt er sich: Nie hat man das Gefühl, der Kleine könnte von der Leine gehen. Die Lenkung meldet über das griffige Lenkrad stets und direkt, was sich an der Vorderachse tut. Das Fahrwerk ist in der Standardeinstellung straff, aber ausreichend komfortabel – solange die Straße keine Dellen und Löcher hat. Die nämlich schlagen durch. Der 1.4-Liter-Turbo mit seinen 135 PS ist flott und für die meisten eine gute Wahl – was auch an einer Neuheit namens Multi Air liegt. An anderer Stelle haben wir die variable Ventilsteuerung ausführlich beschrieben; hier beschränken wir uns auf die Erfahrung im Test. Ja, unten rum hat der Motor mehr Bumms; tatsächlich, er spricht besser aufs Gas an; und richtig, der Verbrauch bleibt im Rahmen. Selbst mit langen Hochtempo-Fahrten über die Autobahn meldet die Verbrauchsanzeige nicht mehr als 7,7 Liter im Schnitt. Die Start-Stopp-Automatik ist Serie und eine der besten, die uns bislang untergekommen ist. Kleine Komplimente am Rande: Die Bose-Anlage glänzt mit warmen Klang. Und der integrierte Einfach-rein-einfach-raus-Stecker für ein Tomtom-Navi ist eine prima Idee. Bislang gibt es ein passendes Gerät mit Einfach-rein-einfach-raus-Adapter nur bei Fiat (rund 500 Euro) – das macht die gute Idee nicht wirklich kundenfreundlich.

Weniger Charme hat…

die Sicht nach hinten. Eine Katastrophe. Die Sitze sehen gut aus, bieten aber wenig Seitenhalt. Der Kofferraum ist selbst für einen Kompakten winzig; eine teilbare Rückbank kostet zu allem Überfluß Aufpreis. Uns fehlt der 6. Gang; der fünfte lässt sich oft nur mit Nachdruck einlegen. Für Telefon oder Stift gibt es keine gescheite AbLage. Der UKW-Tuner regelt rauschende Sender nicht nach. Und das Öffnen der Heckklappe übers Logo ist unpraktisch – Form geht hier vor Funktion.

Das spannendste Detail…

ist der Kipphebel links vom Schalthebel. Je nach Lust, Tankbudget und Beifahrer ändert man damit die Fahrdynamik – in Stellung D etwa geht der Mito spürbar knackiger zu Werke. Das „DNA“-System sucht in dieser Klasse seinesgleichen – und serienmäßig ist es zudem.

Unterm Strich die richtige Wahl für…

Freunde evolutionärer Kurzwaren. Technik, Verarbeitung und Preis stimmen. Alfa erfindet sich neu. Eric Metzler

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben