Youngtimer : Zurück ans Kap Ascona

Vielleicht ist es die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, vielleicht schlicht die Liebe zum Alten. In jedem Falle aber sollte man beim Kauf von Youngtimern einige Ratschläge beachten

Späte Karriere: Der Ascona C Berlina wurde von 1981 bis 1988 gebaut – und kein Mensch hätte gedacht, dass er je begehrt wird. Foto: tmn
Späte Karriere: Der Ascona C Berlina wurde von 1981 bis 1988 gebaut – und kein Mensch hätte gedacht, dass er je begehrt wird....Foto: dpa-tmn

Sie haben Charme und Charakter, sind vergleichsweise billig und oft noch alltagstauglich: Youngtimer erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Immer mehr Autofahrer greifen zu jungen Klassikern wie dem Ford Capri, dem Mercedes W124, dem ersten VW Golf oder dem Opel Ascona. „Die Autos unserer Väter üben auf uns offenbar einen ganz besonderen Reiz aus“, stellt Alexander Mrozek vom Youngtimer Club mit Sitz in Oldenburg fest.

Doch mit der Begeisterung fürs ältere Blech steigt auch das Risiko. „Denn die Grenze zwischen intaktem Sammlerstück und Schrotthaufen ist fließend“, mahnt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS in Losheim am See (Saarland). Wer sich zum ersten Mal für einen solchen Gebrauchtwagen interessiert, sollte deshalb ein paar Tipps beachten. Denn „einen Wagen aus erster Hand, voll ausgestattet und mit wenig Kilometern“ wollten alle: „Aber der ist mittlerweile selten geworden“, sagt Youngtimer-Spezialist Mrozek.

Nach dem richtigen Auto gesucht werden kann in Kleinanzeigen in Zeitungen und im Internet. Doch das kann schnell mühsam werden. Erfolgversprechender sind mitunter die Veranstaltungen einschlägiger Youngtimer-Clubs. „Dort bekommt man oft wertvolle Tipps“, sagt KÜS-Sprecher Marmit, „weil die Fans die vertrauenswürdigen Händler und deren Angebote kennen.“ Vor allem Laien empfiehlt Marmit den Weg zum Händler: „Das ist besser als der Privatkauf, weil der Profi der Gewährleistungspflicht unterliegt.“    

Hilfreich bei der Auswahl sind laut Mrozek auch Checklisten im Internet. Für die Fahrzeugbesichtigung empfiehlt er, sich zum Beispiel von jemanden begleiten zu lassen, der das entsprechende Auto selbst fährt und mögliche Macken kennt. Solche Kenner könnten etwa über Markenclubs gefunden werden. Auf der sicheren Seite ist, wer sich für ein professionelles Gutachten entscheidet: „Je teuerer das Auto ist, desto eher lohnt sich auch der Besuch bei einem Gutachter“, rät KÜS-Sprecher Marmit.

Ist der Traumwagen gefunden, wird die Lupe angesetzt: „Patina darf er ruhig haben, aber verrostet oder verrottet sollte er nicht sein“, sagt Mrozek. Außerdem warnen die Experten vor auffälligen Umbauten, da verbastelte Autos schwerer zu reparieren sind. KÜS-Sprecher Marmit gibt zu bedenken, dass der Originalzustand vor allem später wichtig ist, wenn der Wagen nach 30 Jahren Laufzeit in Flensburg als echter Oldtimer registriert werden soll.

Bevor er zuschlägt, blickt der Interessent unter die Haube, fährt mit den Fingern über rostanfällige Stellen, lupft Teppiche und leuchtet hinter Verkleidungen. „Doch das wichtigste Kriterium neben dem Augenschein ist das Scheckheft“, sagt Mrozek. In diesem Buch, das Sammlern als Lebenslauf des Wagens gilt, sollten alle Wartungen und Inspektionen eingetragen sein. Wer dann noch die Rechnungen für die wichtigsten Reparaturen einsehen kann, kann sich ein sehr präzises Bild vom Fahrzeug machen. Durch Kombinieren und Vergleichen können etwa falsche Laufleistungen oder manipulierte Kilometerstände entlarvt werden.

Zustand und Papiere müssen stimmen – aber die Wahl trifft der Käufer oft frei nach Gusto und weniger mit Blick auf mögliche Wertsteigerung. „Einen Youngtimer kauft man nicht nach Kalkül, sondern mit dem Herzen“, sagt Mrozek. „Von welchem Auto habe ich als Kind geträumt? Womit sind wir damals in den Urlaub gefahren?“ Das seien die Fragen, die Youngtimer-Freunde sich oft stellten. Und wenn ein Auto vergleichsweise oft gebaut wurde, habe das trotz geringerer Wertsteigerung sogar Vorteile: „Je öfter ein Auto gebaut wurde, desto leichter wird man ein gutes und günstiges Exemplar und die nötigen Ersatzteile für das Fahrzeug finden.“    Aber nicht nur das Auto, auch sich selber sollte man vor der Kaufentscheidung prüfen: Zwar seien Youngtimer in der Regel problemlos zu warten und zu reparieren. „Aber ein alter Opel Calibra macht mehr Arbeit als ein neuer Corsa“, mahnt Mrozek. Nur wer genügend Zeit und ein Budget für mögliche Reparaturen einplant, werde dauerhaft Spaß an seinem Auto haben. „Sonst läuft es nämlich genau umgekehrt, und aus der charmanten Rarität wird eine wertlose Rostlaube.“ tmn

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