Auto : Zu haben, aber nicht zu kaufen

Renaults Latitude soll weltweit vermarktet werden – hierzulande kann man ihn aber nur leasen

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Sonderbehandlung. Vermutlich wird man den Latitude nicht allzuoft auf unseren Straßen sehen. Denn von den 1300 deutschen Renault-Händlern dürfen lediglich 50 das Modell verkaufen, pardon: verborgen.
Sonderbehandlung. Vermutlich wird man den Latitude nicht allzuoft auf unseren Straßen sehen. Denn von den 1300 deutschen...Foto: Renault

Renault kann es nicht lassen: nun also Versuch Nummer drei in der zivilen oberen Mittelklasse. Nach den zwar glücklosen, aber charakterstarken Typen Avantime und Vel Satis versuchen es die Franzosen nun auf die entgegengesetzte Art: Statt mutigem Design ist Mainstream angesagt. Der neue Renault Latitude wirbt als konservative Stufenhecklimousine, die niemanden erschreckt, um Kunden. Im Rückspiegel wirkt sie wie ein Zwischending aus VW Passat und VW Phaeton. Das ist vielleicht sogar gewollt, denn der Latitude soll was hermachen. Und diese Aufgabe meistert er, nimmt es locker mit einem Audi A6 auf – aber nur in den Außenmaßen, nicht an den inneren oder technischen Werten.

Der große Renault kaschiert geschickt seine Multikulti-Herkunft. An seiner Entwicklung wirkten Ingenieure aus Frankreich, Japan und Korea mit. Die Plattform stammt vom Renault Laguna, ebenso die Diesel. Die Mehrlenker-Hinterachse sowie der Bioethanol-taugliche Benziner kommen von Nissan. Produziert wird das Auto im südkoreanischen Samsung-Werk Busan, wo die große Limousine als Samsung SM 5 bereits vom Band läuft. Der etwas modifizierte Renault Latitude startet bei uns im Januar – als Weltauto, das von Russland über die Türkei, Rumänien, Australien bis nach Nordafrika, Asien, Mexiko undam Golf angeboten wird. Entsprechend ist der fast 4,90 Meter lange Fronttrieber ausgelegt: Komfort statt Dynamik, sichtbarer Luxusausstattung statt unsichtbarer Assistenzsysteme.

Gegenüber Ford Mondeo, Skoda Superb und VW Passat bietet der Latitude eine beispiellose Komplettaustattung. Von Bi-Xenonscheinwerfer mit dynamischen Kurvenlicht, Komfortsitzen mit Massagefunktion, schwarzen Lederpolstern, Rückfahrkamera, Dreizonen-Klimaautomatik, Bose-Highend-Soundsystem, Luftionisierer und Parfümspender, 17-Zoll-Aluräder bis zum DVD-Navigationssystem ist alles Serie. Denn es gibt den Latitude nur als Alles-oder-Nichts-Auto. Auswahl? Nur schwarz oder grau für den serienmäßigen Metalliclack.

Immerhin, bei den Motoren hat der Kunde die Wahl. Es gibt einen 140-PS- Vierzylinder-Benziner von Nissan mit Sechsgang-Schaltgetriebe und zwei Diesel von Renault aus dem Laguna: einen Vierzylinder mit 173 PS sowie einen Sechszylinder mit 241 PS. Wir sind beide Diesel mit ihrer etwas bedächtig schaltenden Sechsstufen-Wandlerautomatik gefahren. Der Vierzylinder reicht aus, arbeitet aber mit stets präsentem Brummen. Der Sechszylinder ist ein Sahnestück. Er passt viel besser zu dieser komfortbetonten Limousine, für die Sportlichkeit ein Fremdwort ist. Weil mehr Gewicht auf der angetriebenen Vorderachse liegt, fährt sich das V6-Modell angenehmer: Die Lenkung reagiert einen Tick weniger indifferent, und die Federung agiert mit geringeren Nickbewegungen. Der Innenraum ist hochwertig, aber nicht so edel wie bei Audi; die Sitze könnten mehr Seitenführung vertragen. Auf glatter Piste erweist sich die große Limousine als veritabler Reisewagen für vier plus großes Gepäck (Kofferraum 477 Liter; gut, aber nicht Spitze in dieser Liga). Im Fond herrschen sehr gute Platzverhältnisse.

Im Gegensatz zu seinem Gen-Spender Laguna ist der Latitude in Deutschland unverkäuflich. Er wird nur verleast. Für 399 Euro das Basismodell mit dem 140-PS-Benziner. Ohne Anzahlung, für vier Jahre, inklusive Garantie und Wartung. Was eine höhere Laufleistung oder die beiden Diesel kosten? Vorerst ein Geheimnis. Die spezielle Vermarktung des Weltautos ergibt für den mutigen Käufer gleich zwei Vorteile: Erstens hat er die Kosten im Blick, und zweitens kann er sicher sein, dass er dieses Auto nach vier Jahren wieder los wird. In der Zwischenzeit kann er sich freuen, einen Exoten zu fahren, der gerade wegen seiner exklusiven Unscheinbarkeit auffällt in der Masse.

Dem Gen-Spender Laguna hat Renault eine Auffrischung gegönnt: neue Front, hinten abgedunkelte LED-Heckleuchten. Nun erfüllen alle sechs Motoren – zwei Benziner und vier Diesel – die Euro-5-Abgasnorm. Und sie wurden sparsamer: Der 110-PS-Selbstzünder verbraucht nur noch 4,7 Liter (ab 23 150 Euro). Neu ist auch, dass die empfehlenswerte Allradlenkung 4Control nun auch für die Version Initiale lieferbar ist (1300 Euro). Nicht lieferbar ist jedoch eine Federung, die ihren Namen verdient. Leider ist der fahrsichere und fahraktive Laguna noch immer viel zu hart abgestimmt. Rainer Ruthe

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