Zurück auf Los : Adé Rentner-Benz

Die neue B-Klasse von Mercedes ist ab dem kommenden Wochenende bei den Händlern erhältlich. Ein "Lifting" soll den "Renter-Benz" auch für jüngere Zielgruppen attraktiv machen. Kann die Marke ihr Rentnerimage abschütteln?

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Zeitzeichen. Ist die neue B-Klasse nicht nur was für Silver Ager?!
Zeitzeichen. Ist die neue B-Klasse nicht nur was für Silver Ager?!Foto: Promo

Achtundfünfzig – das durchschnittliche Alter eines B-Klasse-Käufers. Damit ist dieser „Sports Tourer“, wie die Schwaben diesen Kompaktvan selbst bezeichnen, das Auto mit der ältesten Klientel bei Mercedes. Klar, der bequeme Einstieg, die hohe Sitzposition und die betuliche Art der Fortbewegung passen optimal zur zahlungskräftigen Gruppe der Silver Ager. Doch das soll Vergangenheit sein. Die zweite Generation der B-Klasse, die an diesem Wochenende startet, soll dynamischer auftreten. Weg vom Rentner-Benz. Deshalb ist B Nummer zwei fünf Zentimeter flacher und neun Zentimeter länger geworden. Mit nun 4,36 Metern rangiert sie zwischen VW Golf und Opel Astra.

Wichtiger jedoch: Sie besitzt keinen durchgehenden doppelten Sandwichboden mehr; im Heckbereich gibt es noch ein Restmodul, das zum Beispiel Batterien für eine künftige E-Version aufnehmen kann. Das ergibt zwei klare Vorteile: Erstens rückt der Schwerpunkt näher an die Straße, was das Fahrverhalten dramatisch verbessert. Zweitens rutscht der Sitz 8,6 Zentimeter nach unten, was die Sitzposition in der ersten Reihe spürbar optimiert. Die Passagiere hocken nun nicht mehr auf dem Benz, sondern fahren in ihm. Und damit reisen sie entspannter. Nicht von ungefähr bezeichnet Mercedes die neue B-Klasse jetzt als „Steilhecklimousine“ im Kompaktsegment.

Doch deswegen mutiert dieser Benz noch lange nicht zum Sportwagen. Er erweist sich heute als normaler Hochdachkombi mit normaler Variabilität für die vierköpfige Normalfamilie (der fünfte Platz im Fond ist ein Strafsitz für das aufmüpfige Kind), die ab und zu mal etwas mehr Platz braucht. Früher bot die B-Klasse mehr: Die Fondsitze konnten einzeln ausgebaut werden, doch kaum einer nutzte diese Option. Und heute? Fondlehnen umklappen. Basta.

Oder man zahlt überteuerte 672 Euro für das sogenannte Vario-Plus-System, bei dem lediglich die Rücksitzbank um bis zu 14 Zentimeter verschoben und die Beifahrerlehne umgeklappt werden kann. Ohne Aufpreis bietet der B-Klasse-Fond dagegen Platz im Überfluss: Der Kofferraum (486 bis 1545 Liter) ist größer als im C-Klasse T-Modell, und man sitzt überdies bequemer und luftiger als in der gut 6500 Euro teureren C-Klasse. Droht da Konkurrenz im eigenen Hause? Doch die B-Klasse bietet deutlich weniger Raum als ein nahezu gleich großer und gut 3000 Euro billigerer VW Touran, den es überdies auch in einer siebensitzigen Version zu kaufen gibt.

Der Jugendwahn des kleinen Mercedes führt zu einem unpraktischen Design. Wegen der unnötig schräg gestellten „dynamischen“ Frontscheibe sowie der dicken A-Säulen sieht man nach vorn vor allem beim Abbiegen schlecht – und nach hinten ist es beim Einparken auch nicht besser. Da sind die 803 Euro für Parkpiepser und ein automatisches Einparksystem (wie es VW und Ford schon länger haben) gut angelegtes Geld. Im Innenraum empfängt uns die neue B-Klasse endlich mit standesgemäßen Materialien und guter Verarbeitung.

Da ist der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger ein Klassensprung – abgesehen vom Hartplastikoberteil des tiefen Armaturenbretts, auf das man ständig schaut, wenn man auf die Straße blickt. Allerdings kostet alles Schöne und Gute Aufpreis; so 350 Euro für das Chrompaket mit den schicken Luftdüsen aus dem Sportwagen SLS. Oder 850 beziehungsweise 3117 Euro für die Navisysteme. Das frei stehende große Display im Stile eines iPads ist Serie. Aber selbst für zwei schnöde Cupholder kassiert Mercedes 30 Euro.

Was die neue B-Klasse unter der Haube hat, lesen Sie auf Seite zwei...

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