Zweifelhafte Klimabilanz : Elektromobilität zu Ende denken

Eine Studie des Öko-Instituts bescheinigt Elektroautos eine zweifelhafte Klimabilanz. Dabei deckt die Studie nur einen generellen Denkfehler auf. Das Gerede von einer Öko-Lüge ist jedenfalls falsch.

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Entscheidend ist, was reinkommt bei Elektroautos. CO2 kommt jedenfalls nicht raus, wie bei unseren heutigen Automobilen. Foto: dpa
Entscheidend ist, was reinkommt bei Elektroautos. CO2 kommt jedenfalls nicht raus, wie bei unseren heutigen Automobilen.Foto: dpa

Es ist eine Schlagzeile, die Aufmerksamkeit erregt: Elektroautos sorgen nicht für mehr Klimaschutz. Das ist wohl die Quintessenz einer Studie des Öko-Instituts für das Bundesumweltministeriums, aus der die "taz" vorab zitiert. Das bringt die Skeptiker ebenso auf den Plan wie es die Befürworter in Aufregung versetzt. Die einen sehen sich bestätigt und den anderen droht die schärfste Waffe im Kampf gegen die zaghafte deutsche Autoindustrie abhanden zu kommen.

Was aber ist wirklich neu an der Aussage? Schon lange ist klar, dass Elektromobilität für sich alleine kein Heilsbringer sein kann. Zwar wäre in Sachen Klimaschutz schon viel erreicht, wenn sich der Qualm vieler Millionen Pkws, die sich täglich auf Deutschlands Straßen im Berufsverkehr stauen, in saubere Luft auflösen würde. Doch im Zuge der Euphorie über eine saubere Art der automobilen Fortbewegung wurde von Beginn an gerne ausgeblendet, dass die Art der Stromerzeugung für den Klimaschutz entscheidend sein wird. Diese Frage aber ist in Deutschland eben noch nicht hinreichend geklärt. Was fehlt ist ein umfassendes Konzept für die Energiewende.

Energie aus Kohle als einzige Alternative?

Derzeit liegt der Anteil von Strom aus regenerativen Energiequellen nach vorläufigen Daten der AG Energiebilanzen bei rund 20 Prozent. Ein großer Fortschritt im Vergleich zum Vorjahr, wo der Anteil noch bei rund 17 Prozent lag. Der Anstieg ist allerdings vornehmlich dem Ausstieg aus der Atomenergie zu verdanken. So erfreulich diese Tatsache auch sein mag, sie hat auch ihre negativen Folgen. Denn um die starken Schwankungen bei der Einspeisung regenerativer Energie auszugleichen müssen, nach dem derzeitigen Stand, konventionelle Kraftwerke bereit stehen. Das bedeutet in Deutschland heute zum größten Teil Kohlekraftwerke. Und die sind bekanntlich am schädlichsten für die Klimabilanz.

Obwohl das Thema schon seit dem im letzten Frühjahr beschlossenen Atomausstieg immer wieder diskutiert wird fehlt es immer noch an einem politischen Beschluss, der diese Folgen des Atomausstiegs in umweltpolitisch vernünftige Bahnen lenkt. Gaskraftwerke würden sich als Alternative anbieten. Aber die rechnen sich wegen der günstigen CO2-Zertifikate und den niedrigen Preisen an den Strombörsen nicht. Stiege der Stromverbrauch sprunghaft an, was ein Boom bei Elektroautos wohl zur Folge hätte, dann stünde derzeit nur die braune oder schwarze Kohle als Ersatz bereit.

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