Auto : Zweitens anders als man erstens denkt

Unterwegs im Alltag – heute mit zwei Kompakt-SUV von Kia, die unterschiedlicher nicht sein könnten Soul oder Sportage: Wer schlägt sich besser? Am Ende unserer Probe waren wir überrascht

Eric Metzler
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Der Soul. Ein Hingucker. Kia wirbt um junge Fahrer, weshalb Teile der Armaturentafel Außenlack tragen und Medien-Anschlüsse wie...

Natürlich, auch beim Autofahren können wir uns zuweilen nicht dagegen wehren, voreingenommen zu sein. Bei dieser Probe zweier Kompakt-SUV von Kia waren wir uns ziemlich sicher, wer am Ende die Nase vorn haben würde. Wir haben uns getäuscht. Täuschen lassen. Weil der Soul das schönere, witzigere Auto ist. Ein klarer Kasten mit exrem kurzen Überhängen und einem Dachaufsatz, der vom Mini übernommen sein könnte. Aber der Sportage ist das schlauere Auto. Er fährt besser, er ist besser verarbeitet und unpraktischer ist er auch nicht. Am Ende jedenfalls waren wir mit der seltsamen, ja unansehnlichen Form des Sportage mehr versöhnt als mit dem Geklapper und Geknister im schicken Soul – allein die Heckklappe und ihre billigste Aufhängung macht jede noch so kleine Straßenhuppel zur Tortur.

Wir fuhren den Soul als 1.6 CRDI mit 128 PS, einem Diesel, der das mehr als 1,3 Tonnen schwere Gefährt zwar recht ordentlich beschleunigt, aber mit knapp acht Litern Testverbrauch zu viel schluckt und (gerade für den Stadtverkehr) zu rau läuft. Im Innenraum vibriert es zuweilen ein wenig, vielleicht fällt das umso mehr auf, weil bis aufs Lenkrad alles aus Hartplastik produziert ist. Teile des Armaturenbrettes sind (je nach gewählter Austattung) farbig hochglanzlackiert; bei uns handelte es sich um reines Weiß und das spiegelte sich störend in der Frontscheibe. Angenehm sind die hohe Sitzposition (die SUV-Käufer erwarten) und die Kopffreiheit; die (meist runden) Instrumente lassen sich leicht lesen, die Scahlter intuitiv bedienen. Hervorragend ist die Rundumsicht durch die großen Scheiben an den Seiten und am Heck des Kia, der allein schon wegen des knalligen Orange ein Hingucker ist. Gesteigert wird das Hallo durch weiße Folien, die sich von der Motorhaube übers Dach bis zur senkrecht stehenden Heckklappe ziehen. Andere Muster, ja, auch Drachen-Tattoos sind lieferbar – dem optischen Effekt hat man beim Soul offensichtlich viel Liebe gewidmet. Für die Variabilität indes blieb nichts mehr übrig. Der Kofferraum fällt mit 222 Litern knapp aus; die Rückbank lässt sich anders als bei vielen Konkurrenten nicht verschieben;.

Im Sportage ist das nicht anders, da vermisst man Verstell-Extras aber weniger, weil die Platzverhältnisse hinten per se ausgezeichnet sind. Die Rücksitze lassen sich hier schnell und zur glatten Ladefläche umlegen. Trotz der seperat zu öffenenden Glasscheibe in der Heckkklappe sind Kleintransporte nicht das reinste Vergnügen: Die Ladekante ist hoch, die dreiteilige Abdeckung des Gepäckraums nervt und der Kofferraum ist durch die weit nach innen ragenden Radkästen sehr verwinkelt. Hat man alles verstaut, geniesst man die guten Seiten des Sportage: Der Innenraum schaut etwas ältlich aus, ist aber gut verarbeitet. Ablagen gibt es in Hülle und Fülle, auch drei tragfähige Haken für Taschen und Tüten. Unterwegs verursacht das Auto weniger Windgeräusche als der Soul. Der Zweiliter-Diesel hat mit dem 1,7-Tonner keine Mühe, die Sechsgangschaltung arbeitet ohne Hakeln, die Übersetzung stimmt. Obwohl der Sportage über permanenten Allrad verfügt, fährt er sich sparsamer als der leichtere Soul: Testverbrauch 7,1 Liter.

Das Fazit: Der Soul ist ein Blender, auch beim Preis. Die Basis lockt ab 14 980 Euro, Diesel gibt’s aber erst ab 19 225 Euro. Der Sportage verkauft sich schlechter als er ist. Den 2-Liter-Diesel mit 150 PS gibt’s ab 25 840 Euro. Eric Metzler

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