Der Tagesspiegel : Mord an der kleinen Gloria: Die sechsjährige Tochter mit der eigenen Jacke erdrosselt

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Um Rache an seiner Frau zu nehmen und zu verhindern, dass sie das Sorgerecht für das gemeinsame Kind erhält, erdrosselte der 44-jährige Ottmar G. im vergangenen September seine sechsjährige Tochter. Gestern verurteilte die dritte Strafkammer des Landgerichts Frankfurt den Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Zudem sprachen ihn die Richter schuldig, seine Frau vorher fünf Mal vergewaltigt zu haben.

Dem Mord an der kleinen Gloria war ein Familiendrama vorausgegangen, das seinen Anfang im bayerischen Altötting nahm. Als sich die 34-jährige Ehefrau nach 17 Jahren Ehe von ihrem Mann trennen wollte, schlug und vergewaltigte er sie. Unter Polizeischutz zog die Frau zusammen mit ihrer Tochter einen Monat vor der Tragödie nach Berlin. Da sie nach den Drohungen ihres Mannes um ihr Leben fürchtete, erwirkte sie eine Übermittlungssperre für ihre persönlichen Daten. "Ich werde dir das Leben zur Hölle machen", hatte der ehemalige NVA-Offizier und gelernte Koch ihr gedroht. Dass sie inzwischen im Berliner Bezirk Hellersdorf wohnte, sollte er nicht erfahren.

Gleichwohl war ihm die Adresse bekannt: Wenige Tage vor der Tat war der Mann nach Berlin gereist und beim Familiengericht Kreuzberg erschienen, um das Recht zu erhalten, sein Kind sehen zu dürfen. Die Mutter bat eindringlich darum, Gloria bei sich behalten zu dürfen, und wies auf die Gewalttätigkeit des Mannes hin. Dennoch entschied die Richterin, dem Vater zu erlauben, mit dem Kind gemeinsam zu seiner Schwester nach Templin zu fahren. "Das Kind hängt an beiden Eltern", hatte die Richterin notiert. Ein Kontakt zu dem Vater sei notwendig. Der Mann durfte also das Mädchen zu dem vereinbarten Termin in Hellersdorf abholen. Kurze Zeit später war die Sechsjährige tot; auf einem Waldstück bei Berlin vom eigenen Vater mit dessen Jacke erdrosselt. Noch am selben Abend nahm ihn die Polizei auf der Autobahnraststätte Buckowsee-Ost fest.

In ihrer Urteilsbegründung legte die Vorsitzende Richterin gestern die niederen Beweggründe der Tat dar: "Sie haben sich zum Herrscher über das Leben Ihres eigenen Kindes gemacht, um Ihr eigenes egoistisches Handeln zu rechtfertigen."

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