Der Tagesspiegel : Mord an Multikulti

Gerd Appenzeller

Am 2. November wird in Amsterdam der Filmregisseur Theo van Gogh auf offener Straße ermordet. Der mutmaßliche Täter: ein radikaler Islamist mit niederländischer und marokkanischer Staatsangehörigkeit, einer von etwa einer Million Muslimen unter 16 Millionen Niederländern. Theo van Gogh war ein extremer Islamkritiker, einer, der auch überzog und beleidigte. Die deutsche Gesellschaft hätte jemanden wie ihn vermutlich kaum ertragen. Die Holländer hingegen, frei von Diktaturerfahrungen, waren immer stolz auf ihre Liberalität und auf die Tradition der freien Meinungsäußerung. Van Gogh hatte sich darauf berufen.

Seit dem 2. November sehen Holländer, deren Familien seit Generationen niederländische Pässe haben, die Einwanderer mit anderen Augen. Sie sprechen über das Aufkommen des radikalen Islam und die mühsame Integration von Immigranten aus islamischen Ländern. Und wir erkennen, dass dies kein holländisches Problem ist.

Seit dem 2. November wird auch in Deutschland diskutiert, ob unser Idealbild einer multikulturellen Gesellschaft keine Illusion ist. Ob es nicht falsch verstandene politische Korrektheit war, so zu tun, als gestalte sich das Zusammenleben verschiedener Ethnien und Religionen fast reibungslos. Vor allem in linken, sich aufgeklärt glaubenden Milieus hat man lange die Augen davor verschlossen, dass auch die Immigranten selbst Pflichten haben. Zum Beispiel die, so weit Deutsch zu lernen, dass sie einen Job annehmen können. Vor allem jedoch, dass sie ihren Kindern die Chance zum Spracherwerb geben müssen. Anders als in den Niederlanden ist aber bei uns der radikale Islam einer Minderheit (und nicht der türkischen!) nur ein sehr kleines Problem.

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