Der Tagesspiegel : Morpheus gnädig stimmen

Schlafstörungen und ihre Behandlung

Adelheid Müller-Lissner

Schlaf soll vor allem eines sein: erholsam. Viele Menschen wachen allerdings morgens auf und fühlen sich wie „gerädert“. „Schlafstörungen beginnen meist schleichend“, sagt der Psychiater und Schlafspezialist Dieter Kunz. Viele wissen gar nicht, dass sie unter einer solchen Störung leiden. Sie finden sich mit Leistungseinbußen und schlechterer „Performance“ ab. Dabei kann oft Abhilfe geschaffen werden – nicht allein durch Schlafmittel.

In vielen Fällen hilft es, am Drumherum etwas zu ändern. Mediziner nennen es „Schlafhygiene“, wenn man darauf achtet, das Schlafzimmer zu einem angenehmen Raum zu machen, abends nicht noch auf den letzten Drücker wichtige Arbeiten zu erledigen oder vor dem Einschlafen Partnerkonflikte auszutragen. Außerdem sollte man nicht zu viel Alkohol trinken, denn der hilft zwar manchmal beim Einschlafen, macht den Schlaf aber „flacher“ und weniger erholsam.

Aus Angst vor nächtlichen Toilettengängen weniger Wasser, Saft oder Tee zu trinken, ist dagegen nicht empfehlenswert. Um den Schlaf muss man wegen der kleinen Unterbrechung nicht unbedingt bangen: Meist wirkt der Harndrang nicht als Wecker, sondern stellt sich ein, wenn eine Tiefschlafphase ohnehin zu Ende geht.

Bei einigen Problemen hilft nur die Analyse des Problems beim „Probeschlafen“ unter ärztlicher Aufsicht im Schlaflabor. Dort könnte sich zum Beispiel herausstellen, dass eine Schlaf-Apnoe der Grund für den wenig erholsamen Schlaf ist. Das ist eine spezielle Art der Atmungsstörung. Um die Sauerstoffversorgung nach den Atemstillständen sicherzustellen, wachen Betroffene nachts immer wieder auf und holen tief Luft. Sauerstoffmasken können helfen – oft auch den Bettpartner(inne)n, die von den lauten Geräuschen beim Luftholen selbst um den Schlaf gebracht werden.

Eine andere Gruppe von Störungen bezeichnen die Mediziner als „Parasomnien“. Hier ist streng genommen nicht der Schlaf selbst in seiner „Architektur“ gestört, sondern es zeigen sich lästige Begleiterscheinungen. Auch sie können der Erholung allerdings abträglich sein. Schlafwandeln und nächtliche Angst („Pavor nocturnus“), die häufig bei Kindern auftreten, sind Phänomene während des Tiefschlafs. Albträume befallen uns dagegen nur im REM-Schlaf, weil wir nur dann träumen. Sie befördern den Schläfer aber meist ziemlich plötzlich in den Wachzustand. Bei der REM-Schlaf-Verhaltenstörung verhält sich der Schläfer mitten im REM-Schlaf, als sei er wach. Leichte Ausprägungen erkennt man an einfacher motorischer Unruhe beim Träumen, am Sprechen im Schlaf oder dem Austeilen von Fußtritten. In schweren Fällen schreien die Schläfer herum, toben und fallen mitunter aus dem Bett. Abhilfe schaffen Medikamente.

Bei vielen Patienten ist „erlerntes Fehlverhalten“ die Ursache ihrer Schlafstörung. Nach einigen „schlaflosen Nächten“ – die in Wirklichkeit nie ganz schlaflos sind – entwickeln sie Angst vor der Nacht. Und geraten so in einen Teufelskreis. Nun ist es die Angst, die sie davon abhält, zur Ruhe zu kommen. Dem kann man oft mit einer Verhaltenstherapie Einhalt bieten. Bei aller Bedeutung der Nachtruhe rät Schlaflabor-Chef Kunz: „Man sollte sich wegen Schlaf nicht verrückt machen.“

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