Moskau : Britischer Diplomat der Spionage verdächtigt

Die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien kommen nicht zur Ruhe. Dem englischen Leiter der Botschaftsabteilung für Handel und Industrie wird von der russischen Regierung Spionage vorgeworfen. Chris Bowers hat angeblich "verdächtige" Kontakte in den Nordkaukasus.

LondonRussland hat einen britischen Diplomaten in Moskau der Spionage bezichtigt. Die Vorwürfe richteten sich gegen den amtierenden Leiter der Botschaftsabteilung für Handel und Industrie, erklärte ein Sprecher des britischen Außenministeriums in London am Freitag. Er könne lediglich bestätigen, dass der Mann "von den Russen verdächtigt wird, zu spionieren", sagte der Sprecher. "Wir kommentieren Geheimdienstangelegenheiten grundsätzlich nicht", fügte er hinzu.

Verdächtige Kontakte in Tschetschenien

Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA war in russischen Medien der Name des angeblichen Spions mit Chris Bowers angegeben worden. Ihm seien unter Hinweis auf nicht genauer bezeichnete russische Geheimdienstquellen "verdächtige" Treffen mit Regierungsgegnern aus dem Nordkaukasus vorgeworfen worden, darunter aus Tschetschenien. Offiziell hat Russland jedoch bislang nichts gegen den angeblichen Spion unternommen.

Die Zeitung "The Times" deutete die Medienvorwürfe als Versuch, in den Auseinandersetzungen um den britisch-russischen Ölkonzern TNK-BP Druck auf London auszuüben. Zudem hatte die Zeitung erst kürzlich berichtet, dass britische Geheimdienste die russische Spionage in Großbritannien mittlerweile als drittgrößte potenzielle Bedrohung des Königreichs ansehen würden - nach der Terrororganisation Al Qaida und dem Atomprogramm des Irans. Russische Agenten hätten Großbritannien in den letzten Jahren "überflutet". (sg/dpa)