Münster : Picasso-Museum zeigt spektakuläre Fälschungen

Eine umfangreiche Auswahl von Kunstfälschungen von Picasso, Dalí, Chagall und Miró ist erstmals in Deutschland zu sehen. In der Ausstellung in Münster wird auch an den "detektivischen Spürsinn" der Besucher appelliert.

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Was ist echt, was ist Fälschung? -Foto: dpa

MünsterDas Picasso-Museum Münster zeigt von Freitag an rund 250 teils täuschend echt aussehende Fälschungen der klassischen Moderne und des Expressionismus. Es handelt sich um über Jahrzehnte gesammelte Asservaten des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg. Ergänzt wird die Schau "Wa(h)re Lügen" (7.9.-13.1.2008) durch ebenfalls vom LKA beschlagnahmte Utensilien aus Fälscherwerkstätten wie Grafik-Druckplatten.

Anhand von rund 30 dazugestellten Originalen können Besucher mit "detektivischem Spürsinn" die oft nur minimalen Unterschiede ausmachen. "Wir wollen die Werke nicht nur plakativ zeigen, sondern den Blick der Besucher schärfen", betont Museumsleiter Markus Müller. Daher sei auf die sonst üblichen Bildunterschriften verzichtet worden. Erst ein Blick in das Begleitheft gibt Aufschluss über Original und Fälschung. Meist sind es kleine handwerkliche Fehler an den vermeintlichen Meisterwerken, die kaum einem Laien auffallen dürften. Mögliche Indizien für künstlerische Irreführungen können übertriebene Signaturen sein, oder das verwendete Papier, das nicht zur Schaffensperiode des Künstlers passt.

Museen sehr zögerlich bei Leihgaben für die Ausstellung

Wie nahe viele Kopien an der Perfektion sind, zeigt der Umstand, dass Münster bei der Anfrage nach Leihgaben von vielen Museen ohne Umschweife einen Korb bekam. "Man hat offensichtlich Angst, dass statt des Originals die Fälschung zurückkommt", vermutet Müller hinter den schnellen Absagen.

Mit der Schau gewährt das Landeskriminalamt erstmals einer breiten Öffentlichkeit Einblicke in sein Depot. Neben Plagiaten französischer und spanischer Klassiker lagern dort auch hunderte Nachahmungen von Werken von Künstlern wie Käthe Kollwitz, Otto Dix oder Max Pechstein. Die Stuttgarter Kunstexperten im Staatsdienst gelten bundesweit als führend bei Ermittlungen auf dem Kunstfälschermarkt. Kriminalhauptkommissar Ernst Schöller ermittelt verdeckt auf Kunstmessen und Auktionen. Auch vor fingierten Millionendeals schrecken er und seine Kollegen nicht zurück, um Kunstfälschern das Handwerk zu legen.

Kunstfälschung kein Straftatbestand

"Leider tauchen bestimmte Werke immer wieder auf", beklagt der "Fälscherjäger" eine deutsche Gesetzeslücke. Anders als etwa in Frankreich, wo sichergestellte Fälschungen sofort im Schredder landen, müssen viele Falsifikate in Deutschland an den letzten Eigentümer zurückgegeben werden. "Das ist kurios, aber es gibt bei uns keinen Straftatbestand Kunstfälschung. Nur wenn wir eine betrügerische Absicht nachweisen können, bleibt das Bild beschlagnahmt." Kunstexperten schätzen die Umsätze auf dem illegalen Kunstmarkt in Deutschland auf jährlich bis zu 2,5 Milliarden Euro - ein ähnlicher Wert wie beim legalen Handel.

Nach Münster ist die Ausstellung ab Mitte Februar 2008 in der Galerie Albstadt in Baden-Württemberg zu sehen. Diese verfügt nach eigenen Angaben über den weltweit größten Bestand an echten Arbeiten auf Papier von Otto Dix.