''Multi Air'' : Die reinste Luftnummer

"Multi Air" revolutioniert die Beatmung des Benziners, sagt Alfa – und deshalb versuchen wir zu verstehen, wie das Autofahren sparsamer und sportlicher zugleich werden soll.

Eric Metzler
Mito
Mein Retter. Der Mito hat Alfa vor dem Untergang bewahrt - dafür darf er als Erster im Fiat-Konzern mit Multi Air glänzen. -Foto: Eric Metzler

Selbst schuld. Im Laufe der Jahre haben die Hersteller den geneigten Kunden dermaßen mit unverständlichen Kürzeln, Sprechblasen und Technik-Titeln zugeballert, dass er nichts und niemanden mehr versteht. Ob Blue Tec, Flextreme oder Duratorq, das Begriffswirrwarr ist markenübergreifend perfekt. Alfa versucht es trotzdem mit einem neuen Etikett – und hat gute Chancen, die Erfindung dazu auch außerhalb Italiens zu einem Begriff zu machen: Multi Air. Dahinter steckt nämlich mehr, als Altbekanntes mit einer neuen Formel zu vermarkten: eine neue Motorentechnologie, die das Fahren kleiner Benziner „sportlicher und sparsamer zugleich“ machen soll.

Das genaue Hinschauen lohnt schon deshalb, weil die größten Fortschritte in der jüngeren Vergangenheit meist den Dieseln zunutze kamen. Zwar haben kleine Turbomotoren dank perfektionierter Direkteinspritzung bei den Benzinern Fortschritte gebracht. Geblieben ist aber das Problem der optimalen Beatmung: Seit ehedem wird über die Drosselklappe gesteuert, wie viel Luft dem Motor für die Verbrennung zur Verfügung steht – ein ziemlich wechselhafter, verantwortungsvoller Job, weil er über Leistungsabgabe und Verbrauch in jedem Moment des Fahrens entscheidet. Die Betonung (und die Problematik) liegt auf „in jedem Moment“: Die Bedingungen der Straße und das Verhalten des Fahrers ändern sich zuweilen so schnell, dass die mechanische Luftklappe nicht mitkommt. Die Folge sind Energie- und Leistungsverluste von bis zu zehn Prozent. Befriedigend ist der ganze Prozess auch deshalb nicht, weil alle Zylinder in gleicher Weise, also ungeregelt, beatmet werden.

Damit wollte sich Alfa nicht abfinden – und erspart der Luft nun den Umweg über die Ventile der Drosselklappe. Beim Multi Air bleibt diese ständig geöffnet. Stattdessen sind allein und direkt die Einlassventile maßgebend. In jedem Moment wird neu entschieden, welche Menge an Luft und Benzin der Motor benötigt. Und genau dieses Optimum wird über eine elektrohydraulische Steuerung zur Verfügung gestellt. Zylinder für Zylinder. Besonders, wenn der Motor nicht auf Hochtouren läuft (Ingenieure sprechen von Teillast), bringt diese „variable Ventilsteuerung“ Vorteile: An Luft und Benzin wird kontinuierlich nur das verbrannt, was der Fahrer wirklich abfordert – und damit sinken Verbrauch, Emissionen und Betriebskosten. Zugleich reagiert der Motor schneller auf Lastwechsel; die spezifische Leistung (PS pro Liter) nimmt zu.

Als erster profitiert nun der kompakte Mito von der Erfindung. Bei ihm schlägt sich die neue Verbrennungs-Logik in bemerkenswerten Versprechen nieder: 10 Prozent weniger Spritverbrauch, 10 Prozent mehr Leistung und bis zu 15 Prozent mehr Drehmoment im unteren Bereich. Die Werte beziehen sich auf den neuen 1,4-Liter-Multi-Air-Motor, der bei uns in zwei Turbovarianten auf den Markt kommt: Die neue Topmotorisierung mit 170 PS gibt es ab Dezember, das mutmaßliche Volumenmodell mit 135 PS ab sofort. Bei einer ersten Fahrt bewies der kleine Multi Air tatsächlich dort auffällige Qualitäten, wo die meisten Fahrer die meiste Zeit unterwegs sind: Im Drehzahlkeller zwischen 1500 und 3000 Touren. Bei kleinen Benzinern ruht hier gemeinhin der See. Der Multi Air dagegen macht die Welle: Schon bei 1750 Touren liegen 180 Newtonmeter an; im Sportmodus, der sich über den stets serienmäßigen DNA-Schalter in der Mittelkonsole aktivieren lässt, sind es sogar 205 Newtonmeter. Damit schlägt der Alfa den Konkurrenten Mini Cooper mit 120-PS-Saugmotor klar – schließlich kommt der erst bei 4000 Touren auf selbige. Dass der Alfa zwei Zehntel mehr Benzin verbraucht, lässt sich angesichts der deutlich besseren Fahrleistungen gegenüber dem Mini verschmerzen: 5,6 Liter sind für einen sportlichen Feger ein respektabler Wert – zu dem auch die neue, beim Multi Air serienmäßige Start-Stopp-Automatik beiträgt.

Der 1.4 TB 16V Multi Air mit 135 PS ersetzt den bisherigen 120-PS-Turbo. In der (bis auf die fehlende Klima) gute Basisausstattung kostet der Kompakte mit den Kulleraugen 17 300 Euro (zum Vergleich: der Mini Cooper mit 120 PS liegt bei 19200 Euro). Wer bereit ist, in diesen kleinen Italiener zu investieren, bekommt dafür einen sparsamen, wieseligen Dreitürer, der kernig nach Alfa klingt und mit seiner geregelten Zündung einen technischen Fortschritt an Bord hat, auf den Alfa ähnlich stolz ist wie einst auf die Einführung des Common-Rail-Diesels. Der begann seinen weltumspannenden Siegeszug in einem – na, wissen Sie’s? – Alfa 156.

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