Der Tagesspiegel : Multiple Persönlichkeit

Unterwegs im Alltag – heute mit einem Briten, dessen Neuauflage noch besser geworden ist

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Auf den ersten Blick …

sind die Würfel schon gefallen: Mit dem neuen Range Rover Sport werden wir warm. Kein kleines Gerät, sicher, aber eins, dessen Heck anmacht. Die Schräge nimmt dem 4x4 die Schwere, deutet zudem elegant an, was an Fahrleistungen möglich sein könnte. Der Name täuscht: Unser Proband leitet sich nicht vom Original-Range-Rover ab; er steht auf der Plattform des kleineren Discovery (der gerade ebenfalls in neuer Generation an den Start gegangen ist). Innen ist die Verwandtschaft seit Herbst letzten Jahres viel deutlicher: Der neue RR Sport ist gereift – mehr Details in Chrom und weniger Schalter in der nach wie vor mächtigen Mittelkonsole. Die Oberflächen sind nun softer; das Ganze wirkt klar, stimmig und edel. Außen erkennt man das aktuelle Modell vor allem an der Front mit dem größeren Lufteinlass und den LED-Scheinwerfern.

Pluspunkte gibt es vor allem für …

den grandiosen Dreiliter-Diesel, der aus dem geländesicheren Range auf der Straße einen erhabenen Souverän macht. Wenn es nötig ist, entfaltet der Sechszylinder schon im Drehzahlkeller eine Kraft, die den Vorgängerdiesel blass werden lässt: 600 Newtonmeter kommen zum Zuge, ein Maximum, das die Physik außer Kraft zu setzen scheint: 2,6 Tonnen Gewicht sind plötzlich gar nicht mehr schwer. Sehr gut hat uns das Fahrwerk mit seiner serienmäßigen Luftfederung gefallen. Mit kleinen und großen Verwerfungen kommt es gleichermaßen zurecht; selbst die großen 20-Zoll-Räder schmälern den Komfort nicht bedeutsam. Die neue Sechsgangautomaik schaltet weich. Erstmals kann man die Gänge auch manuell über Wippen am Lenkrad wechseln – ein Feature, an das wir uns bei einem Auto dieser Bauart noch nicht gewöhnt haben.

Weniger Charme haben …

einzig Kleinheiten, die von den Ingenieuren nachgebessert werden sollten. So mag das schlüssellose Zugangssystem nach dem Shoppen bequem sein – das Plus wird aber zum Minus, wenn man den Schlüssel gleich zwei Mal einschieben muss, um dem Startknopf eine Reaktion des Motors zu entlocken. Ein Ärgernis ist die Klimaautomatik, die bei noch so viel Fummelei keine zugfreie Einstellung zulässt. Auch die Bedienung des (im Grunde zuverlässigen) Navis ist gewöhnungsbedürftig. Teils müssen viele Menüpunkte angetoucht werden, um simple Funktionen zu erledigen. Das Rollo, mit dem der Gepäckraum abgedeckt wird, hakelt – da ist die Premium-Konkurrenz geschmeidiger.

Das spannendste Detail …

verrichtet seine Arbeit von fünf Positionen am Auto aus: ein Surround-Kamerasystem, mit dem man weit mehr sieht als die Begrenzung der Parklücke. Im Blick ist beinahe eine 360-Grad-Ansicht der Umgebung – zwar nicht so schön wie Kino, aber für Gespannfahrer mindestens genauso spannend (1300.- Aufpreis).

Unterm Strich die richtige Wahl für …

alle, die Gegensätze anziehend finden und fürs Vereinen derselben 61 600 Euro aufbringen. Dafür bekommt man eine multiple Persönlichkeit, die das Understatement beherrscht: Ein Schwergewicht, mit dem Wieseln ein Leichtes ist; einen robusten Geländegänger mit Sinn fürs Feine. Vier Leute sitzen auf klasse Sitzen superbequem; der Kofferraum ist passabel. Und: Der Dreiliter-Biturbo ist für den RR Sport die ideale Besetzung. Beinahe hätten wir es geschafft, weniger als zehn Liter zu verbrauchen. Beim nächsten Mal, wenn wir die Vorzüge dieses starken Motors nicht mehr ergründen müssen, schaffen wir’s dann.Eric Metzler

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